medienschau
Unsere auswahl ist subjektiv
Presseschau vom 13. Juli 2016 – Der britische Dramatiker Simon Stephens im Interview mit der Süddeutschen Zeitung
"Wir dürfen nicht weinen"
13. Juli 2016. In einem Interview von Alexander Menden für die Süddeutsche Zeitung spricht Simon Stephens, einer der produktivsten und erfolgreichsten Gegenwarts-Dramatiker Großbritanniens, ausführlich über den Brexit und den Rücktritt von David Cameron: "Ich habe mich nicht mehr so gefühlt, seit Margaret Thatcher Premierministerin war. Mein Blut geriet jedes Mal vor Wut in Wallung, wenn ich an Politik dachte."
Presseschau vom 13. Juli 2016 – Philipp Ruch zieht im Tagesspiegel-Interview Bilanz und spricht über "Flüchtlinge Fressen"
"Wir verklagen jetzt die Bundesregierung!"
13. Juli 2016. "Es ging einzig darum, sich des strafrechtlich relevanten Vorwurfes der Beihilfe zum mehrfachen Suizid schuldig zu machen," sagt ZPS-Frontmann Ruch im Gespräch mit Robert Klages über "Flüchtlinge Fressen". "Das Zentrum für Politische Schönheit wolle damit verdeutlichen, dass wir uns alle der Tausend-fachen Beihilfe zum Suizid schuldig machen, indem wir tatenlos dabei zusehen, wie unsere Politik Menschen dazu zwingt, über das Mittelmeer Richtung Europa zu flüchten. Der Europäischen Union, insbesondere aber der Bundesrepublik, wirft Ruch vor, mit der Genfer Flüchtlingskonvention zu brechen, weil sie einen Visumszwang für Kriegsflüchtlinge eingeführt hat: "Die meisten Journalisten fanden es nicht besonders aufregend, dass das deutsche Innenministerium bei Air Berlin die Bundespolizei vorbeischickt und die völkerrechtlich völlig unhaltbare Rechtsauffassung der Bundesregierung nachreicht, es gäbe keine legale Grundlage für den Transport von syrischen Kriegsflüchtlingen mehr." Dies sage einiges über unsere Abgestumpftheit gegenüber der "Flüchtlingsabwehrpolitik" der Bundesregierung aus.
Presseschau vom 12. Juli 2016 – In der Süddeutschen Zeitung nimmt Peter Laudenbach die verwischten Grenzen zwischen Theater und Wirklichkeit unter die Lupe
Im Real-Erlebnispark
12. Juli 2016. In der Süddeutschen Zeitung fasst Peter Laudenbach den Polizeieinsatz bei einer Kunst-Aktion während des Berliner Festivals Foreign Affairs zusammen, um dann allgemein auf die "Reibung zwischen Kunst und Wirklichkeit" zu sprechen zu kommen: Die kleine Referenzrahmenverschiebung sichere noch dem banalsten Vorgang erhöhte Aufmerksamkeit. "Weil das so prächtig funktioniert, ist die systematische Entgrenzung der Kunst und das Verwischen der Differenzen zwischen ästhetischem Spiel und sozialer Praxis, Kunstraum und öffentlichem Raum, Bühne und Flüchtlingscafe zur inflationär benutzten Strategie geworden, mit der sich auch billige Einfälle mit der Zuverlässigkeit eines pawlowschen Reflexes gegen die wertvollste Ressource des Kunstbetriebs eintauschen lassen: Aufmerksamkeit."
Presseschau vom 11. Juli 2016 – neue Sparrunden in den Etats der Städte in NRW
Gefahr durch Stärkung
Stefan Keim nimmt in der Welt (Zugriff 11.7.2016) den Hagener Protestmarsch gegen die bevorstehenden Kürzungen im Theateretat zum Anlass, auf die Lage der Bühnen in Nordrhein-Westfalen zu blicken. Denn nicht nur Hagen sei von Kürzungen bedroht: "die Sparrunden in den Etats der Städte in NRW erreichen eine neue Dimension." Der Hagener sei nur insofern besonders dramatisch, als dass die Stadtverwaltung dort "besonders innovative Pleiten hingelegt hat. Da hat man zum Beispiel mit Derivaten (Zinswetten) gezockt, um die Schulden in den Griff zu bekommen – und 39 Millionen Euro verloren."
Presseschau vom 5. Juli 2016 – Der Standard spricht mit dem kaufmännische Geschäftsführer des Wiener Burgtheaters
Wieder positives Eigenkapital
5. Juli 2016. "Es gibt im gesamten Bundestheaterkonzern, also auch an der Burg, keine bar ausgezahlten Künstlergagen mehr. Es wird aufs Konto überwiesen. Punkt," sagt Thomas Königstorfer, kaufmännischer Geschäftsführer des Wiener Burgtheaters (der dieses Amt 2013 nach der Entlassung von Silvia Stantejsky übernahm, einer Schlüsselfigur des Finanzskandals) im Interview mit der Wiener Tageszeitung Der Standard über die wirtschaftliche Lage des Hauses.
Presseschau vom 22. bis 8. Juli 2016 – Das Echo auf den Protestbrief der Mitarbeiter der Berliner Volksbühne
Soziales System Theater unterschätzt
22. Juni / 7. Juli 2016. Intendantenwechsel verlaufen selten reibungslos. Aber wie sich die Mitarbeiter der Volksbühne in einem offenen Brief gegen Frank Castorfs Nachfolge wehren – auf den der indirekt angesprochene Berliner Kulturstaatssekretär Tim Renner inzwischen reagiert hat, und der bereits einen Gegenbrief internationaler Museumsleute provozierte – spricht schon für grundlegenderes Unbehagen mit dem Strukturwandel, den der Wechsel auch repräsentiert. In der Presse wird ausführlich und detailreich berichtet.
Presseschau vom 19. Juni 2016 – Deutschlandradio Kultur interviewt den Kulturwissenschaftler Thomas Renz zur Frage, warum Leute nicht ins Theater gehen
Das Rätsel des Gelegenheitsbesuchers
19. Juni 2016. "Das Interesse wird in den jungen Jahren geprägt und es gibt auch kaum statistisch messbare Fälle, wonach das grundlegende Interesse an Kunst und Kultur, also gute, positive Erfahrung mit der Rezeption erst im mittleren oder gar hohen Alter irgendwie geprägt wird", sagt der Kulturwissenschaftler Thomas Renz von der Universität Hildesheim auf Deutschlandradio Kultur im Interview zu seiner Studie "Nicht-Besucherforschung. Die Förderung kultureller Teilhabe durch Audience Development", die sich damit auseinandersetzt, warum etwa 50 Prozent der deutschen Bevölkerung überhaupt niemals öffentlich geförderte Kulturveranstaltungen wie Theater, Museen oder Konzerthäuser besucht.
Presseschau vom 14. Juni 2016 – Die Mainzer Allgemeine Zeitung finden die Forderungen des Ensemble-Netzwerks überzogen
Au weia! Schauspieler*innen fallen Intendanten in den Rücken!
14. Juni 2016. In der Allgemeinen Zeitung aus Mainz (11.06.2016) setzt sich Martin Eich mit den Beschlüssen des Bühnenvereins auf seiner Jahrestagung in Kaiserslautern auseinander. Mit überzogenen Forderungen sei das Ensemble-Netzwerk reformwilligen Intendanten in den Rücken gefallen, so dass diese sich bei in Kaiserslautern nicht gegen die "Betonfraktion" im Bühnenverein hätten durchsetzen können.
Presseschau vom 8. Juni 2016 – Deutschlandradio spricht mit der Aufsichtsratsvorsitzenden des Volkstheaters Rostock Sybille Bachmann
Keine Leistung gebracht
8. Juni 2016. Sybille Bachmann, Fraktionsvorsitzende des Rostocker Bundes in der Rostocker Bürgerschaft und Aufsichtsratsvorsitzende des Rostocker Volkstheaters, hat sich über die Jahre von einer Unterstützerin des geschassten Intendanten Sewan Latchinian zu seiner scharfen Gegnerin gewandelt. Latchinians Einschätzung, er sei "Opfer einer Intrige" geworden, weist sie im Gespräch mit Deutschlandradio Kultur als pure Einbildung des Gefeuerten zurück: "Selbstwahrnehmung und die Realität liegen sehr weit auseinander".
Presseschau vom 8. Juni 2016 – Die SZ interviewt Autorin Maxi Obexer zum Potsdamer AfD-Skandälchen um ihr Stück "Illegale Helfer"
Tief gesunken?
8. Juni 2016. Als "Einschüchterungsversuche" bezeichnet Maxi Obexer den Versuch der AfD, die deutsche Erstaufführung ihres Stücks "Illegale Helfer" am Hans Otto Theater Potsdam zu verhindern: "Die wollen schauen, wie weit sie gehen können." Mit ihrem Vorwurf, das Stück würde "Gesetzesbrecher" feiern, "Leute, die sich über Recht und Gesetz hinwegsetzen, um vermeintlichen 'Flüchtlingen' zu helfen" (Zitat aus der AfD-Pressemitteilung), habe die rechtspopulistische Partei sowohl Flüchtlinge verunglimpft, "indem sie deren Status infrage stellt. Und verunglimpft werden auch diejenigen, die sich auf ihre Seite stellen", so Obexer im Interview mit Christine Dössel von der Süddeutschen Zeitung.
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