Medienschau: taz – Theater in der AfD-Hochburg Senftenberg

Das Theaterwunder in der Lausitz

Das Theaterwunder in der Lausitz

16. Juli 2024. Die Neue Bühne in Senftenberg wurde 1946 von einem sowjetischen Kreiskomandanten der siegreichen Roten Armee in einer alten Schulaula gegründet. Inzwischen ist Senftenberg eine AfD-Hochburg.

In den Jahren der DDR war die Bühne als "Theater der Bergarbeiter" Partnertheater des Deutschen Theaters in Berlin. Hier sollten Kulturschaffende nahe an den Lebens- und Arbeitsbedingungen eines neuen, proletarischen Publikums künstlerische Erfahrungen sammeln. Als "Neue Bühne Senftenberg" existiert sie bis heute und macht Theater "in dem Städtchen mit gerade einmal 23.000 Einwohner*innen, ohne ICE-Anschluss, ohne Kino – das sei etwas Besonderes, sagen die Senftenberger*innen, und sprechen von ihrem 'Theaterwunder'" - wie Hanno Fleckenstein in einer sehr lesenswerten taz-Reportage über dieses Theater schreibt.

Bei der Kommunalwahl am 9. Juni sei "die AfD in Senftenberg mit Abstand stärkste Kraft geworden, 29 Prozent holten die Rechtsextremen hier. Auf Platz zwei landete die SPD mit knapp 19 Prozent. Im Landkreis Oberspreewald-Lausitz, in dem Senftenberg liegt, sehen die politischen Kräfteverhältnisse ähnlich aus. Die Neonazis von der Partei Die Heimat, der früheren NPD, verteidigten ihren Sitz im Kreisrat." Was das für einen eher politische orientierten Betrieb wie das Theater bedeutet, darüber sprach Fleckenstein unter anderem mit Daniel Ris, seit 2022 Intendant in Senftenberg.

"Die besondere Stellung der Neuen Bühne in einer kleinen Stadt wie Senftenberg sei ihm natürlich bewusst. Deshalb lade er niemanden aus. So etwas wie der Friedrichstadt-Palast in Berlin, wo es vor einigen Jahren hieß, man wolle keine AfD-Wähler*innen im Publikum, so etwas mache er nicht, erklärt Ris. 'Theater für alle' bedeute aber nicht, dass für jede Meinung und jede Vorliebe etwas dabei sei. 'Es gibt für mich Grenzen. Ich werde zum Beispiel kein Stück mit einem völkischen Kulturbegriff auf die Bühne bringen. So ein Programm mache ich nicht. Aber zu unserem Programm sind alle eingeladen.' Auch wer AfD gewählt habe, könne sich ein Ticket etwa für "Hair" kaufen und davon berührt sein.

"Die Bilanz spricht für ihn und die Arbeit seines Leitungsteams, dem noch die Chefdramaturgin Karoline Felsmann sowie die Hausregisseurin Elina Finkel angehören," schreibt Fleckenstein. "Im Jahr 2023 erreichte die neue Bühne 65.000 Zu­schaue­r*in­nen und erzielte eine Auslastung von 82 Prozent – eine Quote, von der andere Theater nur träumen können."

(taz / sle)

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