Medienschau: Berliner Zeitung – Joachim Meyerhoff im Interview
Fan der Überforderung
Fan der Überforderung
2. November 2024. In der Berliner Zeitung spricht der Schauspieler und Schriftsteller Joachim Meyerhoff über sein Verhältnis zu Berlin, den Theaterberuf, die schöne Gegenwelt des Schreibens – und das, was er eine "Lebenssehnsucht" nennt.
"Vieles, was ich gemacht habe, basiert auf diesem Mechanismus: sich an die Grenze heranspielen, sie überschreiten und den Theaterraum öffnen", so Meyerhoff im Gespräch mit Ulrich Seidler. "Das ist vielleicht auch für die Zuschauer der Moment, in dem viel mehr möglich scheint und er selbst beteiligt ist. Aber es kostet einen viel. Wirklich viel. Inzwischen fürchte ich diesen Moment auch. Ich bin mit meinen 57 Jahren nicht mehr so ganz uneingeschränkt ein Fan der Überforderung."
Meyerhoff, dessen neuester Roman aus seinem autofiktionalen "Alle Toten fliegen hoch"-Zyklus in der kommenden Woche erscheint, sieht das eigene Schreiben analog zum produktiven Kontrollverlust auf der Bühne: "Es scheint immer etwas sehr Persönliches und Besonderes zu sein, was man erlebt – und dann stellt sich schnell heraus, dass es etwas Alltägliches und Musterhaftes ist. Wenn es gelingt, das zu verschmelzen, gibt es – ähnlich einer Hormonausschüttung – eine Komikausschüttung. Oder auch eine Tragikausschüttung. Oder beides. Plötzlich lässt ein Ereignis seine Sporen los wie ein Bovist, auf den man tritt. Das ist befreiend. Das gefällt mir, wenn alles so rumfliegt."
(Berliner Zeitung / jeb)
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