Medienschau: Zeit – Recherche zur Berliner Sparpolitik

Zu wenig Kraft für einen Luther-Auftritt?

Zu wenig Kraft für einen Luther-Auftritt?

14. November 2024. In einem großen Text für die "Zeit" schaut sich Peter Kümmel die drohenden Berliner Sparauflagen an und spricht mit vielen Akteuren der Kulturszene.

Kultursenator Joe Chialo stand ihm für ein Gespräch nicht zur Verfügung, merkt Kümmel an, "trotz frühzeitiger Anfrage unsererseits", "der Kultursenator hat einfach zu viel zu tun".

Kümmel spricht mit den Berliner Theaterleiter*innen von Gorki (Shermin Langhoff), Schaubühne (Thomas Ostermeier) und Berliner Ensemble (Oliver Reese), von denen Thomas Ostermeier die steilsten Einlassungen hat und statt einer Sparpolitik eine "mutige Stadtpolitik" fordert: nämlich durch Aufstockung des Kulturetats: "Berlin gibt 2,5 Prozent des Haushalts für Kultur aus. Für eine Stadt, die sich als eine der großen Kulturmetropolen der Welt begreift, ist das nach wie vor beschämend wenig."

Vom Hamburger Kultursenator Carsten Brosda, der zugleich Präsident des Deutschen Bühnenverein ist, holt sich Kümmel den Außenblick auf die Planlosigkeit der Berliner Sparpolitik: "Dieses kurzsichtige Sparen mit großer Geste funktioniert am Ende des Tages nie. Man muss schauen, wie man durch strukturelle Veränderungen zu Einsparungen kommt", zitiert Kümmel Brosda und fügt als Nebenbemerkung an, dass der Hamburger Kulturetat im nächsten Jahr um 11 Prozent ansteige.

Viele Berliner Akteure wollten sich gegenüber dem Zeit-Autor nicht namentlich zu ihrer Einschätzung des Kultursenators bekennen, aber Kümmel gibt den Tenor seiner Gespräche wieder. Viele sähen Chialo auf dem Absprung ins Bundesamt (er gilt als wahrscheinlicher Kulturstaatsminister in einer Regierung von Friedrich Merz) und in Berlin als "schwacher Senator ohne Netzwerk", als "unerfahren, planlos und schwer lesbar".

Einzig der Schauspieler Ulrich Matthes (Ensemblemitglied am Deutschen Theater Berlin) äußert sich länger und ohne Scheu: "Ich mag Chialo, das ist ein sehr begabter Kommunikator, er schafft es, sofort eine Art von sympathischer lustiger Grundstimmung herzustellen. Ich bin mir aber nicht so ganz sicher, ob er sich wirklich mit dem gebotenen Maß an Verzweiflung und Leidenschaft martin-lutheresk vor seine Mitparlamentarier schmeißt und sagt: Hier liege ich und rühre mich nicht vom Fleck, bis ihr das zurücknehmt", sagt Ulrich Matthes. Ausführlich nachzulesen auf zeit.de.

(zeit.de / chr)

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