Wenn das Theater seine Tage hat

4. Februar 2026. Blutige Unterhosen, Eisenkrauttee, Monologe über Schlafmangel: Menstruation, Mutterschaft und andere vermeintliche "Frauenthemen" sind am Theater gerade schwer angesagt. Es ist gut, dass darüber gesprochen wird. Abendfüllend ist es trotzdem nicht.

Von Katrin Ullmann

Wichtige Themen, aber auch fürs Theater? © Bianca Van Dijk / pixabay

4. Februar 2026. Angefangen hat es vor ein paar Jahren. 2020 zum Beispiel, als die Performerinnen von She She Pop in ihrer Theaterarbeit "Hexploitation" ihre nackten Schenkel spreizten und bühnenöffentlich in ihre Schamlippen leuchteten. Nicht die explizite Nacktheit war das Thema der Performance, deren Ursprünge reichen viel weiter zurück, sondern die Menopause. Auch die Performerinnen von She She Pop waren über die Jahre in die Jahre gekommen und hatten ihr Altern, ihre Falten, ihre Menopause, ihre schrumpelnden Vaginas auf der Bühne verhandelt. 

Ich mochte den Abend, so selbstgestrickt, schonungslos schamfrei und selbstironisch, wie er war. Vielleicht mochte ich ihn auch deshalb, weil er damals scheinbar vor der Welle surfte, die anschließend auf die Theaterbühnen schwappte – und immer noch dorthin schwappt. Mit der unnötigen Wucht, um mal plump im Bild zu bleiben, einer heftigen Monatsblutung. Zumindest gefühlt. Tatsächlich stelle ich fest, bin ich mit dieser Wahrnehmung nicht allein, sondern schon late to the party: Susanne Burkhardt und Elena Philipp sahen das in ihrem Theaterpodcast "Bühnenmütter", Folge 65, vom 8. Februar 2024 sehr ähnlich.

Bitte keine Gyn-Stühle mehr 

Es ist also (nicht nur) eine vollkommen subjektive Beobachtung und vielleicht auch kein Trend. Aber seither verhandeln Theaterregisseurinnen* – in diesem Fall muss eher nicht gegendert werden – vermehrt Frauen-, Care- und Mütterthemen. Und ich, selbst Frau, Care und Mutter, verstehe es nicht, wende mich ab, langweile mich. Warum? Bin ich unsolidarisch, arrogant und auf toxische Weise vom männlichen Geniekult geprägt? Bin ich inhaltlich und ästhetisch vollkommen fehlgeleitet oder gar misogyn? Bin ich also keine Feministin und erst recht keine feministische Mutter? Ich weiß es nicht. Aber eines weiß ich ziemlich sicher: Ich will auf der Theaterbühne keine Wutreden auf die Mutterschaft mehr hören, keine vorgespannten Schwangerschaftsbäuche mehr sehen, keine Gynäkologie-Stühle und keine vollgebluteten Unterhosen.

Mich langweilen reenactete Inseminations-Szenen, Mental-Load-Suizide, mütterliche Sinnkrisen und Berichte über Leihmutterschaften. Mich langweilen Debatten über das Kinderkriegen als Lebenssinn oder -nichtsinn, über das Bereuen von Mutterschaft genauso wie über Schlafmangel, den Stimmungskiller PMS oder hart ausgehandelte Wohlfühltage. Mich langweilen Theaterabende über den fremdbestimmten Zustand zwischen Küche, Kita und Kinderliedern mindestens genauso sehr wie Partygespräche über frisch installierte Soft-Close-Einbauküchen und erfolgreich ausgebrütete, herangewachsene Kinder.

Ein paar Beispiele: Die Regisseurin Jorinde Dröse, "seit 2009 arbeitet sie zudem als Mutter" schreibt sie in ihrem Lebenslauf, entwickelte am Berliner Ensemble, angeregt von der Schauspielerin Claude de Demo und mit ihr zusammen, das Stück "#motherfuckinghood": "Erfahrungen des Mutterseins decken sich selten mit dem, was Kultur und Sprache darüber vermitteln. Diese ideale, selbstlos sorgende, unendlich geduldige und noch dazu glückliche Mutter, es gibt sie natürlich nicht", so lautete der Ankündigungstext auf der Website des Berliner Ensembles, wo das Stück im Februar 2024 Premiere feierte. Das ist doch nichts Neues, oder? Die Zeit, in der Mütter an die sonnigen Bilder aus der Rama-Werbung glaubten, ist, dachte ich zumindest, schon lange vorbei.

Ist das wirklich bühnentauglich?

"Haben Sie sich in einer gynäkologischen Praxis auch schon einmal gefragt, wohin eigentlich mit der Unterhose?" So kündigte das Staatstheater Hannover die deutschsprachige Erstaufführung von Saara Turunens "Tage der Hyäne" (November 2025) an. Die Themen des Abends – Kinderwunsch, Hormonbehandlung, Schwangerschaft, Geburt – waren schneller erschöpft als die performte künstliche Befruchtung auf dem gynäkologischen Stuhl gelang. Schnell wurde klar, dass die Hauptfigur ziemlich verloren ist mit ihrem Fortpflanzungsglück. Dass sie kaum mehr zum Schreiben kommt und damit gar nicht zum Autorinnen-Dasein, und dass sie sich das Muttersein doch ganz schön und ganz anders vorgestellt hat. Ernsthaft?

Ursprung der Welt: Florentina Holzingers feministischer Bühnenhit "A Year Without Summer" mit der an ein Courbet-Gemälde erinnernden Skulptur © Nicole Marianna Wytyczak

Es stimmt, im gesellschaftlichen Diskurs, in der öffentlichen Wahrnehmung, kam die Care-Arbeit viel zu lange kaum bis gar nicht vor. Das "Hinter jedem erfolgreichen Mann steht eine starke Frau"-Prinzip war so selbstverständlich wie selbstlos, und so blieb auch jegliche Form dieser Arbeit, also auch die Arbeit als Mutter, stets unsichtbar. Aber ist das Frauen-Care-Mütter-Thema deshalb bühnentauglich? Sozusagen mit dem Argument des Nachholbedarfs? Und verstärkt dessen Theatralisierung – und die Tatsache, dass ausschließlich Regisseurinnen sich dieses Themas annehmen – nicht vielmehr ein uraltes Rollenbild? Und führt, verkürzt gesagt, zu folgendem Schluss: Mit das Dringlichste, das Frauen* auf der Bühne zu erzählen haben, definiert sich über ihre Mutterschaft? Sei es ihre Sehnsucht danach, ihr Verweigern, ihr Bereuen oder das endgültige Ausschließen derselben durch die Menopause?

Warum die Quote wichtig bleibt

Das Jahr 1985 war für den Feminismus ein ertragreiches: Da fand in Nairobi die 3. Weltfrauenkonferenz statt, gründeten sich die feministisch-aktivistischen Guerilla Girls, wurde in den USA ein entscheidendes Urteil zur strafrechtlichen Verfolgung von Vergewaltigung in der Ehe wirksam, indem das New York Court of Appeals die Ausnahme für Ehemänner aufhob. Und Alison Bechdel veröffentlichte ihren Comic "Dykes to Watch Out For". Und mit ihm den Bechdel-Wallace-Test. Dieser nie als ernsthafter feministischer Maßstab gedachte Test etablierte sich bald als Sexismus-Schnelltest und sensibilisierte Generationen von Filmkritiker*innen für die Stereotypisierung weiblicher* Figuren in Spielfilmen. Und zwar mit drei simplen Fragen: 1) Gibt es (in dem Film) mindestens zwei Frauenrollen? 2) Sprechen diese Frauen miteinander? 3) Unterhalten sie sich über etwas anderes als einen Mann? Eine Übertragung, ein Gedankenspiel gut 40 Jahre später. Theater statt Film: 1) Gibt es (in der Theaterinszenierung) mindestens zwei Frauen*rollen? 2) Sprechen diese Frauen* miteinander? 3) Unterhalten sie sich über etwas anderes als über ihre Mutterrolle?

Nur langsam bewegt sich die Prozentzahl regieführender Frauen* auf allen deutschsprachigen Sprechtheater-Bühnen zusammengenommen kontinuierlich nach oben: Die Werkstatistik des Deutschen Bühnenvereins weist für die Spielzeit 2018/19 rund 28,1 Prozent, für 2021/22 immerhin 34,6 Prozent aus (eine geschönt wirkende Zahl, die sich auch aus der Einbeziehung von Kinder- und Jugendtheatern ergibt). Oft werden Regisseurinnen* noch gut versteckt auf den Provinz- oder Studiobühnen, in kleineren Städten und auf den Nebenspielstätten größerer Häuser. Auch deshalb befürworte ich die Frauenquote beim Theatertreffen. Und gerade in Zeiten, in denen manch regieführender Mann seine Gehaltsverhandlungen mit dem Argument unterfüttert, er habe eine große Kinderschar zu versorgen, sind regieführende (Mütter)-Frauen* wichtiger denn je.

Brennendere Themen als eine lauwarme Wärmflasche

Beruf und Familie in diesem, gelinde gesagt, familienunfreundlichen Business unter einen Hut zu bekommen, ist ein Kraftakt (als Kritikerin ist es das übrigens auch). Aber wenn dieser Kraftakt schon vollzogen wird, warum wird dann (gefühlt) so oft die "weiche" Kurve genommen? Warum findet ein Abbiegen in die eigenen Eingeweide statt? In die Geschichten auf Untersuchungsstühlen, in Wut-, Verzweiflungs- oder Reuegefühle und damit generell ins Mutterschaft-Thema? Ich verstehe es nicht.

Es ist egoistisch, überheblich und privilegiert, ich weiß, aber ich schreibe es trotzdem: Von Theaterregisseurinnen*, und gerade von ihnen, wünsche ich mir Abende, die Lichtjahre entfernt sind von blutigen Unterhosen, gynäkologischen Stühlen, Hormonspritzen und Eisenkrauttee. Ich wünsche mir, sorry, ein Zitat von einem Mann, Ad Reinhardts "Kunst ist Kunst als Kunst, und alles andere ist alles andere" auf die Bühnen. Und damit Abende, die um ein Vielfaches größer sind als ein Uterus, mit Themen, die brennender sind als eine lauwarm gefüllte Wärmflasche. Ich wünsche mir Theaterabende über Menschen und Monster, über große Gefühle, über Liebe und Macht, Hass und Betrug, Elend und Schmerz, Frieden und Krieg, Leben und Tod. Mit Wut, Schweiß und Tränen und, wenn's sein muss, auch mit Happy End.

Katrin Ullmann, geboren 1971 in Heidelberg. Studierte Germanistik und Kunstgeschichte in Hamburg. Seit 1998 freie Journalistin und Kritikerin unter anderem für Theater heute, Tagesspiegel, taz, tanz, Deutschlandfunk Kultur und Die Zeit. 2011–2015 sowie 2021–2024 Jurymitglied der Behörde für Kultur und Medien Hamburg, 2018–2023 Jurymitglied des NPN (Förderbereich Tanz) und für die Ausgaben 2022 bis 2025 in der Jury des Berliner Theatertreffens. Co-Herausgeberin – gemeinsam mit Sabine Leucht und Petra Paterno – der Publikation "Status Quote – Theater im Umbruch: Regisseurinnen im Gespräch", erschienen 2023 im Henschel Verlag Leipzig.

Kommentare  
Essay "Frauenthemen": Ziemlich daneben
(...)
"...egoistisch, überheblich und privilegiert..." - ja, genau das und einfach überflüssig!
Die Headline über dem Titel geht übrigens auch gar nicht.
Ich bin nicht von Frauenthemen auf der Bühne gelangweilt, sondern wünsche mir im Gegenteil noch mehr. Über Erzählformen und künstlerische Umsetzung lässt sich streiten, aber gleich die gesamte Thematik derartig vom hohen Ross abzutun, ist einfach nur antifeministisch und spielt nur einem in die Karten: dem Patriarchat!
Essay "Frauenthemen": Kinder- und Jugendtheater?
weiß gar nicht, wo ich anfangen soll, aber so wie der text geschrieben ist, sehe ich da auch kein interesse, ernsthaft ins gespräch zu gehen.

eine sache will ich dennoch rausstellen, weil sie fast nebenbei passiert: "Nur langsam bewegt sich die Prozentzahl regieführender Frauen* auf allen deutschsprachigen Sprechtheater-Bühnen zusammengenommen kontinuierlich nach oben: Die Werkstatistik des Deutschen Bühnenvereins weist für die Spielzeit 2018/19 rund 28,1 Prozent, für 2021/22 immerhin 34,6 Prozent aus (eine geschönt wirkende Zahl, die sich auch aus der Einbeziehung von Kinder- und Jugendtheatern ergibt)" – was genau soll dieser kommentar zum kinder- und jugendtheater implizieren? gilt das nicht als echtes sprechtheater? gelten die regieführenden frauen da nicht richtig? oder ist es nicht kunst genug, um den ansprüchen der autorin gerecht zu werden?
Essay "Frauenthemen": Nicht antifeministisch
@#1: Zu kritisieren, wenn in der richtigen Sache mit schlechten Mitteln Kunst gemacht wird, hat gar nichts mit "antifeministisch" zu tun. Das verwechselt Kunst und Strukturen. Und zu fragen, ob jedes wichtige Thema automatisch ein Thema fürs Theater ist, gehört zur Arbeit des Kritikers / der Kritikerin. Ich finde diesen Text klug und mutig.
Essay "Frauenthemen": Und der Mann in der Sinnkrise?
Zum Glück erschöpft sich ja das Thema „Mann mit Sinnkrise“ nicht…“
Essay "Frauenthemen": Elfenbeinturm
Es gibt doch genug alte, schmierige, weiße Regisseure, guckt doch deren Kram, wenn euch das besser fühlen lässt - aber lasst bitte Theatermacher*innen da raus, die Geschichten erzählen für Leute außerhalb des Nachtkritik-Elfenbeinturms. Peinlicher Text.
Essay "Frauenthemen": Erklärung KJT
@#2 - Im Kinder- und Jugendtheater sind mehr Frauen nicht nur in der Regie, sondern auch in der Leitung vertreten, weil 1. schlechter bezahlt und 2. geringer angesehen. Weswegen viele Männer keinen Bock dazu haben. Das ist vergleichbar übrigens mit dem Lehrkörper in Grundschulen. By the way: Künstler:innen im Theater für junges Publikum werden vom Kinderteller nicht satt!
Essay "Frauenthemen": Meinung macht keinen Essay
Lange habe ich hier nicht mehr so einen inhaltsleeren, argumentationslosen und in seiner Pauschalität kaum zu unterbietenden Text gelesen. Während die Nachrichten-Portale und Social Media Feeds gerade mal wieder mit frauenfeindlichen Berichten rund um die Epstein-Verbrechen voll sind und das Ausmaß der Gewalt, das sich offensichtlich über die halbe (High Society) Welt erstreckt, nicht zu ertragen ist, werden hier in einer Grundsätzlichkeit "Frauenthemen" - was immer das genau sein mag im Verhältnis zu all den "Männerthemen", die fast immer überall drinstecken, ohne dass es drüber geschrieben würde - gecancelt, dass es einem die Sprache verschlägt. Es wäre im Detail dazu so viel zu sagen, aber leider zieht einem der Text selbst Stecker und Energie dazu, ist er doch genau das, was er all den unterschiedlichen Inszenierungen und Regisseurinnen (die natürlich alle jeweils auch andere Themen bearbeiten und deren feministische Positionen im Kontext ihrer jeweils höchst unterschiedlichen Arbeiten und Ästhetiken zu bewerten wären) in einem absurd anmutenden Rundumschlag vorwirft: langweilig, redundant, ohne irgendeine differenzierte Darstellung, die etwas zur Sache beitragen oder eine Perspektive eröffnen würde. Doch auch für Kritikerinnen gilt: eine Meinung allein macht noch keinen Essay. Und fehlendes schreiberisches Handwerk oder argumentatives Konzept erzeugt leider keine kritische Positionierung, sondern eher selbstgefälliges Meinungsbrachland. Der mit Substantiven vollgekleisterte Schluss des Textes, der von einem erneut ziemlich differenzlosen und diffusen Wunsch der Autorin nach einem Theater über Alles und Nichts zeugt, spricht da Bände. Warum aber zwischen Menschen, Monstern, Liebe, Tod, Krieg, Frieden usw. keine "Frauen" und kein "Care" thematisch vorkommen sollen, das verstehe wirklich, wer will. Ich nicht. Stattdessen schicke ich hier als kleinen Lektüre-Tipp für die utopischen Möglichkeiten eines weiblichen, feministischen, mit Sorgefragen befassten Erzählens - literarisch wie theatral -, das im Übrigen auch das "Langeweile"-Argument sehr schön auseinandernimmt und die männliche Heldendramaturgie von Blut, Schweiß und Tränen mit feiner Ironie kritisch hinterfragt, den "Beutel-Theorie"-Essay (über die Kunst der (Ver-)Sammelns) der fantastischen US-SciFi-Autorin Ursula K. Le Guin mit. Wärmstens empfohlen gegen pauschale Reproduktionen männlich genormter Seh- und Erzählschablonen und für eine thematische Offenheit und Differenziertheit im - immer gerne kritischen - Rezipieren und Beschreiben von Kunst, egal welchem Geschlecht oder Gender sie inhaltlich zugeschrieben sein mag.
Essay "Frauenthemen": Enger Kunstbegriff
@emiliakarotti
Sie kritisiert aber halt die Sache an sich als "langweilig" und nicht nur die schlechten Mittel.
Und ein so enger Kunstbegriff, der sich schwammig bei: "Kunst ist Kunst als Kunst, und alles andere ist alles andere" verortet ist einfach nur ein nichtssagender Lückenfüller. Gähn!
Sie wünscht sich "Theaterabende über Menschen und Monster, über große Gefühle, über Liebe und Macht, Hass und Betrug, Elend und Schmerz, Frieden und Krieg, Leben und Tod. Mit Wut, Schweiß und Tränen und, wenn's sein muss, auch mit Happy End."
Frauenthemen bieten genau das alles (mit Ausnahme vielleicht des Happy End)!
Essay "Frauenthemen": Produktionsstrukturen
Immer wieder lese ich Texte von Kritiker:innen, die nahelegen, dass sich niemand die Mühe macht, sich mit den (für das Publikum nicht immer sofort ersichtlichen) Strukturen der Auftragsvergabe auseinanderzusetzen. (...)
Möglicherweise würden viele Frauen ja auch gerne mal "richtige", nicht so "langweilige" Themen beackern, bekommen aber eben nur Positionen angeboten, wo sie sich mit "Frauenthemen" beschäftigen sollen. Statt also Künstlerinnen hier einen Vorwurf zu machen, sollte vielleicht erst mal das (noch immer männlich dominierte) System hinterfragt werden.
____

(Anm. Redaktion. Ein pauschaler Anwurf wure aus diesem Kommentar entfernt.)
Essay "Frauenthemen": Abseits des Trends
Auch wenn Isaak Dentler vom ältesten Privattheater Kiels „Die Komödianten“
nicht explizit unter „Regisseur“ firmiert, sondern sich für die „Szenische Einrichtung“ der „Vagina-Monologe“ Eve Enslers verantwortlich zeichnet, sollte diese Handschrift nicht unter den Tisch fallen, zumal das Stück in Kiel zum zweiten Mal aufgelegt wurde. Die zweite Inszenierung, Premiere war am 8.3.2025, wird auch im kommenden April und Mai wieder zu sehen sein. Sie war stets Anlass für Überraschungen, Reibungen, Gespräche und ist sehr kurzweilig,
also wirklich zu empfehlen. Daß die Protagonistin in Suzie Millers Erfolgsstück „Prima Facie“ Tessa Ensler heißt, markiert im übrigen dazu einen Bezug. Langweilig finde ich auch dieses Stück keineswegs, fragt sich natürlich, inwiefern
Frau Ullmann es zu den derzeitigen „Trendstücken“ rechnen würde.
Essay "Frauenthemen": Patriarchat
Also, ich versteh diese Debatte so, dass es darum geht, zu thematisieren, dass Frauenfiguren, um sie am Zugrundegehen auf der Bühne zu hindern, in der zeitgenössischen Dramatik und Überschreibungsdramatik auf sogenannte Frauenthemen reduziert werden, also Themen, um die sich eine ganze Industrie werbewirksam kümmert. Das schafft das Patriarchat eben halt nicht ab, sondern reduziert die armen Spielerinnen auf Vaginamonologe, während ihre männlichen Kollegen weiterhin mit der Welt hadern und daran kunstvoll zugrunde gehen dürfen. Schon ein bemerkenswerter Punkt, finde ich.
Essay "Frauenthemen": Betrifft alle
(...)
"FrauenThemen" sind keine Frauenthemen sondern betreffen uns alle als Gesellschaft. Und nichts spricht dagegen, dass eine FLINTA einen Abend zu Geburtstraumata, einen zu Kapitalismus und ein zauberhaftes Märchen bearbeitet. Sehr gerne auch in einer Spielzeit.
Essay "Frauenthemen": Keine großen Emotionen?
(...)
Was soll das? Und wozu?
Sie schreibt selbst, es herrscht noch immer eine schreiende Ungleichheit, wo immer man hinguckt, in der Medizin, in der Politik und ja eben im Theater. Das Patriarchat reproduziert sich weiterhin selbst. Und da trauen sich überhaupt erstmal wenige und kriegen die Chance dazu über genannte Themen zu sprechen, die btw nur so schreien vor grossen Emotionen! - und dann schafft man nicht den Move als Frau die anderen unterrepräsentierten Frauen und ihre Themen solidarsch zu unterstützen? Sondern findet kein besseres Thema, als genau dagegen zu schiessen? Und die ewigen Mythen (die es mal lohnen würde stattdessen genauer zu analysieren) (was btw einige Theaterfrauen schaffen.. und zwar in deren ganzen Komplexität) nur zu wiederholen? A la nur "Männerthemen" sind Universalthemen und haben grosse Emotionen zu bieten?? Und "Monster" (was hingegen stimmt, aber eben gerade in Bezug auf zbsp. Frauen)???
Und die Emotionen der Frauen sind bissi anstrengend und weniger wichtig? Wtf?

Was wirklich spannend wäre: wie Frauen an Theatern genau mit diesen Zuschreibubgen struggeln und permament mit diesen sehr unangenehmen und unfairen Fragen konfrontriert sind, ob sie über dir Dinge sprechen sollen, die sie betrifft und zbsp wütend macht (weil wer macht es sonst? sicher nicht die Männer, die den hunderttausendsten Hamlet machen und immer noch Frauen in weissen Nachthemden über die Bühne wanken lassen und von politischem Theater labbern, während die Frauen zbsp sich fragen, wer auf ihre Kinder aufpasst, wenn sie spielen sollen oder wann die Ärzteschaft ihre Schmerzen mal anerkennen und ihnen helfen könnte) oder eben nicht über diese Themen zu sprechen, weil man dann die nervige Frau auf der Nebenbühne ist, die leider nur über Frauenthemen sprechen kann. Oder denen jedes Stück, was sie machen automatisch zum "Frauenthema" gemacht wird.

Ich wünsche mir von weiblichen Journalistinnen (und allen anderen) mehr Solidarität. Insbesondere in Zeiten wie diesen. Auch wenn man mal eine Szene nicht ganz so mochte oder den Stil. Es geht um mehr.

Ps: Gibts ein universelleres Thema voller grosser Emotionen als Mutterschaft?
Essay "Frauenthemen": Verwandte Lesart
# 11
Ich denke, daß ich das schon sehr ähnlich lese wie Sie in Ihrer Reformulierung, und deswegen begrüße ich den Text auch grundsätzlich. Allerdings sehe ich beispielsweise an den Reibungen und auch Verunsicherungen der männlichen Zuschauer im Zuge beispielsweise besagter Inszenierung der „Vagina Monologe“, das diese durchaus soetwas wie „Basislagerqualitäten“ zeitigt und ihre Berechtigung hat. Den drei „Komödiantinnen“ gelingt es geradezu beispielhaft zu konfrontieren, lustvoll mit dem Publikum zu spielen: diese Spielerinnen werden keineswegs im Sinne irgendeines Textes reduziert, sondern ziehen den Text eher zu sich hinauf: kunstvoll ! Aber, es gibt sicherlich auch Texte wie etwa „Heartship“ von Caren Jeß, den ich gerade kennenlernen durfte, in denen bei weitem mehr geschieht. Da ließe sich so mancher Text nennen: auch von Männern im übrigen..
Essay "Frauenthemen": Weibliche Kunsthandwerktendenz
Ganz meiner Meinung. - Fand schon 2004 , als eine Regiekollegin von mir (es gab so wenig!!) in Stuttgart ihr eigenes Uterusbild mit Embryo (!) in einem Ibsenstück an die Wand projizierte (!) als unangenehm persönlich, als Kunsthandwerk - und fragte mich, warum Männer zwar real onanierten auf der Bühne (leider bei einer Vorsprechrolle gesehen-genauso peinlich!!-aber letztlich nicht so super kleinkariert privat um sich kreisend ) es im Schnitt schafften, Dinge mehr zu erhöhen, jedenfalls wirkte es im Schnitt so.
Ich finde, gute Kunst muss es hinbekommen, privat erlebte Dinge (auch Frauenunterdrückung und die Tatsache, dass die Klitoris erst um 2007 wissenschaftlich erforscht wurde) verallgemeinernd und grösser, überzeitlicher auf die Bühne bringen..jedes peinliche 1:1 Vonsichausgehen ist langweilig und prinlich, da es eher Voyeurismus bedient als Erkenntnis. Und vielleicht hatten Frauen noch nicht genug Zeit, dass eben abstrahierend zu lernen. Heisst: frau kann von PMS berichten oder Mutterschaft, aber auf und in einer grösseren Ebene. Eingebettet in Geschichte/n von und mit anderen Situationen/Menschen /Zeiten. Ich finde, Shakespeare hat das gut gemacht. Oder Euripides. Oder auch Heiner Müller..alles Männer.- aber vielleicht waren Frauen nur im Hintergrund wie bei Weigel und Hauptmann. Traut Euch! Denkt gross, arrogant, überzeitlich! Kommt aus der KkK auf der Bühne heraus!
Dann geht auch das Klischee weg, dass Kinderkriegen den Geist vernebelt. Ich denke, man kann Hormone beeinflussen, sich auch ‚männlich‘ denken..auch als Regisseurin. Männer müssen „weiblich“ denken lernen als Regisseure (nicht jede Ophelia muss nackt über die Bühne gehen und für den männlichen Blich da sein) - genauso können Regisseurinnen männlich denken lernen und ihre persönlichen Tampons zu Hause lassen (war in der Performancekunst der Achtziger lustig, einmal gesehen reichte aber)..
Dann wird das noch was..
Essay "Frauenthemen": Kommunikationsstrategie
Die Autorin schreibt nachlesbar sorgfältig ihre Meinung und ihre Erlebnisse als subjektive Ich-Botschaften. In einigen Kommentaren wird es dann schnell persönlich und apodiktisch: sie darf das nicht, das geht nicht, es stärkt das Patriarchat usw. Die Autorin zu deligitimieren, persönlich zu werden und die eigene Meinung als Fakt zu nehmen anstatt sich sachlich mit ihren Argumenten und Ansichten auseinander zu setzen, finde ich eine leider häufige männliche Kommunikationsstrategie gegenüber meinungsstarken Frauen. Dass in einigen Kommentaren wahrscheinlich andere Frauen so schreiben, wird dem feministischen Anliegen nicht helfen, denke ich. Klar sind unsachliche, polarisierende Kommunikationsweisen kein männliches Vorrecht. Aber Streitkultur, Respekt und um eine Sache ringen, würde allen Geschlechtern helfen.
Essay "Frauenthemen": Nabelschau
Wieder einmal unterhaltsam, dieses Ereifern in Begriffen und Deutungen und verlagern in einen Metaraum der Sinnfälligkeit durch Quote oder thematische Notwendigkeit - dabei gehts der Autorin um simple Sehnsucht nach Transformation. Es geht um Kunst die nicht illustriert - was sie als These voranstellt oder gleich auf die Verpackung schreibt - deshalb: danke für den ehrlichen Text, ja bitte mehr Kathryn Bigelow, Rachel Kushner, Lydia Davis, Susanne Kennedy, Ida Müller usw.usv. als therapeutische Nabelschau, illustrierte Ratgeber und erschöpfte Betroffenheit die nicht über sich hinaus weist und die geschlechterübergreifend wirklich meistens nur Langeweile erzeugt ...
Essay "Frauenthemen": Danke!
Danke, Katrin Ullmann, für den Text.
Ich, Schauspielerin (in den 40ern, kinderfrei) habe auch eher Bock "Maria Stuart" als "Vagina Monologe" auf der Bühne zu verhandeln!
Essay "Frauenthemen": "Stutenbiss" von A.L.Hitzfeld
# 18
Das kann ich gut verstehen, denke ich. Wo Sie gerade „Maria Stuart“ sagen, kann ich einen anderen Abend, nämlich „Stutenbiss“ von Anna Lena Hitzfeld, der noch in Lübeck läuft, wärmstens empfehlen. Er nimmt sich der Implikationen des Essays und auch großer Teile des bisherigen Threadverlaufes in einem „Maria Stuart“-Grundsetting an, spielerisch, aber auch als eine Art Talkabend mit immer neuer Gästin. Da hat sich eine Schauspielerin gekonnt einen Arbeitsplatz geschaffen, der auf jene größere Rollen zusteuert. Sehr empfehlenswert !!
Essay "Frauenthemen": Das Wie, nicht das Was
Als feministischer Macker fortgeschrittenen Alters (>60) folgende Anmerkungen zu der Diskussion:
1. Die Überschrift "Warum ... langweilen" geht gar nicht. Wenn es sich, wie #16 sagt, um ein rein subjektives Essay handeln sollte, müsste dort das Wörtchen "mich" inkludiert sein. Ist es aber nicht, und so erhebt das Folgende schon einen allgemeineren Anspruch. Mich persönlich langweilen keine "Frauenthemen", sondern mich langweilen plakative Sprüche, Humorlosigkeit, voraussagbare Dramaturgie etc.. Das trifft in meinen Augen überproportional häufig bei sich aktivistisch verstehenden Künstler:innen zu und dazu gehören durchaus auch Feminist:innen. Daraus aber den allgemeinen Schluss zu ziehen, dass es bei diesen Themen notwendigerweise so sein muss, kann mich nicht überzeugen.
2. Das Beispiel von She She Pop ist interessant. Ich fand (und finde) es wichtig, das Thema Menopause auf die Bühne zu bringen, eben weil es künstlerisch so selten bearbeitet worden ist und im gesellschaftlichen Diskurs (wie auch medizinischen) zumeist tabuisiert oder männerdominiert thematisiert wird. Gleichzeitig war aber die Umsetzung durch SSP aus meiner Sicht nicht sehr überzeugend (siehe 1.). Wie das anders gehen kann, zeigt mir das Ensemble der Holzinger. Das hat sich - soweit ich mich erinnere - zwar noch nicht mit der Menopause beschäftigt, aber mit vielen anderen "Frauenthemen". Ich habe mich bei den Aufführungen immer gut unterhalten wie auch angeregt gefühlt.
3. Ich finde den Begriff "Frauenthema" schwierig. Er impliziert ein Abgespaltenen dieser Themen von der "Mannosphäre", die theoretisch denkmöglich, praktisch aber unsinnig, vielleicht sogar gefährlich ist. Klar, nur weibliche Körper erleben diese spezielle Wandlung des Hormonhaushaltes, aber das geschieht nun nicht im luftleeren Raum. Männer haben einen vielfältigen Einfluss darauf, wie Frauen dies wahrnehmen und Männer nehmen diese Veränderung ebenfalls auf vielfältige Weise wahr. Insofern ist unbedingt auch ein "Männerthema" (gern aus Frauenperspektive künstlerisch bearbeitet).

Gefährlich wird dieser Begriff meiner Meinung nach nicht nur, weil er damit eine Identitätslogik bedient, die aller historischen Erfahrungen nach nur ausgrenzenden Ideologien zugute kommt, sondern auch, weil so die Menschen, die diese Themen bearbeiten, in eine Nische geschoben werden. "Frauenliteratur" ist auch so ein furchtbarer Begriff. Da wird ein Framing erstellt, mit dem das real existierende Patriarchat diese Werke belächeln und jeder Ernsthaftigkeit entkleiden kann.

Für mich ist die Menopause kein "Frauenthema", sondern eine psycho-somatische Realität im Rahmen der menschlichen Alterung mit enormen Auswirkungen auf die Geschlechterverhältnisse. Stoff für Dramen, Komödien, Bildern, Musiken - für alles Kunstgattungen. Und dann kommt es auf das Wie an.
Essay "Frauenthemen": Das Gegenteil von Inhalt
Anfang der 90er Jahre habe ich im Schmidt-Tivoli auf der Reeperbahn eine Performance gesehen, die damals für großes Aufsehen sorgte. Einer Künstlerin saß in einem Gyn-Stuhl auf der Bühne und ein Endoskop filmte, wie das Blut aus ihrem Muttermund auslief. Dies wurde während der ganzen Show live auf ein Bildschirm übertragen. Man/Frau durfte auch näher kommen und selber durch ein Spekulum reinschauen. Die Schlange war lang, die Stimmung fröhlich und ausgelassen. Ich fand diese Veranstaltung damals sehr witzig, aufklärerisch, provokant. Aber es war vor über 30 Jahren. In diesem Sinne finde ich den heutigen Text von Katrin Ullmann sehr zutreffend: irgendwann ist ja gut.
Eigentlich geht es ihr, denke ich, eher um Inhalte, Mittel und Perspektiven für Frauen, die Theater machen wollen. Das schreibt, belegt und begründet sie wiederholt und versucht dabei, die Sache aus unterschiedlichen Perspektiven zu betrachten und zu reflektieren; dann heißt es, sie sei redundant. Diese Fragen sind aber existentiell und ein Anstoß: Wollen sich Theatermacherinnen damit beschränken, sich mit den Grenzen des Systems, des weiblichen Körpers, des Patriarchats auseinanderzusetzen oder wollen sie was Neues, Großes, noch Unerforschtes erproben? Wie Ingrid vor mir kommentiert hat: „Denkt gross, arrogant, überzeitlich!“ Wo bleiben die eigenen Träume und Visionen jenseits der conditio mulierum? Wahrscheinlich ein männlicher Gedanke, aber eine Vagina ist kein Inhalt, sondern eher das Gegenteil davon, wage ich mir zu behaupten.
Essay "Frauenthemen": Sehr guter Text
Sehr guter Text. Endlich. Da schließe ich mich zu 100% an. Es ist einfach langweilig.
Essay "Frauenthemen": Langeweiliges ist langweilig
Nicht Abende mit Frauenthemen sind langweilig, sondern langweiliges Theater ist langweilig!

Das Argument "XYZ ist nicht abendfüllend" lässt sich für so allerlei sagen. Aber ein Meinungstext, der richtig Traffic generiert wird's natürlich nur mit dem Geschlechterthema.

Man stelle sich vor, hier hätte gestanden "Wenn das Theater Sklave seiner selbst ist -- Völkermord, Voodoo, Monologe über Fremdherrschaft: Ausbeutung, Unterdrückung und andere vermeintliche "Kolonialthemen" sind am Theater gerade schwer angesagt. Es ist gut, dass darüber gesprochen wird. Abendfüllend ist es trotzdem nicht."

Also was ist jetzt der relevante Punkt? Dass langweiliges Theater langweilig ist? Oder dass "Frauenthemen" (immer?) langweilig seien? Idontgetit.

Wäre spannend, zu sprechen, wer was warum langweilig findet. Vincent Koch war ja krass underwhelmed vom "Peer Gynt". Peter Laudenbach hat zurecht die Frage nach Wahrnehmungsblockaden aufgerufen. Soviel zu: was langweilig ist.

Und war es nicht Katrin Ullmann, die als TT-Jurymitglied 2024 "Ophelia's got talent", ein Abend mit jeder Menge "Frauenthemen", preiste? Ein dramaturgisch nun wirklich mäßig fordernder Abend, meines Erachtens.
Essay "Frauenthemen": Kunst
am schlimmsten finde ich, dass die fantastische, sowohl thematisch aufregende und überwältigende als auch schauspielerisch meister(in)hafte Aufführung „motherfuckinhood“ (von Claude de Demo/Jorinde Dröse) für so eine schale These benutzt wird. Für mich zählt diese Inszenierung neben Julia Riedlers/Leonie Böhms „Fräulein Else“ aus dem Wiener Volkstheater zu den stärksten Aufführungen der letzten beiden Jahre.
Essay "Frauenthemen": Trifft wunden Punkt
Ich finde den Essay von Katrin Ullmann wichtig und richtig, weil er ein Unbehagen formuliert, das viele spüren, aber selten so klar aussprechen: Auch wenn Sichtbarkeit für Menopause, Mutterschaft, Care-Arbeit grundsätzlich relevant ist, ergeben diese Erfahrungen nicht automatisch einen tollen Theaterabend.
Ullmann benennt die strukturelle Ungleichheit im Betrieb, verteidigt die Quote und kritisiert zugleich die Verengung von Regisseurinnen auf „Frauenthemen“. Ihr Bechdel-Gedankenexperiment für die Bühne – sprechen Frauenfiguren miteinander über etwas anderes als ihre Mutterrolle? – trifft für mich einen wunden Punkt.
Man kann und soll dem Text widersprechen, andere Erfahrungen einbringen, bestimmte Inszenierungen verteidigen. Aber eine Kritikerin, die explizit als „Ich“ spricht, als antifeministisch abzustempeln, nur weil sie ästhetische und thematische Moden hinterfragt, ist doch Quatsch. Diskurs lebt von Differenz, nicht von Diskreditierung.
Essay "Frauenthemen": Trübung
Welche Themen ergeben denn bitte "automatisch" einen tollen Theaterabend? Genau umgekehrt ist mein Problem mit dem Text, dass er das Nicht-Gelingen der erwähnten Theaterabende rein mit den Inhalten - nämlich den "Frauenthemen" - begründet. Das ist definitiv antifeministisch. Die Hierarchisierung von Inhalten - dass irgendwelche Macht- und Besitzgefühle relevanter scheinen, dass nur Politik und Gewalt es wert sind, auf Bühnen verhandelt zu werden, dass diese Themen - wie die Autorin sagen würde - „um Vielfaches größer sind als ein Uterus“ ist an sich schon eine patriarchale Trübung der Sicht.
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