Lokal gedacht

1. Mai 2020. Die Corona-Krise trifft fest angestellte Künstler*innen weniger hart als Akteur*innen der Freien Szene. Sie könnten auch nach der Krise aufgrund von Sparmaßnahmen in ihrer beruflichen Existenz bedroht bleiben. Stefan Rosinski – scheidender Geschäftsführer der Theater, Oper und Orchester GmbH Halle (Saale) – unterbreitet in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (Paywall) einen Vorschlag, wie man der Bedrohung der Freien Szene strukturell begegnen könnte.

"Das beleidigt meine bürgerliche Erziehung"

28. April 2020. Regisseur Frank Castorf übt in einem Interview mit dem Spiegel (€) heftige Kritik an den Maßnahmen zur Eindämmung des Corona-Virus. "Wenn das Robert Koch-Institut klar sagen könnte, dass wir ohne drakonische Maßnahmen in wenigen Wochen 600.000 bis 1,5 Millionen Tote hätten, würde ich sofort einsehen, dass wir einen Ausnahmezustand haben. Aber angesichts der jetzigen Sterblichkeitsrate und der Zahl von bisher weniger als 6000 Corona-Toten sage ich: Es ist immer traurig, wenn ein Mensch stirbt, auch ein alter Mensch. Aber es ist der Lauf der Dinge, den wir akzeptieren müssen."

Sind sie sich zu fein?

22. April 2020. Im Kulturausschuss des Deutschen Bundestags kritisierte Kulturstaatsministerin Monika Grütters heute die Corona-Hilfen der Bundesländer, wie der Tagesspiegel berichtet. Sie sehe "einen unerfreulichen Flickenteppich unabgesprochener Maßnahmen".

Gegen geistige Brandstiftung

18. Oktober 2019. In einem Schreiben an den Aufsichtsrat der Theater, Oper und Orchester GmbH Halle (TOOH) sowie an die Mitglieder des halleschen Stadtrates forderten die Intendanten von Schauspiel, Oper und Puppentheater, Matthias Brenner, Florian Lutz und Christoph Werner, gestern den Rückzug des AfD-Politikers Donatus Schmidt aus beiden Gremien. Das berichtet heute die Mitteldeutsche Zeitung.

Wessen Kampagne?

19. April bis 9. Mai 2020. Mehrere Medien untersuchen und kommentieren die Ankündigung des kamerunischen Historikers und Professors an der Witwatersrand-Universität in Johannesburg Achille Mbembe als Eröffnungsredner der Ruhrtriennale und die Kritik daran, angeführt vom kulturpolitischen Sprecher der FDP im NRW-Landtag, Lorenz Deutsch und vom Beauftragten der Bundesregierung für jüdisches Leben in Deutschland und den Kampf gegen Antisemitismus Felix Klein.

"Sie sind ja ein Berg"

4. Oktober 2019. Im heutigen Weserkurier aus Bremen schreibt Moritz Rinke, der in der Nähe von Bremen, in Worpswede aufwuchs, einen Erinnerungstext an den Tänzer und Choreografen Johann Kresnik, der lange in Bremen gearbeitet hat. Der Text ist nicht online, wir schreiben ihn hier mit eigenen Worten zusammenfassend nach.

"Die Angst ist groß"

19. April 2020. Der Spiegel interviewt eine Juristin und eine Psychologin von der im Mai 2018 gegründeten Vertrauensstelle für Betroffene von Machtmissbrauch und sexueller Belästigung im Kulturbereich Themis – Maren Lansink und Marina Fischer berichten nach einer Evaluation der bisherigen Fälle erstmals in der Öffentlichkeit von der Arbeit der Vertrauensstelle.

Eine Quote für neue Dramatik!

4. Oktober 2019. In der Theaterserie Spielplan-Änderung stellt die FAZ seit einiger Zeit vergessene Stücke vor. Nun melden sich an gleicher Stelle Verlegerinnen des Fischer Theaterverlags zu Wort und rufen zur Stär­kung der zeit­ge­nös­si­schen Dra­ma­tik auf. 

Phantome nicht nur der Oper

30. März 2020. Auf Deutschlandfunk Kultur berichtet Jörn Florian Fuchs von Streit über weiter andauernde Proben an der Bayerischen Staatsoper in München.

"Man muss dagegenhalten, bis sie einem die Fresse einschlagen"

19. September 2019. Peter Kümmel hat in der Wochenzeitung "Die Zeit" (19.9.2019) mit dem neuen Burgtheater-Chef Martin Kušej gesprochen, der sich auf feindliche Angriffe einstellt und mit dem schlimmsten rechnet.

Undeut(sch)lich

6. März 2020. Die Mitteldeutsche Zeitung (MZ) berichtet über einen Änderungsantrag der AfD-Landtagsfraktion zum Haushaltsplan 2020/2021 für Sachsen-Anhalt (hier hinter Paywall). Darin fordere die AfD, die Unterstützung der Theater in kommunaler Trägerschaft drastisch zu kürzen: um 18 Millionen Euro (in 2020) bzw. um 19 Millionen Euro (in 2021) gegenüber den von der Regierung vorgesehenen rund 38 Millionen Euro. Aus der Begründung des AfD-Antrags zitiert die MZ folgende Passagen: Die Spielpläne seien "politisch höchst einseitig orientiert", und weiter: "Insbesondere werden kaum deutsche Theaterstücke auf die Bühne gebracht."

Teilweise geständig

Wien, 22. August 2019. Bilanzvergehen, Untreue und Veruntreuung – das sind die Anklagepunkte, die ab dem 14. November am Wiener Landesgericht gegen die frühere kaufmännische Geschäftsführerin des Burgtheaters, Silvia Stantejsky, vorgebracht werden. Wie der Standard berichtet, drohen Stantejsky ein bis zehn Jahre Haft.

"Muss die Zukunft unserer Bühnen wirklich Milliarden kosten?"

24. Januar 2020. Diese Frage stellt ein einigermaßen entnervter Niklas Maak in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (24.1.2020) angesichts der hohen Kosten, die sowohl für den Neubau (809 bis 874 Millionen Euro) als auch für eine mögliche Sanierung (826 bis 918 Millionen Euro) von Oper und Schauspiel Frankfurt gestern bekannt gegeben wurden.

Unnötig intolerant

15. August 2019. Der japanische Schriftsteller Haruki Murakami besuchte für die Wochenzeitung "Die Zeit" (15.8.2019) die Bayreuther Festspiele und sah Richard Wagners Opern "Lohengrin" und "Die Meistersinger".

Ein Chor kündigt

16. Januar 2020. Die Wiener Tageszeitung Der Standard berichtet, dass die Chorist*innen aus der Inszenierung "Die Bakchen" (Regie: Ulrich Rasche) am Burgtheater Wien zum Ende der Spielzeit "allesamt ihre Verträge gekündigt" hätten und entweder nachverhandeln oder überhaupt nicht mehr spielen wollten. "Dem Standard wurde ein anonymes Schreiben übermittelt, in dem ein Chormitglied die prekären Bedingungen, unter denen man arbeitet, schildert. Mehrere Choristen haben die Angaben auch mündlich bestätigt und einen Vertrag vorgezeigt", heißt es in dem Artikel von Stefan Weiss.

Unmissverständlich bevormundend

3. August 2019. "Mit einem Dogma muss aufgeräumt werden: dass das Mitmachtheater fortschrittlicher sei als das Theater, das auf der Trennung von (professionellen) Schauspielern und Publikum insistiert, nicht anders als auf der Trennung von professionellen Ärzten und Patienten, die ja auch, bei allen Schwächen, einen Fortschritt bedeutet gegenüber der Hausmedizin früherer Jahrhunderte," schreibt Thomas Rothschild im Online-Magazin Kultura Extra.

Der Burgtheater-Prozess

17. November 2019. Vor dem Wiener Landgericht wurde am 14. November 2014 der Prozess gegen die einstige Geschäftsführerin des Wiener Burgtheaters Silvia Stantejsky eröffnet, "ein gerichtliches Nachspiel zur Tragödie, die die gesamte Kulturbranche erschüttert und wohl, ironischerweise, auch zum Besseren verändert hat", wie die Wiener Tageszeitung Der Standard am 9.11.2019 in der Woche vor Beginn des Prozesses schrieb, für den zunächst vier Verhandlungstage anberaumt wurden.

"Seit Jahren unterfinanziert"

4. Juli 2019. Nach dem Rücktritt von Christian Schwandt als geschäftsführendem Direktor des Theaters Lübeck aufgrund der mangelnden finanziellen Unterstützung seines Hauses durch das Land ist in Schleswig-Holstein eine Debatte um die Theaterfinanzierung in Gang gekommen.

Hinter der Kulisse? Wie in der Fabrik

2. November 2019. Von heftigen Konflikten zwischen Mitarbeitern und Intendanz am Staatstheater Wiesbaden berichtet heute der Wiesbadener Kurier (Artikel hinter der Paywall).

... das hat man bei keinem männlichen Kollegen getan

2. Juli 2019. Zwanzig Jahre lang inszenierte Andrea Breth regelmäßig am Wiener Burgtheater. Dessen neuer Intendant Martin Kusej hat die große Regisseurin nun ziemlich unelegant verabschiedet, in dem er Breth durch die aktuelle Intendantin einen entsprechenden Zweizeiler zukommen ließ. Nicht nur dazu hat Irene Bazinger Andrea Breth in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift Cicero befragt.