Medienschau: SZ – Bambergs Intendantin über "alte Frauen"

Alte Frauen sind nicht gemeint

Alte Frauen sind nicht gemeint

19. Mai 2024. In der Süddeutschen Zeitung berichtet Christine Dössel von einem Besuch bei Sybille Broll-Pape, Intendantin des ETA Hoffmann Theaters Bamberg, die sich verleumdet fühlt. Ihr Vertrag war nicht über das Jahr 2025 verlängert worden, nachdem aus der Belegschaft Kritik an ihrem Führungsstil sowie Zweifel an der Darstellung der Auslastungszahlen laut geworden waren.

Dass Sibylle Broll-Pape, die von Haus aus Mathematikerin ist, die Sache "mit der angeblichen Trickserei bei der Auslastung" durch die Vorlage von Zahlen "schnell ausräumen" konnte, so Dössel in der SZ, habe die Nichtverlängerung ihres Vertrags ebenso wenig verhindert wie ein Solidaritätsschreiben und ein Unterstützungsvideo von Theater-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeitern aus allen Bereichen.

Broll-Pape, die ihren Vertrag gern bis zum Jahr 2027 verlängert hätte, führt das im Gespräch mit Dössel in erster Linie auf ihr Geschlecht und auf daran geknüpfte Rollenerwartungen zurück, die sie nicht erfülle: "Kann schon sein, dass ich manchmal etwas straight bin. Das wird bei Frauen nicht gemocht", wird sie in der Zeitung zitiert. Und weiter: "Von Frauen erwarte man Wärme, Weichheit, Mütterlichkeit. 'Ich mach' den Job seit 30 Jahren. Es hat sich nicht wirklich viel geändert. Es werden bestimmte Dinge nur nicht mehr laut ausgesprochen.'"

Thema ist auch eine spezifisch gegen Frauen gerichtete Form der Altersdiskriminierung: "Es gibt immer mehr Intendantinnen, weibliche Leitungsteams, Regisseurinnen. An den Häusern wird Geschlechtergerechtigkeit eingefordert", schreibt Dössel. "Nur: Alte Frauen sind damit eher nicht gemeint."

(Süddeutsche Zeitung / cwa)

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