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Friedenspreis des Deutschen Buchhandels für Karl Schlögel
29. Juli 2025. Der Historiker und Essayist Karl Schlögel erhält den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels 2025. Das teilt der Börsenverein des Deutschen Buchhandels mit, der den Preis seit 1950 vergibt.
In seinem Werk verbinde Schlögel "empirische Geschichtsschreibung mit persönlichen Erfahrungen". Als Wissenschaftler und Flaneur, als Archäologe der Moderne, als Seismograph gesellschaftlicher Veränderungen habe er schon vor dem Fall des Eisernen Vorhangs Städte und Landschaften Mittel- und Osteuropas erkundet, so die Begründung des Stiftungsrats für die Preisentscheidung. Nach der Annexion der Krim durch Russland habe Schlögel "seinen und unseren Blick auf die Ukraine geschärft und sich aufrichtig mit den blinden Flecken der deutschen Wahrnehmung auseinandergesetzt". "Seine Mahnung an uns: Ohne eine freie Ukraine kann es keinen Frieden in Europa geben."
Karl Schlögel wurde 1948 in Hawangen im bayerischen Allgäu in eine Bauernfamilie geboren. Bereits 1966 reist er erstmals in die damalige Sowjetunion. Nach Internat und Zivildienst begann Schlögel 1969 an der Freien Universität Berlin ein Studium der osteuropäischen Geschichte, Philosophie, Soziologie und Slawistik. Nach dem Ende der Studentenbewegung war er zeitweise in der maoistischen KPD aktiv. 1981 promoviert er an der FU mit einer Dissertation über Arbeiterkonflikte in der Sowjetunion. Von 1990 bis 1994 war Schlögel Professor für Osteuropäische Geschichte an der Universität Konstanz, von 1994 bis zu seiner Emeritierung im Jahr 2013 an der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt (Oder). Dort baute er den Lehrstuhl maßgeblich mit auf und prägt die Beschäftigung mit Osteuropa als interdisziplinäres und kulturgeschichtlich orientiertes Fach. Für seine Arbeit wurde Karl Schlögel vielfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Hamburger Lessingpreis, dem Bundeverdienstkreuz und dem Orden Pour le Merité für Wissenschaften und Künste.
Der Friedenpreis des Deutschen Buchhandels zählt zu den wichtigsten deutschen Kulturpreisen und ist mit 25.000 Euro dotiert. Unter den Preisträger*innen früherer Jahre sind Anne Applebaum, Salman Rushdie, Zerhij Zhadan, Margret Atwood, Carolin Emcke, Navid Kermani, Saul Friedländer und Orhan Pamuk. Die diesjährige Preisverleihung findet am 19. Oktober 2025 in der Frankfurter Paulskirche statt.
(Börsenverein / sle)
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