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Kulturetat Berlin: Weniger Kürzungen für große Theater

6. Dezember 2024. Nach den Protesten aus der Kulturszene hat Berlins Senat in der Liste zu den vorgesehenen Kürzungen des Kulturetats eine Umschichtung vorgenommen, die den großen Theatern zugute kommt. Das meldet der Rundfunk Berlin-Brandenburg, dem die neue Streichliste der Kulturpolitiker*innen von Berlins Koalitionsparteien CDU und SPD vorliegt.

Wegfallen sollen unter anderem die Sparvorgaben für die Kinder- und Jugendtheater. So sind für das Grips-Theater und das Theater an der Parkaue keine Kürzungen mehr vorgesehen. Zuvor waren das Grips mit 300.000 Euro und das Junge Staatstheater mit 800.000 Euro weniger an Landes-Förderung in der Liste vermerkt. Das HAU Hebbel am Ufer, das parallel von Kürzungen der Bundesmittel für das Bündnis internationaler Produktionshäuser betroffen ist, muss nun statt 750.000 Euro nichts mehr zu Berlins Haushalts-Konsolidierung beitragen.

Auch große Häuser wie das Berliner Ensemble, das Deutsche Theater oder die Schaubühne müssen wohl weniger sparen als noch Mitte November angekündigt. Die vorgesehenen Kürzungen für das Deutsche Theater sollen von ursprünglich drei Millionen Euro auf 1,588 Millionen Euro abgesenkt werden. Die Schaubühne steht mit noch einer Million statt 1,8 Millionen Euro in der neuen Streichliste, das Berliner Ensemble mit einer Million statt 1,75 Millionen Euro weniger an Landesmitteln. Was die Einsparungen für ihre Institution und das Programm bedeuten würden, hatten die Theater in den letzten Wochen öffentlich dargelegt.

Andere Kulturinstitutionen wie die Zentral- und Landesbibliothek oder die Rundfunkorchester und Chöre sind laut RBB ebenfalls mit weniger hohen Kürzungssummen konfrontiert. Da sich der Rahmen der Gesamtkürzungen in der Kultur von 130 Millionen Euro nicht verändern dürfe, müssten die Kulturfachpolitiker die Entlastungen allerdings innerhalb des Etats gegenfinanzieren. Dafür werde vor allem der Haushaltstitel für den Ausbau von Arbeitsräumen für Künstler*innen "radikal reduziert". Statt vorgesehener Mittel von 21,35 Millionen Euro plane die Regierung nur noch 3,225 Millionen Euro dafür ein; dieser Haushaltstitel sei in der Vergangenheit  nur zu einem Bruchteil ausgeschöpft worden, begründen die Kulturpolitiker von CDU und SPD die Änderung. Der von der Abwicklung bedrohte Träger des Arbeitsraumprogramms hat gestern allerdings in einer Pressemitteilung auf wahrscheinliche Regressforderungen hingewiesen, sollten kurzfristig Räume gekündigt werden. Diese könnten sich laut Kulturraum Berlin gGmbH auf die Höhe der gesamten Einsparungen in der Kultur belaufen.

Heute Abend sollen die von den Fachpolitikern abgestimmten Änderungen nach RBB-Informationen mit allen anderen Ressortlisten in einer schwarz-roten Spitzenrunde besprochen werden. Nächste Woche wird die finale Kürzungsliste im parlamentarischen Hauptausschuss debattiert und am 19. Dezember 2024 mit dem Nachtragshaushalt vom Abgeordnetenhaus beschlossen.

(RBB / eph)

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Kommentare  
Kulturetat Berlin: Volksbühne?
Weiß man schon etwas über die Volksbühne? Die ist hier nicht erwähnt.
Kulturetat Berlin: Lebenszeichen Volksbühne?
Die Volksbühne wird in dieser Liste nicht erwähnt, also soll es wohl bei den Minus-2 Millionen Euro (von 20 Mio.) bleiben. Vielleicht auch das wieder Unvermögen oder Vergesslichkeit geschuldet? Oder soll in der kommenden Spielzeit en suite nur der von Norwegen finanzierte Vinge-"Peer Gynt" gespielt werden?
Will man noch irgendeine Aussage des Senats ernst nehmen: Eine Äußerung von Chialo gestern wurde so interpretiert, dass dieser sich auch einen Verzicht auf das Interims-Intendanz-Modell vorstellen könnte, nachdem Vinge/Müller abgesagt haben. Inwieweit aber ab 2026 ein kaputtgespartes, ausschließlich von Florentina Holzinger-Gastspielen wie "Sancta" aus Schwerin bespieltes Haus noch irgendeinen Ausgangspunkt für eine künstlerisch und institutionell ambitionierte Intendanz bieten soll, bleibt ein Senatsgeheimnis. Vielleicht ist das Vorbild für die Volksbühne die jeglichen Lebens entkernte Piscator-Bühne am Nollendorfplatz. Der Club "Goya" darin hat sich nicht lange gehalten - Clubs und das "Berghain" aber sind ja wohlgelitten bei Chialo. Mal ohne Zynismus gesprochen: Es ist mir unbegreiflich, wie es so erbarmungslos still um die Volksbühne sein kann. Der Senat ist nicht gewillt, kultur-, sozial- und erinnerungspolitische Verantwortung zu übernehmen. Bei der Komischen Oper bleiben für die Sanierung weiterhin 10 Mio. im Haushalt gestrichen - und Barry Kosky hat mit Recht auf die Bedeutung des Hauses auch im Hinblick auf eine anti-nationalsozialistische Tradition hingewiesen. Polleschs "Schnittchenkauf", ein Marthaler-Abend und ein Vinge-Peer-Gynt dürfen nicht die letzten Lebenszeichen des Hauses sein. Schon gar nicht in dieser Zeit, wo die AfD Alice Weidel ungeniert zur Kanzlerkandidatin küren kann.
Kulturetat Berlin: Streitraum Schaubühne
Sich andauernd ernsthaft mit der "Kulturpolitik" dieses Senats und des Kultursenators auseinanderzusetzen, ist eine Zumutung. Jens Hillje, Menekse Wenzler und Carolin Emcke konnten lediglich den Blick auf das Phänomen "Hinterzimmerpolitik" schärfen: Zur Geheimhaltung verpflichtete Mitarbeiter*innen der Kulturverwaltung versuchen pantomimisch und nicht justiziabel den unmittelbar Betroffenen zu signalisieren, dass sie zur Geheimhaltung verpflichtet sind, aber gar nicht wissen, was sie überhaupt geheim halten sollen. Joe Chialo wiederum hat ja - bis heute geheime - Sparvorschläge an den Finanzsenator geschickt, herausgekommen ist dann, nach reiflicher Überlegung der Fraktionsspitzen, jene in Liste I präsentierte Rasenmäher-Methode. Weder Liste I noch Liste II sind in irgendeiner Weise belastbare Informationen - Chialo äußert sich auch heute nicht dazu und verweigert auch heute jedes Bekenntnis zu einem Kampf für extrem relevante Kultureinrichtungen und -projekte. Es heißt einfach: Ihm vertrauen und dann, am 19. Dezember 2024 wird man ja sehen, welche Jobs und Projekte es gut 14 Tage später noch geben wird.
Kulturetat Berlin: Streitraum Schaubühne 2
Joe Chialo hat sich einiger zynischer Topoi bedient, die sich so, nur leicht zugespitzt, zusammenfassen lassen (vgl. Barbara Behrendt am 8.12. in Fazit/Deutschlandfunk Kultur): Ja, alles nicht schön, aber eh unvermeidlich - ich kann da auch nichts machen und schon gar nicht benennen, dass ich nichts mache, weil der Markt (vulgo "der Senat") alles regelt. Die "Wirtschaftskrise" lässt überhaupt nichts anderes zu als Kürzungen in katastrophalem Ausmaß - eine solche katastrophale Dimension ist der katastrophalen Lage "der Wirtschaft" adäquat. Übrigens wird es 2026 f. noch schlimmer, also regt euch nicht auf: Denkt an die Clubs, an die hier auf dem Podium sonst keiner denkt, und an das "Berghain", das Frau Wenzler hier völlig falsch zitiert hat, vom „Berghain“ habe ich nie gesprochen, aber das "Berghain", denkt daran, das ist die Kultur, die wir brauchen.
Später der Einwurf Thomas Ostermeier aus dem Zuschauerraum: Klassismus, Édouard Louis, verhandeln wir auf der Bühne, spielen Sie nicht à la Wegner "die Kassiererin im Supermarkt" gegen eine als elitär diffamierte Kultur aus. Chialo daraufhin, in nur leicht zugespitzter Weise zusammengefasst: Jaja, aber wir brauchen eine Kultur der Hoffnung, wie in Tansania, den Menschen dort geht es im Verhältnis zu euch hier unvorstellbar schlecht, aber die haben Hoffnung! Also stellt euch nicht so an, macht was Fröhliches wie das Berghain, die Clubs und dann bekommt ihr schon Geld von der unvorstellbar leidgeplagten "Wirtschaft" .... Hillje deutete an, dass im Gespräch mit Sponsoren, ein Thema wie "Holocaust" nicht ziehe, im Umfeld eines solchen Themas möchte niemand seine Produkte platzieren.
Menekse Wenzler stellte ausführlich die Drittmittel-Akquise des Technikmuseums vor und sagte, dass eine Ausstellung zu Impfstoffen (Aufklärung angesichts der Querdenker-Verschwörungstheoretiker) nur durch Sponsoring möglich gewesen sei.
Ähnlich deplatziert wie das Berghain, von dem Chialo natürlich niemals im Zusammenhang mit Finanzierungsoptionen für öffentliche Kultureinrichtungen gesprochen haben will, denke ich, ob wir nach Vorbild der USA früher einen Coronaleugner als Gesundheitsminister oder eine "starke Wirtschaft" haben, die einen Schlussstrich unter den "Holocaust" zieht, anthropogenen Klimawandel einhellig leugnet und in "Ausstellungen" nur die eigene neoliberale "Du ganz allein bist Deutschland, mach was draus, sonst ab nach Tansania"-Ideologie in Markenpavillons präsentiert.
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