Das Verhängnis der schwarzen Null...

8. September 2014. ... mit dieser Überschrift ist das ganzseitige Interview in der Süddeutschen Zeitung übertitelt, in dem sich Ex-Burgtheater-Direktor Matthias Hartmann ausführlich zu den Vorwürfen der Misswirtschaft äußert und auch Vorwürfe erhebt. Zur Seite steht ihm in dem Gespräch Theater-Finanzexperte Peter F. Raddatz. 

"Ein Stück voller Absurditäten. Da wurde Schauspielern das Kindermädchen bezahlt. Es gab Quittungsbelege von 1,50 Euro für irgendwas, das wurde im Burgtheater dann mit 1500 Euro verbucht." So holt Matthias Hartmann im Interview mit Christine Dössel und Thomas Fromm in der Süddeutschen Zeitung (8.9.2014) aus. Hartmann hat Peter F. Raddatz zum Gespräch mitgebracht, derzeit Geschäftsführer am Hamburger Schauspielhaus, der ihm als externer Berater zu verstehen hilft, wie es zum Millionen-Defizit kommen konnte. Bereits 2011 habe Hartmann bei Raddatz angerufen, weil er meinte, dass mit den Finanzen  etwas nicht stimmen könne. Raddatz fand heraus, dass "zu dem Zeitpunkt, als Hartmann angefangen hat, das Burgtheater schon komplett überschuldet war" und Schulden von 13 Millionen mit sich herumgeschleppt habe.

Das Burgtheater habe sich reicher gerechnet, so Raddatz, zum Beispiel weil es ungeheuerlicherweise Bühnenbilder in der Bilanz habe stehen lassen. "'König Lear', die Inszenierung von Luc Bondy aus dem Jahr 2007, zwei Jahre, bevor Hartmann kam. Die kostete stolze 1,5 Millionen Euro und blieb, obwohl sie dann nicht mehr gespielt wurde, in der Bilanz stehen. Und das hat man nicht nur mit einer Produktion so gemacht, sondern mit ganz vielen." Und weiter heißt es: "Ich behaupte, dass alle Jahresabschlüsse seit der Ausgründung des Burgtheaters 1999 komplett neu gemacht werden müssten."

Als Hartmann nach den Schulden gefragt hätte, habe man ihm erklärt, dass "man für deren Beseitigung Rücklagen aufgelöst hätte, die in Wahrheit gar nicht aus Geld bestanden. Ich versteh's bis heute nicht, aber es wurde wieder diese schwarze Null erzeugt". Wenn er heute das Wort "schwarze Null" höre, stünden ihm die Zehennägel hoch, so Hartmann.

Auch er habe Vorbereitungshonorare in Tranchen zu 110 000 Euro ausbezahlt bekommen. Dass er versäumt habe, 2011 seine Steuern korrekt anzugeben, sei ein Fehler gewesen, eine "persönliche Schwachstelle", "aber das hat doch mit der Krise des Theaters nichts zu tun". Im Gegenteil, so Hartmann, "wenn ich die Intention gehabt hätte, etwas zu verschleiern, hätte ich weder Herrn Raddatz geholt noch die KPMG auf diese neuralgischen Probleme aufmerksam gemacht. Ich habe aber alles daran gesetzt, Transparenz in dieses Unternehmen zu bringen". Und wenn man so will, habe er mit der Aufklärung für seinen eigenen Untergang gesorgt.

Dass Bundestheaterholding-Chef Georg Springer bislang nicht verantwortlich gemacht wurde, zwar seinen Posten geräumt habe, aber bei vollen Bezügen seine Pension beziehe, da glaubt Hartmann sei das "letzte Wort noch nicht gesprochen. Die wollten schnell ein Opfer finden, um die Aufmerksamkeit ganz von sich weg und auf mich zu lenken."

Zu der Interviewpassage, dass Karin Bergmann ihren Vorgänger Klaus Bachler auf der Aufsichtsratssitzung 2008 vertreten und damit impliziert die Geschäftsführung innegehabt hätte, hat das Burgtheater mittlerweile eine Richtigstellung verschickt, in der es von Bergmann heißt:

"Ich habe Klaus Bachler zu keinem Zeitpunkt als Geschäftsführer vertreten. Ich hatte zu keinem Zeitpunkt Prokura sondern war als Stellvertreterin der künstlerischen Direktion konkret damit betraut, die operative Abwicklung der geplanten Spielzeit 2008/09 durchzuführen. In der Aufsichtsratssitzung im Juni 2008, in der ich den ausnahmsweise entschuldigten künstlerischen Geschäftsführer Klaus Bachler vertreten habe, hat Matthias Hartmann, der seit 13. Juni 2006 designiert war, die Prokura für die Geschäfte des Burgtheaters erhalten. Daher hat auch Matthias Hartmann die Bilanz am Ende der Spielzeit 2008/09 anstelle von Klaus Bachler unterzeichnet."

(sik)

 

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