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Schriftsteller Péter Esterházy gestorben
Vom Klassenfeind zum inoffiziellen Botschafter
15. Juli 2016. Der ungarische Schriftsteller Péter Esterházy ist im Alter von 66 Jahren gestorben. Das melden diverse Medien, u.a. Die Presse, unter Berufung auf die Familie und den Verlag des Autors. Esterházy hatte seine Krebserkrankung im vergangenen Oktober öffentlich gemacht und in seinem letzten Buch "A bünös" (Der Schuldige) thematisiert.
Der immer wieder als Nobelpreiskandidat gehandelte Esterházy, der im deutschen Sprachraum der meistgedruckte ungarische Autor ist, erhielt 2004 den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels für seinen Roman "Harmonia Caelestis", den David Marton im November 2009 im Burgtheater Wien inszenierte.
Klare Worte gegen Orbán
Geboren am 14. April 1950 in Budapest, wurde er mit seiner Familie, die im kommunistischen Ungarn aufgrund ihres alten Adels als Klassenfeind galt, in ein Dorf verbannt. Sein Debütwerk "Fancsiko und Pinta" veröffentlichte er 1976 nach Abschluss eines Mathematikstudiums, ab 1978 war er nach einer Zwischenzeit als Informatiker hauptberuflicher Schriftsteller und wurde 1979 mit "Ein Produktionsroman" in Ungarn zu einer Berühmtheit.
In den letzten Jahren stellte er sich immer wieder deutlich gegen die rechtsnationale Regierung unter Ministerpräsident Viktor Orbán – nachdem er den Hörern des regierungstreuen ungarischen Staatssenders im Januar 2013 in seiner monatlichen Sendung geraten hatte, das Ungarische Nationaltheater zu besuchen, so lange noch dessen Intendant Robert Alföldi im Amt ist, wurde diese Stelle in der ausgestrahlten Sendung rausgeschnitten; Esterházy machte das in einer Wochenzeitung öffentlich und schrieb dazu: "Ich habe gar kein Vertrauen zu dieser Regierung, aber das bedeutet, dass dadurch auch meine Objektivität begrenzt ist. Man sitzt in einer Falle."
(Die Presse / sd)
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