Interessenskonflikt?

Wien, 12. Juni 2014. Anfang März wurde der Rechtsanwalt Thomas Angermair von Kulturminister Josef Ostermayer im Zuge der Burgtheaterkrise damit beauftragt zu prüfen, ob Burgtheaterchef Matthias Hartmann "eine arbeits-, schadenersatz- und gesellschaftsrechtliche Verantwortung" treffe. In dem entsprechenden Rechtsgutachten empfahl Angermair, Matthias Hartmann zu entlassen – Ostermayer folgte diesem Rat und berief sich bei der Begründung stets auf das Gutachten.

Nun haben, nach einem Bericht von Judith Hecht in der Presse (11.6.2014) Hartmanns Anwälte bei der Rechtsanwaltskammer Wien eine Anzeige gegen den Gutachter eingebracht. "Angermair hätte diesen Auftrag niemals annehmen dürfen", sagt Hartmann-Anwalt Georg Schima laut Presse. Die Begründung: Angermair sei nur wenige Monate zuvor, Ende November 2013, bereits von Hartmann "um rechtliche Hilfe gebeten und ins Vertrauen gezogen worden". Hartmann habe Angermair damals in einem 45minütigen Gespräch seine Lage geschildert und ihm im Vertrauen auf die anwaltliche Schweigepflicht auch anvertraut, "dass er draufgekommen sei, dass es ein ungelöstes steuerliches Thema im Zusammenhang mit seinen Vorbereitungshonoraren gebe". Gegen Ende des Gesprächs habe Angermair "sinngemäß" gesagt, "er müsse sich überlegen, wie er Hartmann helfen könne, da er früher schon die Burg vertreten habe. Sollte es zu einem Prozess 'Burg gegen Hartmann' oder 'Hartmann gegen Burg' kommen, wolle er die Burg und nicht Hartmann vertreten."

Weitere Gespräche zwischen den beiden habe es nicht gegeben, stattdessen wurde Angermair von Ostermayer mit dem Gutachten beauftragt. "Auf die Frage, ob er keinen Interessenskonflikt darin gesehen habe, den Auftrag des Kulturministers anzunehmen, obwohl er wenige Monate zuvor schon von Hartmann in dieser Angelegenheit ins Vertrauen gezogen worden sei", sagte Angermair der Presse: "Letztlich habe ich kein Mandat für Hartmann übernommen. Deshalb sehe ich keinen Konflikt." Befragt danach, ob er den Kulturminister bei Beauftragung darüber informiert habe, dass es schon ein Gespräch mit Hartmanns geführt habe, antwortete Angermair: "Mit dieser Frage überfordern Sie mich jetzt". Der Pressesprecher des Kulturministers lässt hingegen wissen, "dass man Angermair vor der Beauftragung ausdrücklich gefragt habe, ob aufgrund seiner vorherigen Tätigkeiten für das Burgtheater irgendein Interessenskonflikt vorliegen könne" – was von diesem verneint worden sei.

(ape)

 

Alles zur Krise des Burgtheaters und zur Entlassung von Matthias Hartmann finden Sie in unseren ausführlichen Chronik.

 
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