meldung

Literaturnobelpreis für Abdulrazak Gurnah

Kompromisslos mitfühlendes Durchdringen

7. Oktober 2021. Der tansanische Autor Abdulrazak Gurnah erhält den Literaturnobelpreis 2021. Das gab die Königlich-Schwedische Akademie der Wissenschaften in Stockholm heute Mittag bekannt. Gurnah wird der Mitteilung der Akademie zufolge für "sein kompromissloses und mitfühlendes Durchdringen der Auswirkungen des Kolonialismus und des Schicksals des Flüchtlings in der Kluft zwischen Kulturen und Kontinenten" ausgezeichnet.

Abdulrazak Gurnah wurde 1948 auf Sansibar geboren, das damals unter britischer Kolonialherrschaft stand. Ende der 60er Jahre kam er als Flüchtling nach Großbritannien. Von 1980 bis 1982 lehrte er an der Bayero University Kano in Kano, Nigeria. Anschließend ging er an die University of Kent, wo er 1982 promoviert wurde und bis zu seinem Ruhestand Professor für Englisch und postkoloniale Literaturen war. Gurnahs Muttersprache ist Suaheli, seine Bücher verfasst er in englischer Sprache. Er ist Autor von zehn Romanen und schreibt auch Novellen. Seine bislang in deutscher Übersetzung erschienen Bücher – darunter sein vierter Roman "Paradies", der ihn 1994 bekannt machte – sind derzeit vergriffen.

Gurnahs "Romane schrecken vor stereotypen Beschreibungen zurück und öffnen den Blick für ein kulturell vielfältiges Ostafrika, das viele in anderen Teilen der Welt nicht kennen," zitiert die Mitteilung Akademiemitglied Anders Olson. "In Gurnahs literarischem Universum ist alles in Bewegung – Erinnerungen, Namen, Identitäten. Eine unendliche Erkundung, die von intellektueller Leidenschaft angetrieben wird, ist in all seinen Büchern präsent, und in 'Afterlives' (2020) ebenso wie zu der Zeit, als er als 21-jähriger Flüchtling zu schreiben begann."

Der Nobelpreis 2021 ist mit 10 Millionen Schwedischen Kronen (umgerechnet rund 984.000 Euro) dotiert.

(taz / SRF / Börsenblatt des Deutschen Buchhandels / eph)

 

mehr meldungen

Kommentare  
Literaturnobelpreis Gurnah: Sprachfrage
Schön und gut. Aber da das Abzählen ja in Mode ist: wer zählt nach, wie oft eine Autorin, ein Autor den Nobelpreis erhalten hat, die oder der nicht in einer Weltsprache oder einer von vielen beherrschten Sprache wie Deutsch schreibt, den Nobelpreis erhalten hat? Findet Literatur nur statt, wenn das Nobelpreiskomitee sie versteht? Wie viele afrikanische Schriftsteller*innen, die in ihrer eigenen Sprache schreiben, hat es geprüft? Und ist das all jenen egal, die sonst auf gerechte Präsenz und Verteilung bestehen?
Kommentar schreiben