Medienschau: Die Wochenzeitung – Wie das Theater überhitzten Diskursen widersteht
Raum für Ambivalenz
Raum für Ambivalenz
24. Mai 2024. "Warum gibt es im Theater nicht so viele eskalierende Nahostdiskussionen wie in der Musikszene oder in der Kunst?", fragt Tobi Müller in der Schweizer Wochenzeitung und hat am Beispiel einiger gerade beim Theatertreffen gelaufenen Inszenierungen einige Ideen, wie die Antwort lauten könnte. Zum Beispiel:
"Die geografische Beschränktheit des Theaters erweist sich nun als überraschend gute Voraussetzung für eine diskursive Öffnung. Weil der Radius der Debatte überschaubar bleibt, besteht auch weniger Druck, mit anderswo geführten Debatten gleichzuziehen."
In sozialen Medien tauge Theater nicht zum Kleinholz, mit dem man ohne Kenntnis ein Feuer entfachen kann. "Oder genauer: Man kann schon, aber die Hitze kühlt rasch ab", so Müller. "Theater verlangt mühsame körperliche Präsenz. Man muss raus aus der eigenen Wohnung, rein in die Bühnenhäuser und dort das grosse Holz hacken. Deutschkenntnisse sind von Vorteil, auch wenn es mittlerweile oft englische Übertitel gibt. Und meist braucht man Ausdauer."
Das Theater gebe der Ambivalenz von Worten, Gesten und Bildern Raum. Außerdem stärkt Müller zufolge auch der Kanon die Widerstandskraft des Theaters: "Alte Texte sperren sich bei klugen Regisseur:innen gegen eindeutige Bearbeitungen, Lesarten, Vereinfachungen. Texte sind tot, man kann alles mit ihnen machen. Aber wer nicht mit ihnen in den Dialog tritt, langweilt." In krisenhaften Diskurslagen wie der zu Nahost erweise sich das nun als Vorteil.
(Die Wochenzeitung / sd)
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