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Bertolt-Brecht-Preis an Emine Sevgi Özdamar

Emine Sevgi Özdamar © Fabian Schreyer

10. November 2025. Die Schriftstellerin, Theaterregisseurin und Schauspielerin Emine Sevgi Özdamar erhält den mit 15.000 Euro dotierten Bertolt-Brecht-Preis 2026 der Stadt Augsburg. Das teilt das Brechtfestival der Stadt mit, im Rahmen dessen der Preis am 10. Februar 2026 verliehen wird. 

Emine Sevgi Özdamar, geboren 1946 in Malatya, Türkei, zählt zu den prägendsten Stimmen der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur. In Istanbul und Bursa aufgewachsen, entdeckte sie früh ihre Leidenschaft für das Theater und stand bereits mit zwölf Jahren auf der Bühne. In den 1960er-Jahren kam sie als Gastarbeiterin nach Berlin, lernte Deutsch und absolvierte anschließend eine Schauspielausbildung in der Türkei. Nach dem Militärputsch kehrte sie nach Deutschland zurück, arbeitete u. a. mit Benno Besson, Matthias Langhoff, Ruth Berghaus, Claus Peymann, am Berliner Ensemble sowie in Wien, München und Paris. Ab den 1990er-Jahren etablierte sie sich als herausragende literarische Stimme und erhielt viele renommierte Preise, unter anderem 2022 den Georg-Büchner-Preis und jüngst im Oktober 2025 einen Bundesverdienstorden.

Ihre literarischen Werke wurden auch im Theater inszeniert, 2024 brachte Nuran David Calis in Köln Ein von Schatten begrenzter Raum auf die Bühne, 2025 inszenierte Tanju Girişken in Osnabrück Die Brücke vom Goldenen Horn und Ersan Mondtag gründete seine Arbeit Das rote Haus am Maxim Gorki Theater Berlin auf Texten von Özdamar.

Die Jury des Bertolt-Brecht-Preises 2026 erklärt in der Pressemitteilung: "Bereits mit ihrem ersten Erzählband, Mutterzunge (1990), hat die Autorin und Theatermacherin Emine Sevgi Özdamar eine eigene Sprache von seltener Schönheit in die deutsche Literatur eingeführt: opulent und lautmalerisch, belebt vom Erbe einer oralen Tradition. Ihre Theaterstücke, wie Karagöz in Alamania (1982), gehören zu den ersten Werken postmigrantischer Literatur im deutschsprachigen Theaterkosmos. Auch die Prosa der gelernten Schauspielerin überzeugt durch ihre theatralische Struktur und wird als Stoff für die Bühne dramatisiert. In ihrer großen Romantrilogie – Das Leben ist eine Karawanserei (1992), Die Brücke vom Goldenen Horn (1998) und Seltsame Sterne starren zur Erde (2003) – sowie zuletzt in Ein von Schatten begrenzter Raum (2022) (hier die Buchkritik) entfaltet und verfremdet sie ihren Lebensweg von der Türkei durch Deutschland Ost und West, auf der Suche nach etwas, das über die eigene Identität hinausweist. In der Kollision zwischen Welten, Sprachen und politischen Systemen decken diese vielstimmigen, abgründigen Märchen, die Spuren von Marginalisierung, staatlicher Gewalt und menschlicher Hoffnung auf."

Der Jury gehörten an: Jürgen K. Enninger, Referent für Kultur, Welterbe und Sport, Yvonne Büdenhölzer, Leiterin Suhrkamp Theater Verlag, Anja Dirks, Schauspieldirektorin und Geschäftsführende Dramaturgin Theater Basel, Prof. Dr. Jürgen Hillesheim, Leiter Brecht-Forschungsstätte Augsburg, Hubert Spiegel, Deutschland-Korrespondent im Feuilleton, Frankfurter Allgemeine Zeitung, Dr. Karl-Georg Pfändtner, Leiter der Staats- und Stadtbibliothek Augsburg, Noah Willumsen, Leiter des Brechtarchivs Berlin, Vertretung der Brecht-Erbinnen, Dr. Uwe Wittstock, Literaturkritiker, Autor und Journalist.

Der Bertolt-Brecht-Preis wird seit 1995 vergeben, die Verleihung erfolgt alle zwei bis drei Jahre. Bisherige Preisträgerinnen und Preisträger des Bertolt-Brecht-Preises sind Franz Xaver Kroetz (1995), Robert Gernhardt (1998), Urs Widmer (2001), Christoph Ransmayr (2004), Dea Loher (2006), Albert Ostermaier (2010), Ingo Schulze (2013), Silke Scheuermann (2016), Nino Haratischwili (2018), Sibylle Berg (2020), Lutz Seiler (2023).

(Brechtfestival Augsburg / sd)

 

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