Footfalls / Neither - An der Berliner Staatsoper denkt Katie Mitchell ein spätes Drama Samuel Becketts konsequent weiter
Hochamt des Minimalismus
von Wolfgang Behrens
Berlin, 22. Juni 2014. Gerhard Stadelmaier, seines Zeichens FAZ-Redakteur mit der Zuständigkeit hohe und höchste Schauspielkunst, wird bekanntlich nicht müde, Beweise für einen Indizienprozess gegen das von ihm so getaufte Regisseurstheater zu sammeln. Kürzlich nun ist ihm eine Archivalie in die Hände gefallen (oder von restaurativen Kräften zugespielt worden?), die ihm aufs Glänzendste bestätigte, was man ohnehin schon wusste: dass auch der große Samuel Beckett – zumindest seine eigenen Texte betreffend – ein Verfechter rigider Werktreue war. Vor 40 Jahren schrieb Beckett nämlich an einen deutschen Dramaturgen, der "Endspiel" in ein Altersheim verlegen wollte: "This play can only function if performed strictly as written and in accordance with its stage instructions, nothing added and nothing removed. The director's job is to ensure this, not to invent improvements."
Zoran Dindic - Bei der Wiesbadener Biennale "Neue Stücke aus Europa" 2014 sucht Oliver Frljic nach Schuld
Blut wischen
von Shirin Sojitrawalla
Wiesbaden, 21. Juni 2014. So ein Stück wünschte man jedem Land an den Hals. Ein Stück von politischer Tragkraft und gesellschaftlicher Relevanz. Ein Stück, das nicht locker lässt und seine Zuschauer bombardiert. Ein Stück wie ein Schrei. Ein Stück, das das Theater als moralische Anstalt begreift. Ein Stück, das vielleicht gar kein Stück ist, sondern eine Abrechnung mit theatralischen Mitteln. Ein Weg der Vergangenheitsbewältigung, der Aufarbeitung und Abarbeitung. Der kroatische Theatermacher Oliver Frljić, der zu den eigenwilligsten in Europa zählt, und sein Ensemble widmen sich in ihrem 2012 in Belgrad uraufgeführten Theaterprojekt der Ermordung des serbischen Ministerpräsidenten Zoran Đinđić im Jahr 2003. In unterschiedlichen Tonlagen, mal als veritable Publikumsbeschimpfung, mal als Totenmesse, mal rotzfrech, mal aufrichtig betroffen gehen sie dieses nationale Trauma an.
I can be your hero Baby - Das Kollektiv Henrike Iglesias performt am Schauspiel Leipzig
Alte Tante Stadttheater auf dem Lauf-Steak
von Tobias Prüwer
Leipzig, 20. Juni 2014. "Da gibt's Musik und alles." Der entlarvende Satz des Abends fällt nach dem Schlussapplaus. Das ausgelassene Publikum wird zur Premierenparty in die Szene-Wohnzimmer-Bar Meins, deins unser eingeladen. Die liegt nicht weit weg von der Nebenspielstätte des Leipziger Schauspiels entfernt mitten drin im Quartier Plagwitz, dem Epizentrum des anhaltenden Leipzig-Hypes. Der Berlinvergleich muss heute nicht bemüht werden. Immerhin sind ein paar Zuschauer extra aus der Hauptstadt angereist, um der Gruppe Henrike Iglesias bei "I can be your hero baby" – nach einer Song-Zeile von Enrique Iglesias –, der Auseinandersetzung mit dem Thema Catwalk und Laufhaus, beizuwohnen.
Regie: Ruth Rutkowski, Carsten Hentrich
Regie: Yan Duyvendak, Roger Bernat
Regie: Steffen Klewar
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