Entwürfe und Gegenentwürfe

Presseschau

5. Mai 2014. Auf der Website des Deutschlandradios Kultur (4.5.2014) schreibt Gerd Brendel über die Konferenz Theater und Netz am 3. und 4. Mai in Berlin: die sozialen Medien bekämen "immer mehr Raum auf der Bühne".

Er zitiert den Dortmunder Dramaturgen Alexander Kerlin: "Ne klassische Guckkastenbühne ist von oben bis unten ne Maschine. Das Theater, wo der Mensch in seiner natürlichen Art und Weise auftritt, das gibt es gar nicht. Es war schon immer so, dass Theater immer eine Kunstform zwischen Mensch und Maschine gewesen ist."

Gegen diese Auffassung, dass Netz und Theater sich "perfekt" ergänzten, stellt er ein Statement von Barbara Mundel, Intendantin des Theaters Freiburg, die fragte: "... wie Macht auch im Internet funktioniert. Ich finde es immer noch absurd, dass wir heutzutage noch davon reden, wie enthierarchisiert das Internet ist." Quasi als Gegenentwurf habe Mundel an ihrem Theater ein Computerspiel in die Realität übersetzt [die Nachtkritik vom 20.7.2013 zu Klaus Gehres und Lev Ledits 24-Stunden-Sause Regiodrom in Freiburg können Sie hier nachlesen].

Über das Gespräch zwischen Theaterregisseur Robert Borgmann und Computerspiel-Entwickler Dennis Schwarz am Eröffnungsabend der Konferenz bemerkt Brendel, fast "könnte man meinen, Schwarz beneide den Theatermacher Borgmann um dessen Freiheit von ökonomischen Zwängen zu beneiden und um die Möglichkeit, auf der Bühne Spielwelten mit realen Menschen zu entwerfen." Der Theatermacher andrerseits bewundere am Computerspiel, dass "der Spieler Teil einer geschlossenen Spielewelt" werde.

 

Blogs

Auf seinem Blog Stage and Screen gibt Sascha Krieger (Kurator des "Blogger's Space" bei der Konferenz "Theater und Netz") Einblicke in das Zusammentreffen der Blogger auf der Konferenz und schreibt über die eher behutsame Annäherung des Theaters an Netzfragen, die er in den Workshop-Programm erlebte. Auf den Panels des zweiten Konferenztages machte er größere Schnittstellen zwischen digitaler Welt und Bühnenwelt aus, vor allem in den Diskussionen zu Game-Formaten, zum Aktivismus 2.0 und zu Crowdfunding-Projekten: "Diese Scherenbewegung war wohl das Spannendste am offiziellen Teil (...) der Konferenz: auf der einen Seite das Netz als Neuland und im besten Falle Marketinginstrument in weiten Teilen der Theaterszene, auf der anderen die schon tief in beide Bereiche eindringende Verzahnung und gegenseitige Befruchtung in konkreten Projekten."

Der Theatertreffen-Blog kam in Mannschaftsstärke zu "Theater und Netz" und bloggte kollektiv. So schreibt Manuel Braun: Auf den Panels sei der "Umbruch des Theaters" mitsamt der "Ernsthaftigkeit und Nervosität der Branche" sichtbar geworden. Demgegenüber habe das Konferenzspiel der Gesellschaft für Kulturoptimismus ins Bewusstsein gerufen, "dass das Internet eine Spielwiese ist, denn wir Kreativen, Netzkinder – und allen voran Theatermacher – sind schon immer Spieler gewesen. Das Spiel ermöglicht uns einen kreativen Umgang mit unserer Umwelt und unseren Problemen und führt uns vielleicht einfacher und spielerischer zur Antwort auf die Frage, die hier alle umtreibt: wie geht das Theater mit dem Internet um?"

Im Interview mit Hannah Wiemer vom Theatertreffen-Blog spricht Christian Diaz (bekannt geworden als "der Billeteur" vom Burgtheater Wien) über seine Recherchen zum Outsourcing am Burgtheater und zum Personaldienstleister G4S und seinen Versuch, "künstlerische Mittel mit Aktivismus zu verschränken".

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