"Das kann ja nicht alles sein"

16. Dezember 2011. Joachim Sartorius, Poet, Diplomat und noch bis Ende des Monats Intendant der Berliner Festspiele, blickt im Tagesspiegel-Interview mit Frederik Hanssen und Christiane Peitz auf seine 11 Jahre währende Amtszeit zurück. Durchaus selbstbewusst zählt er seine Erfolge auf: "Zum ersten Mal in der Geschichte der Festspiele ein eigenes Theater. Zum ersten Mal ein Ausstellungshaus, ein prächtiges obendrein: der Martin-Gropius-Bau. Und zum ersten Mal in der kompletten finanziellen Obhut des Bundes."

Programmatisch sei die wichtigste Neuerung gewesen, die überlangen Festwochen abzuschaffen und stattdessen das Musikfest Berlin und die Spielzeit Europa zu etablieren. "Letztere wurde ja gegründet, um das große Theater in der Schaperstraße mit seinen 1000 Plätzen über einen längeren Zeitraum zu bespielen, als Stagione-Betrieb mit Gastspielen und Koproduktionen. Das hat hervorragend funktioniert."

Als schwierig empfand Sartorius den "Spagat zwischen den Anforderungen des großen Festspielhauses und den Erwartungen der Politik einerseits – und andererseits meinen Leidenschaften für ungewöhnliche, schräge und damit auch kleinere Produktionen. Bei Pina Bausch, William Forsythe oder Robert Lepage war es immer voll. Aber das kann ja nicht alles sein." Dass "Richard III." mit Kevin Spacey es dennoch nicht nach Berlin schaffte, liegt am Geld: "Wir haben mit rund zehn Millionen Euro Bundeszuschuss für die gesamte Festivalfamilie ein auskömmliches Budget für normale Gastproduktionen. 'Richard III.' hätten wir gerne gezeigt, es gab auch Vorgespräche, aber sollen wir für den Mainstream, der die Kunst nicht vorantreibt, so viele Gelder binden?"

Als Höhepunkte seiner Amtszeit empfindet Sartorius u.a. Schlingensiefs Kirche der Angst vor dem Fremden in mir und Isabelle Huppert in Sarah Kanes "4.48 Psychose".

(geka)

 
Kommentar schreiben