Theaterpodcast (84) - Alter
Die wollen doch noch spielen
17. September 2025. Täuscht der Eindruck oder gibt es in den Ensembles deutschsprachiger Theater immer weniger ältere Schauspieler*innen? Enden Karrieren früher? Darüber sprechen im Theaterpodcast die beiden Bühnen-Legenden Ilse Ritter und Ruth Reinecke.
Von Susanne Burkhardt und Elena Philipp
Ilse Ritter (li.) in "Aerocircus " des RambaZamba-Theaters (2024) © Phillip Zwanziger & Ruth Reinecke in "Der Kirschgarten" am Maxim Gorki Theater (2013) © Thomas Aurin
17. September 2025. Der Befund ist eindeutig: Die Chance wird immer geringer, mit den Kolleg*innen in der Kunst zu altern, so wie einst in den "Molière-Truppen" oder den großen, nach Rollenfächern gestaffelten Ensembles des letzten Jahrhunderts. Zahlen, Daten, Fakten gibt es dazu nicht, weder beim Deutschen Bühnenverein noch bei den Schauspiel-Gewerkschaften BFFS und GdBA.
Aber die Beobachtung bestätigen Ruth Reinecke und Ilse Ritter, die beide seit Jahrzehnten auf der Bühne stehen und die aktuellen Entwicklungen kritisch-zugewandt beobachten. Auch der ehemalige Hamburger Thalia-Intendant Joachim Lux und die Schauspieler Walter Hess und Burghart Klaußner sehen die alte Garde zunehmend verschwinden.
Wieso bilden Theater-Ensembles nicht die Altersstruktur der Gesellschaft ab? Welche Rollen und Stoffe gibt es für ältere Schauspieler*innen? Werden, wie zuletzt in Schwerin, Ensembles aus ökonomischen Gründen ausgedünnt, oder gibt es an den Bühnen einen "Jugendwahn"?
Diese Fragen beantworten Ruth Reinecke, die 44 Jahre am Maxim Gorki Theater arbeitete und sich in der Initiative "Change the picture" für mehr Sichtbarkeit älterer Darsteller*innen engagiert, und Ilse Ritter, die seit den 60er Jahren Theater spielt und erst jetzt, mit 84 Jahren, erst beginnt, übers Aufhören nachzudenken.
In Kooperation mit Deutschlandfunk Kultur.
Korrekturhinweis: Im Theaterpodcast wird Sebastian Baumgarten als Regisseur von "Der Idiot" am Deutschen Theater Berlin genannt. Es war jedoch Sebastian Hartmann, der die Dostojewskij-Adaption 2021 inszenierte.
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Zweitens ist diese Aussage eher ungenau. Es ist sicherlich eine Beobachtung, die mit Daten untersetzt werden muss.
Ein Blick auf die Altersstruktur des Schauspiels Stuttgart (https://www.schauspiel-stuttgart.de/ensemble/ensemble/ vom 21.09.2025) zeigt genaueres. Das Ensemble besteht aus 31 Schauspieler und Schauspielerinnen.
Älter als 60 Jahre sind 8 Akteure (25,8%).
In der Altersgruppe 50 bis 59 Jahre sind es 3 (9,7%).
Zwischen 40 und 49 Jahre können 6 (19,4%) Personen gezählt werden.
Auf die Altersgruppe 30 bis 39 Jahre entfallen 8 (25,8%) und auf die
Altersgruppe zwischen 20 und 29 Jahre 6 (19,4%) an Personen.
Zum Vergleich die Altersstruktur der Bevölkerung im Jahr 2024 (https://www.sozialpolitik-aktuell.de/files/sozialpolitik-aktuell/_Politikfelder/Bevoelkerung/Datensammlung/PDF-Dateien/abbVIII3.pdf)
11,8% zwischen 60-69
11,9% zwischen 50-59
10,4% zwischen 40-49
10,9% zwischen 30-39
9,30% zwischen 20-29
Von den 31 Schauspieler/innen kommen rund 13 % aus Ost- und 68% aus Westdeutschland incl. Berlin. Die fehlenden zu 100 Prozent sind Ausländer/innen.
Die Ensembles sind durch diverse Sparrunden extrem geschrumpft, ich schätze etwa auf die Hälfte der beschäftigten, fest-angestellten Darsteller:innen seit Beginn der 80er Jahre. Durchgehend engagierte Darsteller:innen werden von Jahr zu Jahr 'teurer' durch die Tarif-Steigerungen.
Zudem gelten sie, speziell bei vielen jüngeren Regisseur:innen und Dramaturg:innen, und die machen die Besetzungen, als 'kompliziert' - sind sie vielleicht auch mitunter - es käme auf den Versuch an!
Also geht die Rechnung einfach: zwei junge für einen alten!
Und wann haben Sie das letzte generationen-übergreifende Stück gesehen, in dem nicht die Jüngeren ihre eigenen Großeltern gespielt haben?
Wie bei Identitätsthemen, Migration, Gender, die die vergangenen Jahre bis jetzt dominieren, versäumt ihr aber einmal mehr darüber zu sprechen, daß es eine Kluft zwischen AUF der Bühne und HINTER der Bühne gibt. Bei TV/Film ist das auch so (Wieviel POC Redakteur/Innen gibt es) Die Darsteller sind immer für die Repräsentation zuständig. Aber wie ist die Alterspyramide an den Theater insgesamt? Finde das Gespräch sehr interessant, auch wenn es sehr um die Einzelschicksale geht. Wenig seid ihr darauf eingegangen, was ihr im Teaser ankündigt: Wer entscheidet über wen und wie ist genau die Struktur der Macht! Bin gespannt auf Teil II
... und wie erklären Sie sich, dass das Geld für "Intendanz, Dramaturgie und die anderen Gewerke" vorhanden ist ?!
Mag sein, daß es mehr Männer als Frauen sind, aber insgesamt geht es um das Thema, daß die derzeitigen Ensembles sich an Jugendlichkeit orientieren...
Das GDBA-Magazin TOI TOI TOI hat sich schon im März 2022 dem Alters-Gap in Schauspiel-Ensembles gewidmet ("Eternal Flame"):
https://www.gdba.de/3d-flip-book/toi-toi-toi-03-22eternal-flame/
(In der Freien Szene alt zu werden, ist natürlich auch nicht leichter.)