Presseschau vom 11. Januar 2013 – Regisseur Ulli Lommel im Interview mit der Berliner Zeitung
Gesetze durchbrechen
Gesetze durchbrechen
11. Januar 2013. Angesichts seiner Inszenierung von Fucking Liberty!, die in der nächsten Woche an der Berliner Volksbühne Premiere hat, spricht der Schauspieler, Regisseur, Drehbuchautor und Filmproduzent Ulli Lommel im Interview mit Ulrich Seidler in der Frankfurter Rundschau/Berliner Zeitung über Freiheit, die er vor allem in der Kunst fand.
Eine seiner ersten Erinnerungen spiele als Kind in Zehlendorf, als ein Amerikaner aus einem Riesenpanzer stieg und ihm ein Kaugummi gab, "ich dachte, der wäre Schauspieler, Entertainer. Im spießigen Nachkriegsdeutschland war das, als hätte jemand deine Zellentür aufgemacht." Er sei dann quasi auf Tournee aufgewachsen. "Ich lebte im Theater. Das Privatleben selber erschien mir wie ein endloser Raum, in dem man sich leicht verliert. Diese Unendlichkeit machte mir Angst. Film und Theater ermöglichen einem, dass man sich aussuchen kann, was man lebt. Da haben Szenen Anfang, Mitte und Ende. Da hat man Orientierung. Weil ich von Anfang an in dieser Kunstwelt aufgewachsen bin, habe ich mich im Privatleben nicht so richtig wohl gefühlt. Privatleben habe ich versucht zu vermeiden", so Lommel.
Lommel hat viele Horror-Filme gedreht. Auf die Frage, ob selber ein Verbrecher wäre, wenn er kein Künstler geworden wäre, antwortet er: "Vermutlich. Weil ich mich nicht an Gesetze halten würde. Gesetze interessieren mich nicht. Ich würde das Gesetz auch nicht benutzen, um jemanden zu strafen. Wenn mir jemand ein Leid antut, würde ich nicht die Polizei anrufen, um denjenigen bestrafen zu lassen. Das finde ich total schwachsinnig. Und es gibt eine Menge Leute, die mir ein Leid angetan haben. Genauso blöd finde ich es, wenn das jemand bei mir macht. Die Freiheit, das zu tun, was ich will, mit wem ich will, die gehört mir."
mehr medienschauen
meldungen >
- 17. April 2026 Kunststiftung Sachsen-Anhalt warnt vor nationalistischer Kulturpolitik
- 16. April 2026 Göttingen: Schauspielerin Thyra Uhde gestorben
- 16. April 2026 Salzburg: Ex-Festspielpräsident Heinrich Wiesmüller gestorben
- 16. April 2026 Konstanz: Intendantin Karin Becker verlängert
- 15. April 2026 Preisjurys der Mülheimer Theatertage 2026
- 13. April 2026 Chemnitz: Theater wehrt sich gegen Abschaffungspläne





neueste kommentare >