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Osnabrück: Schauspielsparte distanziert sich von Intendanz
26. September 2025. Im Konflikt um die Absage der Produktion "Ödipus Exzellenz" hat die Schauspielsparte sich von Intendant Ulrich Mokrusch distanziert.
"Wir teilen nicht die öffentliche Stellungnahme des Hauses", heißt es in einem Statement auf der Website des Theaters. Die Absage der Premiere erfolgte Anfang Juli auf Weisung des Intendanten Ulrich Mokrusch. Mokrusch war über einen Teil der geplanten Inszenierung, in dem ein Gottesdienst nachgespielt werden sollte, mit dem Regieteam in Streit geraten. Wir berichteten.
"Immer dort, wo sich Macht auf eine einzelne Person konzentriert, ist die Gefahr von autoritären Entscheidungen gegeben. Wie auch in diesem Fall", so der Text der Schauspielsparte. Weiter heißt es darin: "Wenn kein Raum für Diskurs vorhanden ist, wird künstlerisches Arbeiten unmöglich, denn dazu braucht es kreative Freiheit, die Möglichkeit des Scheiterns und gegenseitiges Vertrauen. Leider haben die Beteiligten der Produktion 'Ödipus Exzellenz' die Option zur Diskursbereitschaft seitens der Intendanz zu spät und nur mit Einschränkungen erlebt. Übrig bleibt eine schmerzhafte Leerstelle auf allen Seiten: Für alle Beteiligten der – Künstler:innen, Techniker:innen und Mitarbeiter:innen aus allen Gewerken – deren leidenschaftliche und intensive Arbeit keine Premiere erlebt hat. Für das Publikum dieser Stadt, dem mit dem Argument geschützt werden zu müssen, die Möglichkeit der eigenen Meinungsbildung vorenthalten wurde. Aber vor allem für die unzähligen Betroffenen sexualisierter Gewalt in der katholischen Kirche. Ihren Stimmen hätte an diesem Abend die Bühne gehört."
(Theater Osnabrück / miwo)
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Es ist ein typisches Beispiel für Theater: Mitbestimmung und flache Hierarchien werden eingefordert (dazu zählt auch das Ensemble). Doch wenn es zur Krise kommt, muss am Ende wieder der Intendant alles regeln, die Verantwortung übernehmen und die unliebsamen Entscheidungen treffen.
Interessanter Punkt, Ihr letzter. Sie meinen vermutlich: Mitbestimmung und flache Hierarchien werden "von unten"/aus der Sandwichposition eingefordert und dann ducke eine Schauspielleitung sich "mächtig" weg und überlasse dem Intendanten die unbequemen Entscheidungen. Gibt es sicherlich auch, dieses Phänomen. Aber was, wenn es das genauso auch umgekehrt gäbe: Mitverantwortung wird von oben eingefordert, dann aber gar nicht (ausreichend) der Raum gegeben, diese Verantwortung auch wahrzunehmen, weil eine Verantwortungsebene drüber (Intendanz z.B.) die ach so verantwortliche Zwischenebene (z.B. Spartenleitung) overrult?
Höchst spannendes Thema, wie man das gut/besser macht, aber es läuft nicht immer "typisch"erweise so, wie Sie unterstellen, es KÖNNTE auch andersherum sein. Oder beides wahr, oder irgendwas dazwischen.
Ich habe keinen Einblick in Osnabrück und kann das dort nicht beurteilen, aber wenn Sie verallgemeinern wollen, wäre es doch schön, das dann auch differenziert zu diskutieren.
Und wo bleibt die Loyalität der Schauspielleitung? Jetzt öffentlich nachzutreten gegen den Intendanten ist für mich extrem feige und absolut illoyal. Sie haben auch eine Verantwortung. (...)
______
(Anm. Redaktion. Eine beleidigende Wendung wurde aus dem Kommentar entfernt.)