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Disziplinarische Konsequenzen für Bonns Intendanten?
Einsame Sektierer
12. Februar 2014. In Bonn schwelt seit ein paar Tagen ein Konflikt zwischen dem Generalintendanten der Bonner Bühnen, Bernhard Helmich, und dem Bonner Oberbürgermeister Jürgen Nimptsch (SPD). Das geht aus diversen Medien der Region hervor, darunter die Bonner Rundschau. In einem Interview mit dem Bonner General-Anzeiger hatte Helmich am Wochenende heftige Kritik an seinem Dienstherrn geübt: der Eindruck, den die ständigen OB-Attacken auf die Hochkultur deutschlandweit auslösen würden, sei katastrophal, "man weiß ja anderswo nicht, dass er ein einsamer Sektierer auf einem sinnlosen Kreuzzug ist."
Wenn sich die Stadt durch ihren obersten Repräsentanten weiter "so kulturfeindlich mit billigstem Populismus" präsentiere, sehe er die großen Chancen, die das Beethoven-Jubiläumsjahr Bonn 2020 habe, "sehr ernsthaft gefährdet". Der Bonner Rundschau zufolge prüft Nimptsch derzeit den Vorgang.
Auslöser von Helmichs Kritik war die Veröffentlichung neuerlicher Pläne Nimptschs, die Bonner und die Kölner Oper zu fusionieren. Das (in der Oper bislang beheimatete) Beethovenorchester solle im Fusionsfall als Klangkörper zu einem "kulturelle Flagschiff" umgerüstet und als "Botschafter Bonns" in die Welt gesandt werden. Mit seinen Plänen stößt Nimptsch jedoch bei der CDU ebenso wie in der eigenen Partei auf Widerstand. So ließ der Bonner SPD-Vorsitzende Ernesto Harder die örtlichen Medien wissen: "Wir brauchen als Beethovenstadt eine eigene Oper."
Unterstützung findet Nimptsch allerdings bei der Bonner Piratenpartei. Die Bonner Piraten forderten auf ihrer Webseite inzwischen "die Vertreter der sogenannten Hochkultur" auf, "ihren hohen Thron zu verlassen" und sich den Realitäten des Lebens zu stellen. "Die fetten Jahre sind vorbei."
Helmichs Formulierungen seien hart, "aber sie treffen den Kern", zitiert der Bonner General-Anzeiger Tom Schmidt von den Grünen. "Alle paar Wochen konfrontiert Nimptsch Helmich mit Sparvorgaben. Man kann die Leute nicht mitnehmen ohne Perspektive." Helmich habe sich gewaltig im Ton vergriffen, meint dem General-Anzeiger zufolge Wolfgang Hürter von der SPD: "Ich gehe aber nicht davon aus, dass das Tischtuch zwischen Nimptsch und Helmich zerschnitten ist."
(Generalanzeiger Bonn / Bonner Rundschau / sle)
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