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Schauspielerin Elke Twiesselmann verstorben

Beeindruckend präzise Charakterdarstellerin

29. September 2021. Im Alter von 94 Jahren ist die Schauspielerin Elke Twiesselmann verstorben. Das gibt das Schauspiel Stuttgart in einer Presseaussendung bekannt.

Als "sprachlich virtuose, neugierige und beeindruckend präzise Charakterdarstellerin und eine zauberhafte Kollegin" erinnern das Schauspiel Stuttgart und die Staatsoper Stuttgart Elke Twiesselmann. "Wir waren immer unglaublich fasziniert, mit welcher Energie, mit welcher Unbedingtheit und welcher Leidenschaft für das Theater und ihre Kolleg:innen Elke noch mit über 90 Jahren auf der Bühne stand", heißt es in der Presseaussendung. "Elkes feinen Humor, ihre Leichtigkeit und ihre große Freude am Leben werden wir für immer im Herzen behalten."

ElkeTwiesselmann MaksRichter uElke Twiesselmann © Maks RichterGeboren wurde Elke Twiesselmann 1927 in Hamburg. Sie studierte zunächst Literatur und Kunstgeschichte an der Universität Hamburg und wechselte dann für ein Schauspielstudium an die Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Hamburg. Nach ersten Arbeiten an kleineren Bühnen wurde sie für zwölf Jahre Ensemblemitglied am Schauspielhaus Bochum. 1972 bis 1975 war sie fest am Schauspiel Stuttgart, es folgten weitere Engagements in Basel und Frankfurt.

Elke Twiesselmann gastierte in den vergangenen Jahren an der Staatsoper Stuttgart, der Württembergischen Landesbühne Esslingen, am Nationaltheater Mannheim sowie am Theater Heidelberg. Daneben war sie auch fürs Fernsehen, als Sprecherin für Hörfunkproduktionen sowie als Rollenlehrerin an der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Stuttgart tätig.

Im Schauspiel Stuttgart stand sie zuletzt von 2018 bis 2020 in "Bernarda Albas Haus" von Calixto Bieito und in der "Orestie" von Robert Icke auf der Bühne. Für die Staatsoper Stuttgart spielte sie von 2008 bis 2018 in Peter Konwitschnys "Zauberflöte".

(Schauspiel Stuttgart / eph)

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Kommentare  
Elke Twiesselmann: liebenswerte Persönlichkeit
Sie war eine der liebenswertesten, begeisterungsfähigen, aber auch kritischen Persönlichkeiten in der Stuttgarter Theaterregion. Bis zuletzt stand sie in Stuttgart und in Esslingen auf der Bühne und hat allenfalls bedauert, dass es fast keine Rollen für Frauen ihres Alters gibt. Immer interessiert an der Arbeit ihrer Kolleg*innen, versäumte sie kaum eine Premiere am Staatsschauspiel und an der WLB, aber auch in der Oper und bei Konzerten war sie, stets elegant und freundlich, ein Stammgast. Sie war ein lebendes Argument gegen die herablassende Diffamierung durch mittelmäßige Begabungen von alten Menschen, denen man nichts mehr zutraut. In Calixto Bieitos "Bernarda Albas Haus", das von Mannheim nach Stuttgart übersiedelt ist, hatte sie einen eindrucksvollen Auftritt neben Nicole Heesters, die sie bewundert hat. Bei der Premiere von "An und aus" am vergangenen Samstag suchten wir vergebens nach ihr. Da war sie schon, wie wir hörten, schwerkrank. Sie wird uns fehlen.
Elke Twiesselmann: sprachmächtig
Eine eindrucksvolle, sehr sprachmächtige und humorvolle Schauspielerin, die ich in sehr guter Erinnerung habe und die ich auch vor vielen Jahren privat einmal kennenlernen durfte. Eine neugierige Persönlichkeit offenen Geistes. Schön, daß sie so alt werden durfte und so lange auch gewirkt hat.
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