Presseschau vom 8. Dezember 2011 − Die FAZ war in Vorpommern und keiner war mehr da
Elche
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8. Dezember 2011. Jan Brachmann sieht in die Zukunft. In der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (8.12.2011). Bald, denkt er, gehen nur mehr Elche ins Theater von Greifswald oder in das von Stralsund. Der Weihnachtsmann wird dann auch mit dem Schaufelträger kommen und die Vorpommern sind alle abgewandert.
Eigentlich, findet Brachmann wohl insgeheim, bräuchte es für Elche gar kein Theater. Für die Vorpommern, die einstweilen noch da sind, bräuchte es schon ein Theater. Nur wissen sie das nicht. Weshalb sie nicht in die Premiere des "Eugen Onegin" kamen, die gerade in Greifswald stattfand. Das Theater war nur zu zwei Dritteln gefüllt.
Dabei sangen die Sänger, die aus Kostengründen auf weitgehend leerer Bühne ohne Kostüme agierten, nach Brachmann wohl mehr als passabel. Man konnte etwa Anette Gerhardt erleben, "im Jahr 2009 unter den Nominierten für die beste Sängerin bei der Fachzeitschrift 'Opernwelt' ". Sie habe der Tatjana "stimmlich mehr dramatische als lyrische Züge" gegeben. "Aber ihr Spiel war von besonderer Feinheit: Das Loblied des Monsieur Triquet nahm sie mit stummer Scham auf, ließ zugleich aber auch Mitleid mit dieser lächerlichen Figur erkennen." Auch Bernhard Leube als Fürst Gremin wusste Eindruck zu machen und das Philharmonische Orchester Vorpommern sowie der Opernchor beförderten im Zusammenspiel "mit dem sensiblen Zeitgefühl des Dirigenten Karl Prokopetz die lyrische Verdichtung dieser Aufführung".
Aber ob Elche solche Feinheiten wirklich auffassen können? Die Bundesbahn glaubt es nicht. Deshalb lässt sie täglich nur noch drei schnelle Züge nach Nordosten fahren.
(jnm)
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