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Salle Modulable in Luzern gescheitert?
Kredit für Theater- und Konzerthaus abgelehnt
Luzern, 14. September 2016. Der Luzerner Kantonsrat hat einen Planungskredit für die Salle Modulable verworfen. Das berichtet unter anderen die Neue Zürcher Zeitung. Die Salle Modulable, die einem flexiblen Aufführungsraum für 700 Zuschauer, einer kleinen Bühne sowie vier Studios Raum geboten hätte, sollte dem Lucerne Festival, dem Sinfonieorchester, dem Theater sowie der Freien Szene zur Verfügung stehen. Das neue Theatergebäude sollte das aus dem Jahre 1839 stammende, stark renovierungsbedürftige Theatergebäude ersetzen.
Neun Jahre Diskussion
Der Entscheid des Luzerner Kantonsparlament den Projektierungskredit für die Salle Modulable in Höhe von 7 Millionen Franken abzulehnen, beendet wohlmöglich eine neun Jahre währende Diskussion. Im Jahre 2007 hatte der deutsche Industrielle und Kunstmäzen Christof Engelhorn - die Familie Engelhorn verkaufte 1997 die Pharmafirma Boehringer Mannheim für 16 Mrd. DM an den Basler Konkurrenten Hoffmann-La Roche – dem Intendanten des Lucerne Festivals Michael Haefliger 120 Millionen Franken für den Bau eines Konzert- und Bühnenhauses angeboten. Allerdings hatte Engelhorn über den zwischengeschalteten, aus Steuervermeidungsgründen in Bermuda domizilierenden Butterfield Trust Unternehmen "nicht verhandelbare Vorgaben" für den "Zeitplan", das "Raumangebot" und den "Standort" gemacht.
Ein paar Nummern zu groß
Gegen dieses Diktat des Geldgebers hatte sich Widerstand geregt. Die Gegner der Salle Modulable im Luzerner Parlament verwiesen auf die enormen Gesamtkosten von 208 Millionen Franken, von denen Stadt und Kanton Luzern immer noch knapp 100 Millionen Franken hätten tragen müssen, sowie die jährlichen Betriebskosten von rund 31 Millionen Franken die sich Luzern nicht leisten könne. "Ganz schlecht kam bei diesen Bedenkenträgern an, dass der Regierungsrat am gleichen Tag bekanntgab, die kantonalen Beiträge an die grossen Kulturbetriebe jährlich um 1,2 Millionen Franken kürzen zu wollen" (NZZ, 12.9.2016).
Beispiel KKL
Die Befürworter des Projekts verwiesen dagegen auf das 1998 eröffnete Kultur- und Kongresszentrum Luzern (KKL). Sie führten das KKL als "leuchtendes Beispiel" für die Kooperation zwischen Privaten und Staat an, von der der "Wirtschafts- und Tourismusstandort" profitiere. Der Konzertsaal des von Jean Nouvel geplanten KKL gilt laut wikipedia als einer der besten Säle für klassische Konzerte. Die "Baukosten für das KKL beliefen sich, ebenfalls laut wikipedia, auf 226,5 Millionen Franken. "Finanziert wurde das Haus am Vierwaldstättersee mittels einer Public Private Partnership: Öffentliche Hand und private Investoren ermöglichten gemeinsam den Bau".
(www.nzz.de / www.zeit.de / wikipedia / jnm)
Mehr zu Luzern: Portrait des neuen Intendanten Benedikt von Peter in der Süddeutschen Zeitung
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Aber dieser verwegendste Entwurf eines Theaterraums wurde nirgendwo in Mitteleuropa realisiert, geschweige denn von Boulez und Chereau mit einer Uraufführung je ausprobiert. Ich habe diesen Raum für das Humboldt-Forum vorgeschlagen, bin aber in Berlin auch nur auf taube Ohren gestoßen. Jetzt droht Luzern die Reihe der Versäumnisse zu verlängern. Gegen diese geniale Idee des Salle Modulable ist die Tempelhof-Bespielung von Dercon nur ein dünnes Lüftchen.
Klaus Pierwoß
bespielte mit dem Bremer Theater 7 Spielzeiten lang DIE LETZTEN TAGE DER MENSCHHEIT (Inszenierung Johann Kresnik) in der U-Boot-Ruine Valentin.
http://www.petitionen24.com/ja_zur_kultur_in_luzern