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Martin Kušej verlängert nicht am Burgtheater

Martin Kušej © Susanne Hassler-Smitth

20. Dezember 2022. Martin Kušej wird seine Intendanz am Wiener Burgtheater nicht verlängern. Das gibt das Theater in einer Pressemitteilung bekannt.

Über die Kommunikationsabteilung des Hauses ließ der Intendant folgendes Statement verbreiten: "Meine Person und das gesamte Burgtheater wurden durch den späten und langwierigen Entscheidungsprozess zur Zukunft der Burgtheaterdirektion in eine unsägliche, das Haus schädigende Situation manövriert. Grundlage für die Zukunft meiner Arbeit als Direktor über meinen laufenden Vertrag hinaus ist uneingeschränktes Vertrauen von Seiten des Eigentümers. Dies ist offensichtlich nicht gegeben, daher ziehe ich meine laufende Bewerbung zur Fortsetzung meiner Direktion mit sofortiger Wirkung zurück."

Über die Personalie wird seit Monaten in der Theaterszene sowie österreichischen und überegionalen Medien spekuliert. Über das Statement hinaus kamen weder vom Haus noch vom scheidenden Intendanten weitere Einlassungen dazu. Kušej leitet das Burgtheater seit der Spielzeit 2019/2020. Eine Ausschreibung der Position war gemäß dem österreichischen Bundestheaterorganisationsgesetz notwendig geworden. Kušej hatte seine Wiederbewerbung bereits im Frühsommer angekündigt. Nun zog er diese überraschend zurück.

Die Bekanntgabe der neuen Leitung soll am 21. Dezember um 11 Uhr im Rahmen einer Pressekonferenz erfolgen, berichtet der Standard.

(Burgtheater / Der Standard / sdre)

Kommentare  
Intendanz Kušej: Signal
Ein verfrühtes Weihnachtsgeschenk und hoffentlich ein Signal an ALLE deutschsprachigen Theater, ebenso Hierarchien und Macht-Systeme in den Häusern ENDLICH zu überdenken.
Intendanz Kušej: Tragödie
Was hier aufgeführt wird, ist eine menschliche und politische Tragödie, in der die Kulturstaatssekretärin eine grausame Nebenrolle spielt. Man muss Kusej und seine Arbeit nicht schätzen, um entsetzt zu sein über die Häme in den Kommentaren, die die Meldung im "Standard" begleiten. Sie besagen nichts über den Intendanten und Regisseur, bestätigen aber, was die "Expat Insider Studie 2022" kürzlich ermittelt hat: dass Österreich das zweitunfreundlichste Land weltweit ist. Das Klischee von den herzlichen Österreichern hat endgültig ausgespielt.
Martin Kušej verlässt Burg: Qualität
@ #2 Thomas Rothschild:
was hat das mit Freundlichkeit zu tun? Hier geht es um die Besetzung einer riesigen und wichtigen (und teuren..) Kulturinstitution. Die Qualitäten von MK als Kulturmanager sind sowohl in Bezug auf die Stimmung unter Mitarbeitern im Haus, als auch mit Blick auf die Auslastungszahlen zu hinterfragen. Punkt. "Expat Insider Guide 2022" hat damit gar nichts zu tun, außer dass sich die Expats wahrscheinlich auch über ein besseres Theaterangebot freuen würden ;)
Martin Kušej verlässt Burg: Weibsteufel
@Thomas Rothschild
offensichtlich haben Sie weder die Inszenierungen Kusejs in den letzten Spielzeiten gesehen noch die Kommentare darüber und Kusejs Präptenz im Burgtheater gegenüber den Mitarbeitern gelesen.

Kusej lebt noch immer von seiner Inszenierung des Weibsteufels 2008 im Akademietheater
Martin Kušej verlässt Burg: Tragödie
die wahrliche tragödie ist kusejs verhalten gegenüber den mitarbeitenden, die (öffentliche) diskussion darüber ging ja schon während seiner münchner-intendanz los und ist keinesfalls eine neue entwicklung. die kommentare im standard mögen nichts über den intendanten aussagen, die art und wortwahl seines rückzugs allerdings schon. ich stimme rubenblades zu: ein wichtiges signal, macht-systeme endlich zu überdenken!
Martin Kušej verlässt Burg: Wichtiges Signal
Die Entscheidung, Kušej nicht zu verlängern, ist die einzig Richtige! Hoffentlich verstehen Politik und Theatermacher*innen allmählich, dass ein solcher Führungsstil nicht mehr zeitgemäß ist (und auch noch nie war, nur wurde er lange akzeptiert.) Es hilft dennoch langfristig nichts, nur den Intendanten auszutauschen! Da muss viel mehr passieren! Die Strukturen müssen sich ändern! Eine einzelne Person sollte niemals so viel Macht auf sich konzentriert haben! Da ist Machtmissbrauch, wie ihn Kušej in allerhöchstem Maße betrieben hat, vorprogrammiert. Bitte liebe Kulturpolitik setzt euch zusammen und diskutiert Alternativen! Es kann so nicht weitergehen!
Martin Kušej verlässt Burg: Hoffnung
Oha…aber er bleibt doch hoffentlich in Österreich?!
Martin Kušej verlässt Burg: Bernhards Erben
Dieser ganze Prozess ist erbärmlich. Wenn die Kulturstaatsministerin einen Wechsel und eine Veränderung hätte haben wollen, warum kam diese dann so spät? Es wäre doch genug Zeit gewesen. Jetzt hat die neue Intendanz nur etwas mehr als ein Jahr für einen Neustart, das ist doch an so einem großen bedeutenden Haus nicht seriös zu machen.
Die Vehemenz mit welcher die Presse in Österreich Martin Kusej attackiert, erinnert entfernt an die Kampagne der Springer-Medien in Deutschland gegen den damaligen Bundespräsidenten Christian Wulff (und ähnlich wichtig, wie der Präsident, scheint der Burgtheaterdirektor in Österreich ja zu sein).

Nur gibt es keine handfesten Vorwürfe. Kein handfester Fall von Metoo oder Machtmissbrauch. Kein Skandal, wie beispielsweise bei Bergmann in Karlsruhe, die ja auch vorgeschlagen wurde, oder wie bei Stefan Bachmann in Köln, den die Kommission ebenfalls empfahl. Auf welcher Basis findet dann dieser mediale Hass und die Häme statt?
Weil sein Theater altbacken oder langweilig ist? Das ist erstens naturgemäß eine Geschmacksfrage und zweitens müsste es dann noch ganz anderen an den Kragen gehen.
Corona soll nicht als ewige Ausrede dienen, aber auch der jetzigen Burgtheater-Intendanz sind zwei Jahre gestohlen worden. An anderen Häusern und bei anderen Fällen herrscht hier Nachsicht. Auch Lilienthal in München brauchte Zeit, damit sein Konzept greifen konnte, die man ihm nicht gab und dann Krokodilstränen vergoß. Nun reicht Kusejs Programmatik vermutlich nicht an die Lilienthals heran, aber drei Jahre reichen doch vernünftigerweise für eine Neuaufstellung mit ggf. Nachjustieren nicht aus, um von Seiten der Politik zu sagen, man sei gescheitert.
Mein Eindruck ist, dass hier eine Ministerin vom Feuilleton getrieben wird. Welcher Anspruch bestünde denn an eine neue Leitung, was muss er oder sie besser oder anders machen? Ist das Ensemble schlecht? Inszenieren mit Borgmann, Castorf, Simons, Kolesnik, und vielen anderen nicht Top-Leute, die auch alle an anderen bedeutenden Häusern schaffen?
Die Ministerien müsste schon eine wirklichen Coup landen, eine bedeutende Neuerung, um diesen wirklich bisher beschämenden Prozess zu rechtfertigen und mit der Ernennung der neuen Direktorin oder des neuen Direktors einen kompletten Neustart hinzulegen. Aber wer, der noch im Rennen ist, soll den bestreiten? Oder ist die Ministerin so mutig jemand ganz neuen, progressiven aus dem Hut zu ziehen? Das wäre toll, allein mir fehlt der Glaube!
Mit Karin Beyer, Barbara Frey, Bettina Hering sind eigentlich alle erfahrenen Theaterfrauen, mit ernsthaften Ambitionen bereits aus dem Rennen.
Wenn dieser ganze Zirkus aber am Ende stattgefunden hat, um
Stefan Bachmann zu holen, der ja jetzt, wo Kusej zurückgezogen hat, der einzige ist, neben Anna Bergmann, der vom Dreier-Vorschlag der Kommission noch übrig ist, dann ist das ein Provinz-Prozess im Bernhardschen Ausmaß.

In einer Medienschlacht einen alten weißen Mann beseitigt, um ihn gegen einen anderen auszutauschen, der mit Amsantritt das gleiche Alter haben wird , wie Kusej vor fünf Jahren.
Vielleicht werden wir alle morgen überrascht, aber ich glaube, dass es kein Zufall ist, das alle Theatergrößen mit Format zurückgezogen haben und nicht Teil dieser Posse werden wollten.
Ich befürchte am morgigen Tag gibt es nur Verlierer: Kusej abgesägt und medial demontiert, ein Ensemble, das nach all den Wirren der letzten Jahre wieder neu durchgerüttelt wird, eine neue Intendanz, die kaum Zeit für einen vernünftige Transformationsprozess hat und durch das ganze Vorgehen der Politik befleckt ins Amt startet. Über die Kulturstaatsministerin und ihre Einflüsterer ganz zu schweigen. Thomas Bernhard hätte sich das nicht besser ausdenken können und soll wohl Recht behalten: Österreich ist eben doch Provinz!
Martin Kušej verlässt Burg: Grundlage
Einfach nur interessant. Ist es eine berechtigte Forderung, die Grundlage einer Direktion müsse "uneingeschränktes Vertrauen" sein? Nicht eine partnerschaftliche Zusammenarbeit zwischen Trägern und Direktion? Keine Checks and Balances? Hm. Naja, vielleicht macht/machen es der*die Nachfolger*in(nen) ja auch mit lediglich künstlerischem Vertrauen oder so.
Martin Kušej verlässt Burg: Klage
Klage einer Wiener Theaterbesucherin: Er wirkte desinteressiert, wenig präsent und gab dem Haus kaum Identität. Spannung um künstlerische Prozesse wurden überhaupt nicht aufgebaut, Kommunikation zum Publikum hat er verweigert. Vorhang auf, Vorhang zu, Arbeit Gott sei Dank erledigt, so wirkte es zumindest.

Menschlich hat er sicher viel Gemeinheiten einstecken müssen, am wenigsten wohl vom Publikum.

Ob es fürs Publikum wirklich besser wird, steht wohl ziemlich in den Sternen.
Martin Kušej verlässt Burg: Sache gelaufen?
Frau Affenzeller hat nachgelegt (siehe https://www.derstandard.at/story/2000141975315/zwischenbilanz-der-aerakusej?ref=rss). In der "Presse" war vor 11 Tagen zu lesen: "Kulturstaatssekretärin Andrea Mayer soll, so hört man, darauf bestehen, dass eine Frau an der Spitze des Theaters steht." Spekuliert die Konkurrenz, oder verschweigt Frau Affenzeller absichtsvoll, was von entscheidender Bedeutung ist? Wenn "Die Presse" nämlich richtig hört, ist die Sache de facto nicht nur gelaufen (die die Macht hat, "soll darauf bestehen"!), sie bedeutet auch eine Brüskierung von Kusej zu einem Zeitpunkt, da die Entscheidung offiziell noch ausstand. Sollte er sich diesem undemokratischen Prozedere tatsächlich aussetzen? Man kann für "Positive Diskriminierung" Partei nehmen, aber dann bitte mit offenem Visier und nicht hinterhältig, auf Kosten dessen, der den Preis bezahlt. Morgen wissen wir mehr. Wenn es eine Frau wird, verdient oder unverdient, bleibt der Verdacht im Raum, dass Kusej lediglich auf etwas reagiert hat, das längst fest stand, und zwar nach dem Willen der grünen Politikerin. Seine Verfehlungen wären dann lediglich ein Vorwand. Kein erfreuliches Bild in einem Land, in dem die Grünen selten gegenüber ihrem Koalitionspartner ÖVP auf Prinzipien bestehen.
Martin Kušej verlässt Burg: Hinterhältig
Es ist sehr traurig, dass im Wien offensichtlich eine Art hinterhältige Machtausübung seitens der Politik statt einer offenen Kommunikation zwischen Ensemble, Intendanz, Politik stattgefunden hat..an der Burg gab es weder einen Skandal wie bei Hartmann noch allzu schlechte Zahlen ( abgesehen von Coronazeit).. ihn auch mit Kay Voges zu vergleichen, ist extrem ungerecht.. da einfach andere Bedingungen.. mir scheint, es ging hier mehr um Schadenfreude und jmd sich nicht entfalten zu lassen als um ernsthafte Sorge um die Burg..
selbst zu gehen, und dieses politische Affentheater nicht mehr mitzuspielen, war die beste Entscheidung, die Herr Kusej treffen konnte..
Martin Kušej verlässt Burg: Eigenartiger Zufall
Lieber „Günther Hader“ (#6)!

Willkommen in der Theaterblase! Bisher sind wir uns noch nicht über den Weg gelaufen, und ich habe auch noch gar nicht von Ihnen gehört.
Schöner, eigenartiger Zufall, denn so häufig ist dieser Name ja nun wirklich nicht. Und nur das eine kleine „r“ Unterschied. Naja. Hoffentlich treffen wir uns bald mal! Hab zwar mit Wien eigentlich nix am Hut, aber…wer weiß!
Liebe Grüße
Günther Harder, Schauspieler
Martin Kušej verlässt Burg: Neuer Direktor
https://www.derstandard.at/story/2000141975610/stefan-bachmann-wird-laut-orf-neuer-burgtheaterdirektor

Jetzt ist es raus. Wir haben Burg-Direktor.
(Die Burgbesetzung lässt sich in Wien doch nicht bis zur offiziellen Pressekonferenz heute geheim halten.)

@ernst Ich würde mit dem Wort "Skandal" vorsichtiger umgehen, denn es waren die politischen Fehlbesetzungen der Kaufmännischen Direktionen in den 2000er Jahren, die zum Finanzskandal am Burgtheater geführt haben. Hier wurde poltisch leider wenig bis nichts aufgearbeitet. Strafrechtlich blieb alles an der Prokuristin hängen.

Dass nun die Grünen "die" Burgdirektion neu besetzen wollen, solange sie das Ressort innehaben, ist verständlich.
Martin Kušej verlässt Burg: Nachfolger
Bachmann wird sein Nachfolger. Das wird um 11 Uhr bekannt gegeben
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