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Hamburg: Schauspielerin Marlen Diekhoff verstorben

Marlen Diekhoff in "die unverheiratete" 2017 in Basel © Simon Hallström

30. September 2025. Die Hamburger Schauspielerin Marlen Diekhoff ist im Alter von 87 Jahren verstorben. Das teilt das Deutsche Schauspielhaus Hamburg mit, an dem Diekhoff 35 Jahre lang eine "herausragende Größe" war.

Marlen Diekhoff, geboren am 16. Mai 1938 in Bremerhaven, studierte Schauspiel an der Hochschule für Musik und Theater Hannover. 1961 bis 1971 spielte sie am Staatstheater Hannover, 1968 bis 1972 am Staatstheater Stuttgart und von 1972 bis 1978 am Schauspiel Frankfurt, wo sie im Mitbestimmungsmodell der Intendanz von Peter Palitzsch agierte.

1979/80 arbeitete Diekhoff am Theater Bremen, bevor Intendant Niels-Peter Rudolph sie 1980 ans Deutsche Schauspielhaus nach Hamburg holte. Sie gehörte hier zum prägenden Ensemble um Markus Boysen, Peter Franke, Matthias Fuchs, Eva Mattes, Barbara Nüsse, Christian Redl, Ilse Ritter, Hildegard Schmahl und Ulrich Wildgruber und spielte unter Regiegrößen wie Luc Bondy, Hans Neuenfels, Niels-Peter Rudolph, Frank-Patrick Steckel und Peter Zadek.

In den 1990er Jahren entwickelte sie eine enge Arbeitsbeziehung zu Jossi Wieler. In Wielers Inszenierung von Elfriede Jelineks "Wolken.Heim" wurde sie 1994 zum Berliner Theatertreffen eingeladen und gemeinsam mit ihren fünf Mitspielerinnen zur "Schauspielerin des Jahres" gekürt. 2015 spielte Diekhoff ihre letzte Rolle am Schauspielhaus als Maria Wassiljewna Wojnizkaja in Karin Beiers Inszenierung von Tschechows "Onkel Wanja". 2017 sah nachtkritik.de sie zuletzt in Ewald Palmetshofes "die unverheiratete" in Basel (in der Regie von Felicitas Brucker).

"Ihren Figuren bewahrte Marlen Diekhoff stets ein Geheimnis, etwas Unergründliches. Sie beschützte die äußerlich Strengen, Verhärmten, Unerlösten, die Jungfern und die Sehnsüchtigen. Sie nahm sie in sich auf, verwehrte den zudringlichen Blicken das Eindringen in deren Innenleben, das – so viel ließ sie ahnen – außer sich war und kaum zu beschwichtigen", schreibt das Schauspielhaus in seinem Nachruf auf die Schauspielerin. "Bei allem zugeneigten Ernst für ihre Figuren hatte sie auch ein großes Bewusstsein für deren Komik. Die Verrenkungen, die ein solch verzweifelter Abwehrkampf mit sich bringt, das Ringen um die Contenance, um das Leben zu bestehen, brachte bei ihr die herrlichsten körperlichen Exzesse hervor. Existentiell und erbarmungslos war ihr Humor – und sehr fein, geradezu zärtlich."

Marlen Diekhoff verstarb am 25. September 2025.

(Deutsches Schauspielhaus Hamburg / chr)

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Kommentare  
Marlen Diekhoff: Eine Stimme
Nicht zu vergessen: ihre Stimme !
Ihre Qualitäten als Vorleserin, Hörbuchsprecherin, Rezitatorin, ihre herausragende Vernehmbarkeit im Spiel dürfen nicht unerwähnt bleiben; ihre Stimme durchhallte mühelos ganz unterschiedliche (Hamburger) Intendanzen, durchhallt und wird weiter durchhallen wohl -mindestens in der Erinnerung- diese noch heute, morgen, übermorgen.
Ich erlebte sie beispielsweise an der Seite von Martina Gedeck, Manfred Zapatka und Samuel Weiss in "Harper Regan" von Simon Stephens (einem Autoren, der auch die Intendanzen transzendiert).
Ich verneige mich..
Marlen Diekhoff: Traurig
Ach Marlen,
Du jetzt auch !
Mach es gut im Theaterhimmel .

Gustav
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