Medienschau: Süddeutsche Zeitung – Streit um den "Nussknacker" in Berlin

Provinzielle Unkenntnis

Provinzielle Unkenntnis

22. Dezember 2021. In der Süddeutschen Zeitung berichtet Dorion Weickmann über den Protest des Russischen Botschafters gegen die Absetzung des "Nussknacker"-Balletts von Pjotr Iljitsch Tschaikowski am Berliner Staatsballett und rollt die komplexe Rezeptionsgeschichte und die Entstehung von Ethnoklischees und orientalistischen Fantasien in der Darstellungstradition des Werkes auf.

Die derzeitige deutsch-russische Diskussion wirke "im internationalen Vergleich ziemlich provinziell", so Weickmann. "Ausgehend von den USA hat sich im angelsächsischen Raum ohne große Diskussion die Praxis durchgesetzt, dass am 'Nussknacker' herumgeschraubt werden darf. Weil, wie der Chef des Royal Ballet in London kürzlich erklärte, die klassische Tanzkunst 'für Diversität, Inklusion und Gleichheit' einstehe, weshalb 'jedermann respektvoll repräsentiert werden' müsse."

Entsprechend plädiert Weickmann für informierte regietrheatrale Zugriffe auf den Klassiker. "Es geht um die Erweiterung des Horizonts und die Befreiung des Balletts vom Ruch eines reinen Oberflächenphänomens."

(Süddeutsche Zeitung / chr)

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