Medienschau: rbb, BLZ – Kürzungen für große Theater Berlins abgewendet?
Als Retter inszeniert
Als Retter inszeniert
7. Dezember 2024. Im Interview mit dem Rundfunk Berlin-Brandenburg erklärt Berlins Kultursenator Joe Chialo die Anpassungen für die Kultur im Landeshaushalt. "Juristische und technische Möglichkeiten" erlaubten es, nun "auch kulturpolitische Schwerpunkte zu setzen".
Für etliche Kulturinstitutionen, darunter einige der großen Theater, aber auch das Produktionshaus HAU Hebbel am Ufer, sind nun geringere Einsparungen vorgesehen als anfangs befürchtet. Weil etwa die Kinder- und Jugendtheater mit ihrem Bildungsauftrag wichtig seien, hätte es hier noch einmal Nachbesserungen gegeben, so Chialo. Am Theater an der Parkaue etwas, das nach einer Sanierung eben neu eröffnet hat, sei es bei den geplanten Einsparungen schwierig geworden, Programm zu gestalten. In Folge "schauen wir schon, was wir da machen können, gemeinsam mit den Parlamentariern", sagte Berlins Kultursenator dem rbb.
Kultur resilienter machen
In der Kurzfristigkeit – über den finalen Landeshaushalt entscheidet das Berliner Abgeordnetenhaus am 19. Dezember – liege "für alle eine unglaublich große Herausforderung". Chialo zeigt sich allerdings optimistisch, "dass wir dann eine gute Lösung finden werden".
Vor dem Hintergrund der zuletzt vehementen Kritik an seiner politischen Performance wünscht sich Chialo, dass "aus dieser depressiv-aggressiven Stimmungslage heraus wieder so etwas wie Optimismus und ein Blick nach vorne" entstehe, im Vertrauen darauf, dass Berlin als Stadt aus Krisen "immer stärker hervorgegangen" sei. In den nächsten zwei, drei Jahren ließe sich "eine Situation kreieren, die Berlin für die Zukunft noch stärker und resilienter macht".
Rechenschieberei
In der Berliner Zeitung fragt sich Ulrich Seider, woher die Gelder für die Umschichtungen im Kulturhaushalt kommen. Nachdem Deutsches Theater und Berliner Ensemble weniger sparen müssten, werde nun am Etat des benachbarten Friedrichstadt Palasts gekürzt. Gesichtet worden seien "auf einmal sechs Millionen für Projekte der Stiftung Preußischer Kulturbesitz", so Seidler, die als Landesanteile entfallen könnten, weil der Bund längst aus der Finanzierung ausgestiegen sei. Zudem müsse das Kulturraumprogramm des Senats 18 Millionen Euro einsparen, weil es sich "plötzlich als völlig überfinanziert erwiesen hat" und kaum in Anspruch genommen worden sei. "Aber wie kann das sein in dieser Stadt, in der die Mieten explodieren?"
Vertrauen verspielt
Wenig sei derzeit von denjenigen Kulturschaffenden zu hören, die weiterhin und noch mehr als bisher betroffen seien. Denn egal was am jetzigen Haushalt nachgebessert werde, so seien nach wie vor die Kürzungen für 2026 fällig, wenn Berlin weitere zwei Milliarden Euro sparen müsse. "Die Abwertung der Kultur durch die von der CDU geführten Koalition als überdurchschnittlich zu belastender Ausgabeposten bleibt bestehen", schreibt Seidler.
"Viele haben den Kultursenator unterschätzt, sein Schema wird nun deutlich: Erst lässt man ein möglichst brutales und finsteres Bild zeichnen, das von den Protesten nur noch verstärkt wird, um dann als Retter dazustehen, wenn es doch nur dämmert", so der Theaterredakteur der Berliner Zeitung. Diese Selbstinszenierung habe einen Preis: Joe Chialo habe Vertrauen verspielt. "Chialo wollte, dass wir den Sparmuskel trainieren, so richtig gestählt hat er nun unseren Verdachtmuskel."
(rbb, Berliner Zeitung / eph)
mehr medienschauen
meldungen >
- 17. April 2026 Kunststiftung Sachsen-Anhalt warnt vor nationalistischer Kulturpolitik
- 16. April 2026 Göttingen: Schauspielerin Thyra Uhde gestorben
- 16. April 2026 Salzburg: Ex-Festspielpräsident Heinrich Wiesmüller gestorben
- 16. April 2026 Konstanz: Intendantin Karin Becker verlängert
- 15. April 2026 Preisjurys der Mülheimer Theatertage 2026
- 13. April 2026 Chemnitz: Theater wehrt sich gegen Abschaffungspläne





neueste kommentare >