Medienschau: Monopol – Holzinger zur "SANCTA"-Skandalisierung

"Sie sind der Teufel"

"Sie sind der Teufel"

20. Oktober 2024. Im Interview mit dem Magazin Monopol äußert sich die Choreografin und Regisseurin Florentina Holzinger jetzt selbst zur Skandalisierung ihrer Inszenierung "SANCTA", die nach der Premiere am Mecklenburgischen Staatstheater Schwerin derzeit an der koproduzierenden Oper Stuttgart für Aufsehen sorgt.

Zuvor hatten bereits verschiedene Medien über Hasskommentare und Gewaltdrohungen berichtet, denen sich Florentina Holzinger und ihr Team im Zuge der Aufführung ausgesetzt sehen. Zudem ist die Rede von überdurchschnittlich vielen Zuschauerinnen und Zuschauern, die angesichts des Blutes und der Piercingvorgänge, die in "SANCTA" zu sehen sind, theaterärztlich betreut werden müssten.

"Sie sind der Teufel", "Häretikerin", "Sie bringen den Teufel auf die Bühne", "Satanistin": Ihr Instagram sei "voll von Inquisitionsrhetorik", sagt Holzinger im Gespräch mit der Monopol-Autorin Saskia Trebing und erklärt: "Lustigerweise spiegelt sich hier genau das 103 Jahre alte Libretto unserer Oper wider. Der Charakter der Susanna wird in dem Moment in den Augen der anderen zur 'Satana', in dem sie sich sexuell selbstbestimmt. Hier geht es also um eine sehr klassische Verteufelung von weiblicher Sexualität."

(Monopol / cwa)

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Medienschau Holzinger-Skandal: Für Spießer reicht es
Florentina Holzinger ist eine Meisterin der Selbstvermarktung. Ein paar (unbegründete) Aufreger sind noch kein Skandal. Wer wissen will, wo dieses Wort passt, lese die Geschichte von Arthur Schnitzlers "Reigen", von Thomas Bernhards "Heldenplatz" oder von Edward Bonds "Saved" nach. Dagegen ist "Sancta" ein Weihespiel. Und Holzingers Rechnung geht auf. Ihre skatenden Nonnen sind weniger provokant als jede Einstellung in einem Film von Luis Bunuel. Aber für die Spießer reicht dieses Passionsspiel im trügerischen Gewand der Religionskritik. Als wäre die offene Wunde nicht durch die Bibel vorgegeben.
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