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Senftenberg: Intendanzvertrag wird nicht verlängert
1. Juli 2025. Der Vertrag von Daniel Ris als Intendant der Neuen Bühne Senftenberg soll über das Jahr 2027 hinaus nicht verlängert werden. Das melden übereinstimmend mehrere Medien wie die Lausitzer Rundschau oder Deutschlandfunk Kultur.
Der Vorgang ist insofern überraschend, als Ris, der das Senftenberger Theater erst seit 2022 leitet, mit mehr als 65.000 verkauften Tickets in der Spielzeit 2023/24 einen Besucherrekord in der 23.000-Einwohner-Stadt erzielte. Zudem werde sein"erfrischendes Programm" der Lausitzer Rundschau zufolge von vielen Senftenbergern geschätzt. Ris habe das Haus"mit ungewöhnlichen Aktionen in die Schlagzeilen gebracht", heißt es in der Zeitung weiter. "Der Regisseur trat beim Christopher Street Day in Cottbus auf, war auf dem Senftenberger Markt bei Demos gegen rechts dabei und hängte die Regenbogenfahne ins Foyer des Theaters, führte Diversity-Workshops und Open-Space-Versammlungen zu Spielzeitbeginn ein."
Seitens des Entscheidungsträgers, eines "kommunalen Zweckverbandes" aus dem Landkreis Oberspreewald-Lausitz und der Stadt Senftenberg, waren bisher keine Gründe für die vorzeitige Nichtverlängerung von Ris' Vertrag zu hören. Weder der parteilose Landrat Siegurd Heinze noch der Senftenberger Bürgermeister Andreas Pfeiffer (CDU) bezogen bis dato zu der Entscheidung Stellung. "Wir bitten um Verständnis, dass wir laufende Abstimmungen nicht kommentieren", hieß es aus dem Landratsbüro lediglich. Kulturministerin Manja Schüle war eigenem Bekunden zufolge nicht an der Entscheidung beteiligt. "Ich bedaure, dass sein Vertrag nicht verlängert wird“, sagte die Ministerin der Lausitzer Rundschau.
Ris selbst zeigt sich der Lausitzer Rundschau zufolge enttäuscht. In "nüchternen Worten" habe er die Belegschaft des Theaters von der Nichtverlängerung seines Fünfjahresvertrags in Kenntnis gesetzt. "Da ich die schöne und erfolgreiche Arbeit mit Euch gerne auch darüber hinaus fortgesetzt hätte, ist meine Enttäuschung groß", zitiert das Blatt ein entsprechendes Schreiben.
(Lausitzer Rundschau / cwa)
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Im Osten geht das Licht aus!
Es gibt viele Theater in "Ostdeutschland", die Courage mit ihren Spielplänen und Aktionen zeigen und deren Führungskräfte dafür von der Lokalpolitik unterstützt werden.
Keine Ahnung, welche Intendanten betrunken pöbelnd durch Innenstädte flanieren (nach Ihrem Kommentar wohl welche in Ihrem Kopf abgesonderten Westdeutschland"), aber eine nicht nachvollziehbare Entscheidung der Lokalpolitik in Senftenberg auf gesamt Ostdeutrschland zu beziehen, wirft kein gutes Licht auf Sie, werter Müller; denn Sie , scheren alle Regionen über einen Kamm - auch das ist fragwürdig.
Noch einmal: es mag bei Herrn Ris große Fragezeichen geben, wie diese absurde Entscheidung zustande kam, aber Ihr Kommentar ist unreflektiert, schlecht recherchiert und vorurteilsbehaftete Stimmungsmache.
(...) Wirklich tragfähige Begründungen für den Verdacht des Rausschmisses aus politischen Gründen findet man eigentlich nirgends…
(Anm. Red. Eine ins Persönliche lappende Spekulation wurde gestrichen.)
(Anm. Redaktion. Ein irreführender Hinweis wurde entfernt.)
Ris hat einen Topjob gemacht, vor allem im Musicalbereich.
Er hat zwar längst nicht an die Senftenberger Legende Latchinian herangereicht (Theater des Jahres, Faustpreisnominierung, hunderte Gastspieleinladungen im gesamten deutschsprachigen Raum u. ä.), und an dessen Jahrzehnt wirklich künstlerischer und gesellschaftlicher Relevanz, aber ein guter Nachfahre war er schon.
Sein spezieller Diversity - Inklusions - und Mediationsimpuls hat dem Senftenberger Theater und dieser Region gewiss gut getan. Ris hätte mindestens noch 3 Jahre Verlängerung verdient gehabt. Sein Vorgänger Soubeyrand durfte schließlich auch so lange, 8 Jahre.
Skandal!
Möge ein Nachfolger offen, klug und gewissenhaft sein.
Vorzeitig ist übrigens falsch! Ris hat einen Vertrag, den er erfüllen wird. Er ist nicht vorzeitig gekündigt.
____
(Anm. Redaktion. Eine unüberprüfbare Insiderinformation wurde gestrichen.)
Dass eine junge erfolgreiche Chefdramaturgin und Teil eines künstlerischen Leitungsteams Intendantin wird, ist mitunter üblich und sehr erfreulich, dass sie eine Regisseurin, mit der sie auch schon vor Senftenberg zusammengearbeitet hat, als Oberspielleiterin mit nach Tübingen holt - wunderbar. Das ist jedoch nicht "die Hälfte", wie es für 50 NV - Bühne Beschäftigte weitergehen wird, steht in den Sternen. Damit wären wir beim Interview, in dem sich "nur" eine Schauspielerin geäußert hat: Durch die ungeschützte Vertragslage während eines Intendanzwechsels scheuen viele Leute davor zurück, öffentlich ihre Meinung zu äußern - es ist nicht jemensch Sache, im Radio zu sprechen in einer so angespannten Situation. Das zu respektieren, darum bitte ich, daraus Schlüsse zu ziehen - respektlos. Fakt ist, dass die Mitarbeitenden der Neuen Bühne Senftenberg vor vollendete Tatsachen gestellt wurden und völlig im Unklaren gelassen werden, warum. Und das ist - bezogen auf die erfolgreiche Arbeit, die passiert ist, ein Skandal.