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Helene Weigel Preis für Tena Štivičić und Amelie Willberg
Amelie Willberg (li.) und Tena Štivičić © Julian Baumann und Saša Ćetković
11. Juli 2025. Der Freundeskreis des Berliner Ensembles verleiht den Helene Weigel Theaterpreis 2024/25 an die kroatische Dramatikerin Tena Štivičić für ihr Stück "Die Verstreuten“. Den erstmals verliehenen Nachwuchspreis erhält die Schauspielerin Amelie Willberg. Das gibt das Theater in einer Pressemitteilung bekannt.
Eindrückliches Panorama der Verunsicherung
I"Die Verstreuten" zeigt die Zusammenkunft einer Mutter mit ihren vier Töchtern am Vorabend einer Routineoperation. Tena Štivičić spürt am Beispiel dieser Familie den Rissen in der Gesellschaft und den abnehmenden zwischenmenschlichen Verbindungen nach. "Štivičić gelingt es, große gesellschaftliche Fragen in den privaten Raum zu holen – ohne zu simplifizieren oder zu moralisieren", heißt es in der Würdigung der Preisjury für die Dramatikerin. "Sie zeichnet dabei ein eindrückliches Panorama der Verunsicherung, das durch gesellschaftliche Umbrüche, digitale Kommunikation und persönliche Isolation entsteht. Dabei beweist sie ein tiefes, sensibles Gespür für Widersprüche und Ambivalenzen in unserer Gegenwart."
Tena Štivičić, 1977 in Zagreb geboren, ist Dramatikerin, Drehbuchautorin und Kolumnistin. Sie studierte Dramaturgie an der Akademie der Dramatischen Künste in Zagreb und Szenisches Schreiben am Goldsmiths College in London. Für Stücke wie "Fragile!" oder "Three Winters" wurde sie mehrfach ausgezeichnet. Ihre auf Kroatisch und Englisch verfassten Texte werden weltweit übersetzt und gespielt. Seit 2024 ist Štivičić Künstlerische Leiterin für Schauspiel am Nationaltheater Zagreb.
Faszinierend kluge Zurückhaltung
Erstmals vergibt der Freundeskreis in dieser Spielzeit auch eine Auszeichnung in der Kategorie Nachwuchs, der sich an Künstler:innen bis 35 Jahre richtet, die durch eine herausragende Leistung in einer Eigen- oder Koproduktion des Berliner Ensembles aufgefallen sind. Die Alleinjurorin und Ensemblespielerin Kathleen Morgeneyer zeichnet für die Spielzeit 2024/25 Amelie Willberg aus. 1998 in Bonn geboren, studierte Willberg Schauspiel an der Folkwang Universität der Künste und ist seit der Spielzeit 2023/24 Mitglied des Berliner Ensembles.
"Amelie Willberg gelingt es, ihre Figuren mit einer unglaublichen Präzision und Klarheit zu zeichnen", wird Morgeneyer in der Pressemitteilung zitiert. "Hinter dieser Klarheit scheinen immer Fragen zu stehen, die sie mit ihren Figuren an uns stellt und die diese wie von Innen leuchten lassen. Die schwer zu fassende kluge Zurückhaltung, mit der Amelie Willberg ihre Figuren auf der Bühne agieren lässt, erzeugen beim Zuschauen eine Faszination und Durchlässigkeit, die eigene Gedanken und Emotionen intensiv erlebbar machen."
Hommage an Helene W.
Mit 5.000 Euro dotiert, wird der Helene Weigel Theaterpreis für außergewöhnliche künstlerische Leistungen am Berliner Ensemble zum vierten Mal vergeben. Erstmals geht der Preis an eine Autorin, die bisherigen Preisträger:innen waren Max Gindorff, Stefanie Reinsperger und Fritzi Wartenberg. Der neue Nachwuchspreis ist mit 2.500 Euro dotiert.
Nominierungsvorschläge für den Helene Weigel Theaterpreis konnten durch die Mitglieder des Freundeskreises des Berliner Ensembles eingereicht werden. Die Entscheidung traf eine dreiköpfige Jury, bestehend aus Rebecca Lyson (Vorstand Freundeskreis des Berliner Ensemble e.V.), Amely Joana Haag (Dramaturgie, Berliner Ensemble) und Prof. Dr. Matthias Warstat (Institut für Theaterwissenschaft, Freie Universität Berlin), auf Grundlage der eingegangenen Nominierungen und der Vergabekriterien.
Beide Preise sind eine Hommage an Helene Weigel, die als Schauspielerin und langjährige Intendantin das Berliner Ensemble nachhaltig geprägt hat.
(Berliner Ensemble / eph)
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