Ein doloses System

23. Januar 2014. In der Nachrichtensendung des ORF ZIB 2 (22.1.2014) äußert sich Dr. Georg Springer, Geschäftsführer der Bundestheater-Holding, zur Demission der Burgtheater-Vizedirektorin und zur finanziellen Krise des Burgtheaters (hier zur Mediathek des ORF). Die Kündigung der Vizedirektorin Silvia Stantejsky sei arbeitsrechtlich motiviert gewesen. Gründe für eine Strafverfolgung sieht er nicht. Mit dem Krisenmanagement von Matthias Hartmann sei er "nicht zufrieden", sagt Springer. Gleichwohl wolle er Hartmann keine Vorwürfe machen, da das eingerichtete bilanztechnische "System" der Vizedirektorin ohne seine Kenntnis und ohne die Kenntnis des Aufsichtsrats und der externen Wirtschaftsprüfer bestanden habe.

Auch will er Hartmann mit seiner Fülle an Produktionen und den – von den Medien kritisierten – hohen Produktionskosten nicht für die finanzielle Misere des Burgtheaters verantwortlich machen. Hauptsächlich die Auftaktspielzeit der neuen Intendanz sei durch eine Menge an Neuinszenierungen bestimmt gewesen, so Springer. Aber aktuelle Zuwächse in Zuschauerzahlen und Einnahmen bewiesen: "Das Publikum folgt dem künstlerischen Weg von Matthias Hartmann." Und: "Matthias Hartmann wurde vorgegaukelt, dieses Wort verwende ich jetzt ganz bewusst, dass das alles finanzierbar sei und zwar durch ein doloses System, das nicht nachvollziehbar war." Prognosen zum aktuellen Defizit des Burgtheaters für die letzte Spielzeit möchte er nicht geben. Hier sei die nächste Aufsichtsratssitzung am 10. Februar 2014 abzuwarten. Es werde "mit Sicherheit" auf mehr als die 3,7 Millionen Defizit der vorletzten Spielzeit hinauslaufen, allerdings gibt sich Springer "überzeugt", dass das Defizit "nicht zweistellig" ausfallen werde.

Im Standard (22.1.2014) äußert derweil der Dramatiker Peter Turrini im Interview mit Andrea Schurian Verständnis für Burgtheaterintendant Matthias Hartmann: "Wenn einer in Verschiss gerät, wird alles zum Vorwurf." Turrini über die Kritik an Hartmanns Auftreten: "Manchmal ist er unerträglich, autistisch und größenwahnsinnig. Aber das sind im Theater fast alle, bei Zeiten auch ich. Hartmann, den ich schon sehr lange kenne, ist ein großer Theaterzampano. Er bringt alle zum Phantasieren. (...) Hartmann wurde in Wien mit offenen Armen empfangen, aber derzeit verwandeln sich die offenen Arme in Würgegriffe."

Zur Frage der Theatersubventionen (das Burgtheater erhält rund 50 Millionen Euro Zuschuss) gibt Turrini zu Protokoll, die Burg könne nach seinem Empfinden ruhig "noch mehr kriegen". Dann verallgemeinert er: "Wovon reden wir hier überhaupt? Österreich möchte eine Kulturnation sein und gibt nicht einmal ein Prozent seines Budgets für Kunst und Kultur aus."

(chr)

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