Die Aktionsgruppe Gessnerallee 2014 unterbreitet Vorschläge zum Systemwechsel in der Freien Szene Zürichs
Epizentrum Gessnerallee
Dieser Beitrag ist Teil des nachtkriktik.de-Archivs. Er entspricht Layout und technischem Stand vor November 2021.
In einer Publikation im Schweizer Kulturmagazin Ensuite (die nachtkritik.de im Typoskript vorliegt) konkretisiert die Gruppe um Ted Gaier, Julian M. Grünthal, Meret Hottinger, Wanda Wylowa, Samuel Schwarz und Philipp Stengele die Forderungen aus ihrem Manifest und liefert "ein paar Ideen, locker hingeschmissen, unflätig und zu ergänzen":
Hier die einschlägige Passage komplett im Wortlaut:
"Das Haus abschaffen und die Gelder komplett in die freie Szene schütten: Die 1,85 Mio, die die Gessnerallee verwaltet, von denen 1,2 Mio für Fixlöhne, 500 000 in Gagen und 150 000 in Koproduktionsbeiträge gehen, definieren ein zu starkes Gehalts- und Machtgefälle zwischen Festangestellten und Freien.
1,85 Mio = 13 sehr gut finanzierte Produktionen. Die Idee ist auf den ersten Blick nicht schlecht.
Aber OK, sie hinkt trotzdem ein wenig, es ist nämlich wohl dennoch besser, wenn es ein Zentrum wie das Theaterhaus Gessnerallee gibt, denn: Zweck der Gessnerallee ist es, Ort zu sein, wo sich die freie Szene gegenseitig befruchtet, ein Labor, ein Austauschstätte. Um das Epizentrum Gessnerallee müssen sich die Strukturen bilden, die die freie Szene konsolidieren. Nur so hat die Gessnerallee eine Legitimation: ALS ZENTRUM EINER SELBSTBEWUSSTEN FREIEN SZENE, DIE GEGENÜBER DEN STADTTHEATERN KEINE MINDERWERTIGKEITSKOMPLEXE HAT.
Weitere Ideen:
Dramaturgen müssen Teamplayer sein! Keine “konventionellen” DramaturgInnen mehr, die bloss von aussen draufgucken, ohne mitverantwortlich zu sein. Wir brauchen Mitspieler&Mitautoren als DramaturgInnen. Wir müssen einen Pool von solchen schaffen, aus dem dann die Produktionen, die ihre DramaturgInnen nicht eh selber mitbringen, den/die genau richtigen bekommen, bei dem/der die Wellenlänge auch menschlich und inhaltlich stimmt. Die Dramaturgische Gesellschaft hat nichts zu suchen in der freien Szene und ihr Einfluss und ihre Diskussionen sollten uns echt nichts kümmern. Intelligenz ist etwas aussersprachliches.Theater ist eine eigene Wissenschaft, die die Begleitung durch die Dramaturgie nicht braucht! So sehen wir das. Ihr auch?
Abschaffung der Intendantenstelle. Braucht es nicht. Rotierende Machtmodelle. Familienfreundliche Strukturen. Theater braucht Leute, die reif sind. Erst dann kann das Zuschauerbedürfnis erkannt werden und es steht nicht nur die Befriedigung eigener Kuratorenträumchen in Zentrum.
Ziel: Leitungsteam mit flachen Hierarchien.
zusammengesetzt aus Vertretern der freien Szene (z.B. Gruppendelegierte & Delegierte der freischaffenden Einzelkünstler als gemeinsames Leitungsteam)
Gleicher (Stunden)Lohn für alle Angestellten der Gessnerallee. (Kollision mit Gewerkschaften? Los, Gegenargumente gesucht*) Gleicher Lohn für gleiche Arbeitszeit. Bzw: alle kriegen soviel wie der Tontechniker (Keine Kollision mit Gewerkschaften!)
Prinzip Agentur/Indie-Label Gessnerallee:
”Gessnerallee” als Label, das sich mit um den Vertrieb/die Tour der einzelnen Produktionen kümmert. Schluss mit dem Kuratorentum. Wir sind unsere eigenen Kuratoren. Die Gessnerallee konzentriert sich auf die Promotion und den Verkauf der bei ihr entstandenen Produktionen. Mit fähigen Leuten besetzt aus der freien Szene kommend und mit den entsprechenden Ansprechpartnern, die auch im Ausland vernetzt sind, wird dafür gesorgt, dass ein Stück seinen speziellen Platz bekommt.
Es braucht mehr Geld. Umverteilung. Sonst bleibt die freie Szene 2. Liga.
Gessnerallee besetzen? Was für eine reizvolle und hübsche Idee. Sind wir zu alt dafür?“
...weitere ideen...."
(Aktionsgruppe Gessnerallee 2014 / chr)
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