Presseschau vom 24. August 2012 – Die Dumont-Feuilletons über die miserable Bezahlung von Kleindarstellern
Keine miserabel bezahlte Arbeit sondern Hobby
Keine miserabel bezahlte Arbeit sondern Hobby
24. August 2012. Der Kleindarsteller ist auch ein Darsteller. Bloß wird er als solcher nicht bezahlt. In den Dumont-Blättern Frankfurter Rundschau / Berliner Zeitung geht Birgit Walter heute der ungerechten Behandlung und Bezahlung von Kleindarstellern nach.
In der Komischen Oper Berlin, deren Kleindarsteller mit ihrer Gagen-Misere Anfang Juli an die Öffentlichkeit gingen, heiße ein Stundenlohn von 6 Euro "nicht Stundenlohn, sondern Aufwandsentschädigung. Das ist eine kreative Sicht, denn in dieser Lesart ist es auch keine miserabel bezahlte Arbeit, sondern ein Hobby."
Walter hat über die Problematik mit Sabine Schöneburg von der Gewerkschaft Verdi gesprochen. Von der Gewerkschafterin wollte Walter u.a. wissen, ob Verdi nur für feste Mitarbeiter da sei, oder sich auch für die Vertretung der Interessen von Freiberuflern verantwortlich fühle. Schöneburg: "Wir vertreten auch Freiberufler. Wenn sie bei uns Mitglied sind." Das Problem der Kleindarsteller in der Komischen Oper sei im Gegensatz zu anderen Bühnen ein besonderes, weil dort, so Schöneburg, an Kleindarsteller oft hohe Ansprüche gestellt würden: "sie müssen vielseitig sein, singen, tanzen, performen können, sind oft gut ausgebildet, was mit der Tradition des Hauses zu tun hat."
Bisher gebe es noch keine einheitlichen Regeln, "Tarifverträge gelten bislang nur beim Film. Aber man merkt natürlich die unterschiedliche Wertschätzung für den Künstler. Ich kann Ihnen sagen, was Verdi für Techniker im Bühneneinsatz ausgehandelt hat: Gehen sie in Arbeitssachen auf die Bühne, bekommen sie 5,78 Euro, in Kostüm und Maske 17,35 Euro – zusätzlich zum Gehalt. Klar nimmt die Oper lieber Künstler für 6 Euro, billiger als Wachschützer und Kartenabreißer."
Von Streik rät die Gewerkschafterin erst mal ab. "Das ist kein guter Weg. Die Kleindarsteller haben den ersten Schritt getan und ihr Anliegen öffentlich gemacht. Sie wollen ja nicht zum Ensemble gehören, nur anständig behandelt werden. Und sie hoffen auf den neuen Intendanten."
(sle)
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