Medienschau: Süddeutsche Zeitung – Umstrittene Neubesetzung bei La Fenice
Roter Teppich im Sonnenuntergang
Roter Teppich im Sonnenuntergang
24. Oktober 2025. Kürzlich wurde bekannt, dass die weltbekannte Oper in Venedig "La Fenice" eine neue Leitung erhält: die Dirigentin und Komponistin Beatrice Venezi, 35 Jahre alt. Seitdem reißen die Proteste nicht ab, vor ein paar Tagen streikten die Musiker, Abonnent*innen drohen mit Kündigung
Veneci fehle die Erfahrung für eine solche Position. Einzige Qualifikation sei ihre Nähe zu Premierminsterin Giorgia Meloni, so die Kritik. In der SZ auf Seite drei befasst sich Elisa Britzelmeier (in der Ausgabe vom 23. 10. 2025) mit der Causa. Venezi, auch da stehe sie Meloni ganz nah, "möchte mit dem männlichen Titel gerufen werden, also direttore d’orchestra, auf keinen Fall Dirigentin, direttrice. Schließlich sei das der "präzise Name“ ihres Berufs, so Britzelmeier. "Auf ihrem Instagram-Account, in den offensichtlich viel Arbeit fließt, tritt sie auf wie ein Model, man sieht sie da auf dem roten Teppich, im Abendkleid, beim Sonnenuntergang. Dann hält sie mal wieder einen Taktstock. Viele kennen sie aus dem Fernsehen, sie hat ein Haarpflegeprodukt beworben und stand beim Popfestival von Sanremo als Co-Moderatorin auf der Bühne."
Beatrice Venezi könne natürlich dirigieren. "Die Frage ist nur, auf welchem Niveau. Sie hat am Konservatorium in Mailand studiert, hat in Buenos Aires dirigiert und in Bangkok, aber nicht in Berlin oder Wien, nicht an der Scala oder am Concertgebouw. Sie hat nie eines der großen, renommierten Orchester der Welt geleitet. Aber genau auf die komme es an, sagen ihre Kritiker." Und jetzt rumore es in Italien, in Venedig, im La Fenice. Der Vorwurf sei, "dass Venezis Nominierung nur ein Fall von vielen sei unter der Regierung Meloni. Eines der Steinchen, die am Ende das große Mosaik einer anderen, deutlich rechteren Kulturwelt ergeben sollen. In der alle wichtigen Posten mit regierungsnahen Leuten besetzt sind."
Was die ganze Sache kompliziert mache, ist aus Sicht von Elisa Britzelmeier die Tatsache, "dass es hier um eine Frau in einer Führungsposition geht, noch dazu eine Frau unter vierzig."
(SZ / sle)
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