Spiralblog 194 - Wehrhafte Kunst
Die erste Patrone
1. April 2026. Die Militarisierung der Gesellschaft macht auch vor der Kunst nicht halt. Exemplarisch zeigt sich das ausgerechnet bei Milo Raus Wiener Festwochen.
Von Michael Wolf
1. April 2026. Nicht erst seit der Rede des deutschen Finanzministers bei der Bertelsmann-Stiftung, der sensible Geister die Kommandos "Arsch hoch!" und "Gürtel enger schnallen!" entnahmen, festigt sich der Eindruck, dass für nichts mehr Geld da sein soll – außer freilich für Waffen.
Während Berlin schon mal nachzählt, wie viele Panzer, Gewehre und Männerleben an der Ostfront im Ernstfall vonnöten wären, setzt man bei Bürgergeld, Sozialversicherungen und natürlich auch bei der Kulturförderung den Rotstift an.
Wie kann Theater reagieren? Am besten wohl, in dem es sich dem Zeitwendengeist andient und sich selbst als Waffe definiert. Mit bestem Beispiel gehen hier die Wiener Festwochen voran. Zum Nationalfeiertag von Milo Raus Freier Republik ist ausgerechnet die amerikanisch-polnische Intellektuelle Anne Applebaum als Festrednerin geladen.
War da nicht was? Ja, genau! Applebaum bekam 2024 den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels zugesprochen, mit der laut den Statuten Persönlichkeiten geehrt werden, "die in Literatur, Wissenschaft oder Kunst zur Verwirklichung des Friedensgedankens beigetragen haben". Sie bedankte sich sehr artig in der Frankfurter Paulskirche, indem sie vor versammelter Kulturelite mit dem Pazifismus abrechnete. Standing Ovations folgten, ist ja klar. Sicher wird Applebaum auch in ihrer Wiener "Rede an Europa" den Friedensgedanken weitertreiben. Mit ihr demonstriert die Freie Republik gleich zu Beginn ihre Kriegstüchtigkeit.
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