Presseschau vom 21. Juni 2011 – Kahlschlag in der niederländischen Kulturförderung
Sich der Störfaktoren entledigen
Sich der Störfaktoren entledigen
In der Frankfurter Rundschau (20.6.2011) schreibt Henning Bolte, die Kulturpolitik der gegenwärtigen rechten niederländischen Regierung verfahre nach dem Motto: Die Tüchtigen können sich selbst ins Trockene retten. Staatssekretär Halbe Zijlstra "weist den Weg in eine Zukunft", in der die Künste "nicht länger am Tropf staatlicher Subventionen hängen".
Die rechte Minderheitsregierung habe sich Einsparungen von 18 Milliarden Euro bis 2015 in allen Bereichen zum Ziel gesetzt. In den Künsten solle es Kürzungen von 200 Millionen geben, 20 Prozent im Gegensatz zur fünf Prozent Kürzung in anderen Bereichen, 175 Millionen indirekter Kürzungen noch nicht mitgerechnet.
Das gerade errichtete "Sektorinstituts für Musik" solle geschlossen, ganze Orchester aufgelöst, Festivalfinanzierungen drastisch begrenzt und Projektmitteln um 30 Prozent gekürzt werden. "Es ist ein politischer Kompromiss, der der Koalition aus Liberalen und Christdemokraten vom Populisten Geert Wilders als Preis für dessen Tolerierung des Minderheitskabinetts aufgedrückt wurde."
Da helfe es wenig, wenn Zijlstra Spitzenensembles wie das Nederlands Danstheater und das Koninklijk Concertgebouw Orkestra weiter ungekürzt fördern wolle. "Sie werden dadurch zu staatlichen Vorzeigeinstituten mit denen Repräsentanten die weite Welt bereisen."
Auch die Öffentlichkeit ist nicht hilfreich. Die "emotionale und wirre Mediendebatte begrenzt das allgemeine Phänomen staatlicher Förderungsabhängigkeit exklusiv und extrem auf die Künste." Unübersehbar der Wunsch, sich bestimmter Kunstformen, die als Störfaktoren gesehen werden, zu entledigen.
Zijlstra wolle einen "Cultuuromslag" bewerkstelligen, eine Generalabrechnung mit dem "Geist der 60er Jahre". Man errichte einen Popanz, das Zerrbild des Künstlers, "der es sich auf Gemeinschaftskosten bequem gemacht hat und uns, der hart arbeitenden Bevölkerung, auf der Nase herumtanzt." Nur so könne die Regierung das Förderdickicht radikal lichten und die vorhandene Verflechtung der Instanzen auf eine stärker marktorientierte und -kontrollierte Basis stellen.
(jnm)
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