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Schweizer Fernsehen wegen Blackfacing-Sketch angezeigt
Rassismus mit System?
26. Januar 2014. Die Theatermacher Samuel Schwarz und Raphael Urweider haben in der vergangenen Woche Anzeige gegen das öffentlich-rechtliche Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) erstattet. Grund ist der vom SRF am 29. Dezember 2013 in der satirischen Jahresrückblicks-Sendung "Endspott" ausgestrahlte und sich des Blackfacing bedienende Sketch von Birgit Steinegger, in der diese mit schwarz angemaltem Gesicht als amerikanische Talkmasterin Oprah Winfrey (in Sachen "Täschligate") aufgetreten war (Sketch von 06:00 bis 08:51).
Birgit Steinegger mit Blackface – Screenshot der SRF-Sendung "Endspott".Der Wochenzeitung (23.1.2014) gegenüber sagte Urweider in einem Interview, bei dem Steinegger-Sketch handele es sich "um einen bösartigen Beitrag, der unter verschiedenen Aspekten als rassistisch betrachtet werden kann". Es sei auch "nicht das erste Mal, dass so etwas beim SRF vorkommt. Das hat System." Blackfacing wolle er "so nie mehr sehen. Wenn sie schwarze Figuren zeigen wollen, dann sollen sie gefälligst schwarze SchauspielerInnen suchen. Ein bisschen ethnische Kompetenz würde diesem sterilen weissen Sender guttun, das könnte überraschende Inputs bringen."
Auch in einem Beitrag für den Tages-Anzeiger (22.1.2014) erläuterten Schwarz und Urweider, der eine Vormann, der andere regelmäßiger Mitspieler bei der Theatergruppe 400asa, warum sie es "für untragbar" halten, "dass das öffentlich-rechtliche Fernsehen die verpönte Technik des Blackfacing 2013 vorführt". Juristisch aktiv geworden seien sie, so Schwarz gegenüber nachtkritik.de, nachdem sie das Schweizer Fernsehen "im Minimum um eine Diskussionssendung gebeten" hatten und dieses sich dazu nicht verhalten habe. Als Reaktion auf ihre Klage ernten Schwarz / Urweider nicht nur Zustimmung, sondern auch massive Kritik und "Hass-E-Mails".
Ausgehend von dem Steinegger-Sketch wird in der Schweiz mittlerweile eine weitergehende Diskussion darüber geführt, was Satire darf und was nicht. Die Breite der Debatte bildet der Tagesanzeiger in einem Dossier zur "Satire-Debatte" ab. Auch in Deutschland hatte es zuletzt anlässlich einer "Wetten dass...?"-Saalwette Mitte Dezember, bei der Augsburger Bürger sich als Jim Knopf verkleiden sollten (Moderator Markus Lanz dazu: "Jim sollte natürlich schwarz geschminkt sein – Schuhcreme, Kohle, was auch immer"), Diskussionen um die Zulässigkeit von Blackfacing gegeben. Im Januar 2013 war bereits Literaturkritiker Denis Scheck wegen seiner Jim-Knopf-Maskerade in der ARD-Sendung "Druckfrisch" in die Kritik geraten. Im Theater hatte es bereits 2012 die sogenannte Blackfacing-Debatte gegeben, angestoßen durch die Inszenierungen "Ich bin nicht Rappaport" am Berliner Schlossparktheater und "Unschuld" am Deutschen Theater Berlin.
(Tages-Anzeiger / Die Wochenzeitung / ape)
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Genau, es gibt ja diesen bösartigen Rassismus und den gutartigen!
Und wieso muss die unschuldige Schucreme da nun zwischen die Fronten geraten. Also wirklich!
Dank dem Link von Nachtkritik , kann man sich den Sketch ja zu Gemüte führen.
Und wenn man das tut, kann man Samuel Schwarz und Raphael Urweider nur danken.
Das Blackfacing ist ja nur EIN indiskutabler Bestandteil dieses desaströsen Bemühen um Witzigkeit.
Der gespielte Witz selber, (auch wenn sich eine dunkelhäutige Darstellerin gefunden hätte und man also auf dieses eindeutig rassistische Mittel hätte verzichten können. Man mag es sich ja nicht vorstellen, wie die Verantwortlichen einer dunkelhäutigen Schauspielerin erklärt hätten was und WIE sie das Spielen soll. Vielleicht ist ja genau diese Scham letztlich oft der Grund für Blackfacing. Einem dunkelhäutigen, farbigen Menschen ins Gesicht zu sagen was für eine Stereotype er/sie verkörpern soll, davor scheut sich der "Kulturmensch" dann vielleicht doch ) ist geschmacklos und rassistisch.
Im Kern erzählt der Sketch, dass durch das sogenannte "Täschligait" nun jede dahergelaufene "Negerin" dem weissen und schweizerischen Personal einer Boutique auf der Nase rumtanzen darf und die armen Schweizer durch die political Korektness gezwungen klein beigeben müssen.
Das ist natürlich sehr schlimm für die so Selbstbestimmten Schweizer.
Also Danke für eure Intervention!
Ja die Theatermacher und ihre naive Welt. Da strebt man eine Klage gegen das öffentlich rechtliche Fernsehen an, natürlich nur um sich selber ins Gespräch zu bringen, und Sie finden das Trittbrettfahrerei.
Ich finde das eine eine hahnbücherne Logik von Ihnen!!
Und ich bin gespannt wie sie sich ein "dienen der Sache so vorstellen", wenn sie schon glauben man solle es einfach nicht zum THEMA machen! (was natürlich mit der Klage angestrebt ist, ES zum Thema machen! Herrgott!)
Einfach gutschweizerisch darüber hinwegsehen?
Ist natürlich weniger peinlich.
Auch in Deutschland immer wieder ein beliebtes Mittel der Humorigkeit (Matze Knop).