Presseschau vom 14. Dezember 2012 – Die "Welt" porträtiert den Dramatiker Moritz Rinke
Traumhüter
Traumhüter
14. Dezember 2012. Moritz Rinke hat nach sieben Jahren wieder ein Stück geschrieben, das heute Abend in Frankfurt uraufgeführt wird. In der Welt porträtiert Matthias Heine den Dramatiker.
"Vom Torhüter zum Traumhüter!" ist Heines Text überschrieben, in dem es aber erstmal nicht um Fußball, sondern um deutsche Klassik gehe, denn zu Rinke gebe es einen Eintrag im Handbuch "Daten deutscher Dichtung". Dazu jüngst auch ein Arbeitsheft mit Texten über ihn, auch über die Anfangszeit als er fürs Deutsche Theater Berlin den Text "Der graue Engel" schrieb, den Inge Keller dann nicht spielen wollte. Vielleicht auch, so mutmaßte der damalige DT-Chefdramaturg Michael Eberth, weil "alles, was er schrieb, sich leicht, ja geradezu schwebend" ausnahm, was kurz nach der Wende nicht ging, weil in der DDR das dramatische Gewerbe eine Schwerindustrie gewesen war.
Drei von den sieben Jahren Bühnenpause habe Rinke mit dem Verfassen eines Romans verbracht. Das sei eine bewusste Auszeit vom Theater gewesen. Die Uraufführung seines letzten Stückes "Café Umberto" 2005 in Bochum bescherte ihm eine traumatische Erfahrung. "Die Hauptdarstellerin hatte sich gerade vom Hauptdarsteller getrennt und beide führten ihre Psychokriege auf der Probebühne fort. Dann wurde Rinke bei der Premiere auch noch von Mitgliedern von 'Attac', einer damals sehr berühmten kapitalismuskritischen Protestbewegung, mit Gegenständen beworfen, weil diese das Gefühl hatten, er hätte sie und ihre Sache in den Schmutz der Komik gezogen."
In seinem neuen Stück "Wir lieben und wissen nichts" lernen sich zwei Paare bei einem Wohnungstausch kennen. Es gehe um heutige Beziehungsfantasterei, aber in Richtung Koitus zu schreiben, das sei dann doch nicht sein Thema, sondern eher die sympathisch Impotenten, die am Ende verlassen in der Wohnung sitzen, keineswegs pessimistisch, sondern "'im Zeitnest des Traumvogels', wie Walter Benjamin das genannt hat, einem Ort, wo man nicht von sexuellen, gesellschaftlichen und ökonomischen Erwartungen erdrückt wird".
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