Medienschau: FAZ – Erste Folgen der Berliner Sparpolitik

Immer noch arm, aber nicht mehr sexy

Immer noch arm, aber nicht mehr sexy

8. Januar 2024. In der FAZ schreibt Simon Strauß über erste Niederschläge der Berliner Kultursparpolitik. So habe die Komische Oper einen potenziellen Kassenschlager gestrichen, da das Geld nach den Budgetkürzungen für die Produktion nicht mehr reicht.

Wie Strauß im Gespräch mit anderen Theatern erfuhr, werden weitere Absagen folgen. "Konkret will gerade niemand werden, aber man sieht den jetzt veröffentlichten Spielplänen etwa des Deutschen Theaters die Mangelwirtschaft schon deutlich an. Dass ein Haus wie die Volksbühne, die offenbar als einzige größere Berliner Kulturinstitution bei den Nachverhandlungen keinen Sparnachlass erreicht hat, überhaupt den Betrieb aufrechterhalten kann, scheint zweifelhaft. Vielleicht müssen die Theater der Hauptstadt bald wirklich neue Einnahmequellen für sich entdecken – am Ende gibt es noch kostenpflichtige Fahrten in Mutter Courages Planwagen auf dem neuen Helene-Weigel-Platz." 

(FAZ / sle)

Kommentare  
Medienschau Sparpolitik: Unsinn
Wie kann man dem DT-Spielplan die Mangelwirtschaft ansehen, wenn doch die Premieren für die nächste Saison noch gar nicht veröffentlicht sind? Es ist im Gegenteil so, dass der DT-Spielplan trotz der bisherigen üppigen finanziellen Ausstattung so aussieht, wie er aussieht. Und selbst wenn in der kommenden Spielzeit zwei Premieren weniger drauf stehen würden, ist das Wort "Mangelwirtschaft" für ein durchschnittliches Angebot dieser Größe abwegig.
Medienschau Sparpolitik: Bürgerkultur
#1 ist zuzustimmen!
Aber der Unsinn in diesem Artikel des FAZ-Theaterkritikers betrifft alle Details darin gleichermaßen: Ist es wirklich so schlimm, wenn ein Kassenschlager weniger im Programm der "Komischen Oper" steht? Wem fehlt der? Und können diese Leute nicht überall sonst genug finden, um ihre Suche nach kulturindustriellem Vergnügen zu befriedigen? Und dass die Volksbühne zwei Millionen weniger bekommt: Ja, das ist bitter, aber ist es wirklich das Ende ihres Betriebs? Müsste man, wenn es so wäre, nicht einmal fragen, wo die Phantasie dieses Theaters geblieben ist, mit dem vorhandenen Geld das Bestmögliche zu machen? Zumal, wo man annehmen darf, dass der oder die neue Intendant*in darüber mit dem Senator noch einmal wird verhandeln können. - Nein, das ist alles Geheul am falschen Ort. Tatsächlich trifft es die freie Szene und die Randzonen der Kultur sehr hart in Berlin. Und da werden ganze Existenzen infrage gestellt, über lange Jahre prekär entwickelte Theatersprachen, die Kulturszene von morgen, die Kunst derer, die noch nicht in der Stadttheater-Bubble angekommen sind. Aber das ist dieser (hintervor-)letzten Stimme der Bürgerkultur natürlich egal.
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