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Gewerkschaften GDBA und BFFS kündigen NV Bühne
1. Juli 2024. Die Künstler:innen-Gewerkschaften BFFS (Bundesverband Schauspiel) und GDBA (Genossenschaft deutscher Bühnen-Angehöriger) haben in enger Abstimmung mit der VdO (Vereinigung deutscher Opern- und Tanzensembles) ihre angekündigte Kündigung des NV Bühne gegenüber dem Deutschen Bühnenverein zum Jahresende vollzogen. Das teilt der BFFS in einer Presseaussendung mit. Die Frist hierfür war der gestrige 30. Juni.
"Mit der Kündigung schaffen wir die Voraussetzung, unserer ureigensten Aufgabe gerecht zu werden, nämlich mit gewerkschaftlichen Mitteln bessere Arbeitsbedingungen für die Beschäftigten durchzusetzen. Diesen Schritt schulden wir unseren Mitgliedern seit Jahren", so die Geschäftsführende Präsidentin der GDBA Lisa Jopt in der Mitteilung.
Sollten die Tarifverhandlungen bis zum 31. Dezember ohne Erfolg bleiben, wären BFFS und GDBA ab dem neuen Jahr in der Lage, Arbeitskampfmaßnahmen zu ergreifen. Dann unterliegen sie nicht mehr der Friedenspflicht.
Zugleich forderten alle drei Gewerkschaften den Deutschen Bühnenverein auf, die Verhandlungen über einen ersten Tarifvertrag für gastierende Künstler:innen wiederaufzunehmen. Hierzu war zwischen den Tarifparteien laut Pressemitteilung bereits eine Einigung erzielt worden, der Deutsche Bühnenverein habe den Abschluss aber als Reaktion auf die Kündigung ausgesetzt.
(Bundesverband Schauspiel e.V. / cwa)
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Ich habe den Eindruck, hier wird der Bogen ganz schön überspannt.
Welche Kommune ruft denn jetzt, in der angespannten Finanzlage, in der sich die meisten befinden, "Hurra, wir wollen und können mit euch verhandeln, dass es für alle Theaterbeschäftigten besser wird und die Beschäftigten mehr Geld, mehr Sicherheit bekommen!"? In welcher Welt leben die GDBA-Entscheider?
Aus der Pressemeldung kann man herauslesen, dass es vor allem um die Möglichkeit eines Streikes ab 1.1.2025 geht. Da kann ich aus jahrzehntelanger Erfahrung nur abraten, ein Streik am Theater war schon vor zehn oder zwanzig Jahren keine gute Idee. Die gesellschaftliche Relevanz von Theater steht eh zur Diskussion und leider sind die aktuellen Programme vielerorts leider nicht so attraktiv, dass wir Zuschauer nach Hause schicken müssen (um es vorsichtig auszudrücken), sondern eher selbstverliebt. Wenn Theater nicht spielt, bleiben einfach noch mehr Zuschauer zu Hause; wir sind halt keine Lockführer, unsere Klingen sind stumpf.
Und: schaut euch um, wie die politische Landschaft sich gerade sehr schnell und massiv ändert! Schaut, wie es der Kultur in Nachbarländern mit eher rechten Regierungen ergeht: sie wird massiv in Frage gestellt und eher ab- als aufgebaut!
Anstatt auf dem, was gelungen und errungen ist, aufzubauen, wird der Abbau erleichtert. In dieser Gemengelage einen solchen Schritt zu tun ist absolut kurzsichtig und verantwortungslos.
Irgendwann wird die GDBA-Spitze erkennen, dass dieser Weg nicht ein steiniger ist, sondern ein Irrweg. Aber dann hat die Abrissbirne schon begonnen...
hier jetzt nur David, doch bei der ersten Meldung der Kündigung seitens der Gewerkschaften, fiel es mir auch schon auf, dass die GDBA kritisiert wird und vor allem wird auf Lisa Jopt absurde Projektionen der Kritiker:innen losgelassen.
Ich empfinde sie meist als respektlos.
Die meisten Kommentare weisen für mich doch einige Wissenslücken auf. Denn nicht NUR die GBDA, sondern auch der BFFS und der VdO haben den Vertrag gekündigt. Also alle DREI Gewerkschaften...
Das seit Jahrzehnten sich beim NV-Bühne kaum etwas bewegt, sollte eigentlich jedem klar sein.. und in der gleichen Zeit haben die NV-Bühnenbeschäftigten nie gestreikt...
Der BFFS hat vor vielen Jahren die ersten "Streikmaßnahmen" durchgeführt und die Mittagspause um, wenn ich mich recht erinnere..., um 10 Minuten verlängert.. und JA.. das war ein voller Erfolg.
Ich vermute, der BV glaubt nicht an Streik... in einer Stadt.. an einem Tag alle Vorstellungen bestreiken und es werden Dinge möglich werden, die jetzt als unmöglich gelten..
Warum eigentlich nicht?
Die Pressemitteilung sagt eindeutig, dass nur GDBA und BFFS den NV-Bühne gekündigt haben. Das tun sie aber „in enger Abstimmung“ mit der VdO — was immer das genau bedeutet.
____________________________________
Liebe Anne, hier ist die entsprechende Pressemitteilung der GbDA: https://www.gdba.de/wp-content/uploads/2024/07/20240701_PMKuendigungNVAussetzungGaeste.pdf
Herzliche Grüsse aus der Redaktion
Am Schluss könnte das ja was für die Spielenden bringen. Oder hat schon?
Come on.
Ich wiederhole! Die ständige und übertrieben Kritik an der GBDA und Lisa Jopt empfinde ich als respektlos.
Allen Kritiker:innen sage ich, dass was ihr in Frau Jopt rein projiziert, das gehört zu 93 % zu euch selber.
93 - 7 Regel.. kann man (oder Frau) recherchieren, was das ist....
Und die Kritiker*innen sind offensichtlich unwissend, denn der BFFS wird konsequent nicht genannt. Er
ist ebenso mit im Spiel und vertritt über 4000 Schauspielende! Und bevor Lisa Jopt die GDBA übernommen hat, war er der einzige Verein und später dann erst eine Gewerkschaft, die Veränderung geschaffen hat! Und nicht nur das, die Namhaften Schauspielenden haben dankenswerterweise enormen Einfluss auf die Reformen genommen.
Hier einen Bühnenverein direkt oder indirekt zu verteidigen, der mit der Pseudo-Angstkeule-Geld um sich haut, zu verteidigen, erscheint mit schlicht deplatziert und ist für mich nicht nachvollziebar...
Er wird behauptet es geht nicht, bis zu dem Zeitpunkt an dem es doch geht!
Im übrigen ist der NV-Bühne nur für die Schauspielende gekündigt, denn die Gewerkrschaften vertreten nur die Schauspielenden - alle anderen Gewerke, die einen NV-Bühne haben, dürfen weitere unter den bestehenden Bedingungen arbeiten.
(VdO hat nicht gekündigt . das habe ich mich verlesen)
Ich fürchte, dass das den betrieblichen Frieden erheblich belasten könnte.
Und auch das vom Bühnenverein vorgelegte Modell zur Arbeitszeiterfassung kann sich mE wirklich sehen lassen. Hätte mir nur gewünscht, das hätte die Gewerkschaft vorgelegt.
Ich glaube sie haben besser verhandelt :-)...und damit fangen die Gewerkschaften nach Jahrelangem Stillstand jetzt endlich auch an.
Danke GDBA !!!!
1. Danke an Lisa Jopt - sie macht den Job den gewisse alte weisse Männer schon vor 20 Jahren hätten machen sollen(ich kann das beurteilen, ich bin selber einer!)
2. Es hat in den letzten 20 Jahren (seit Ende des alten Bundesangestelltenvertrages) keinen wirklich
fundamentalen Fortschritt bei den Künstlerverträgen gegeben(auch im Bereich Orchester!).
Auch für den Bereich TV-öD und noch schlechter TV-L gibt es viel Kritik.
3. Basics des modernen Arbeitslebenslebens wie Vereinbarung von Familie und Beruf/flache Hierarchien/Mitsprache/Recht auf individuelle Freizeitwünsche/gelebter Gesundheitsschutz sind immer gern genommene Themen für Sonntagsreden der Entscheider,wirlich geändert hat sich leider wenig.
4. Die hier geäußerte Furcht vor Sparmassnahmen aufgrund der schlechten Wirtschaftslage ist für mich
nicht nachvollziebar -da hätte es dann in den wirtschaftlich guten Jahren 2010-2020 vom Bühnenverein
richtig tolle Angebote an dieKünstler geben müssen,
5.Über allem steht das Damoklesschwert des neuen Arbeitszeitgesetzes.Falls dieses im Herbst kommt,
müssen die Arbeitszeiten elektronisch dokumeniert werden.
Die spannende Frage wird dann die Definition von Arbeit und Zusammenhangstätigkeiten (häusliche Vorbereitung/ Gastspiele/Erreichbarkeit) sein- die Frage der elektronischen Dokumentation der häuslichen Vorbereitung wird dann ein echtes Highlight für die Tarifverhandlungen
Es hat sich ja auch schon viel bewegt durch die GDBA, aber was hier gerade geschehen ist, entzieht allen, die NV-Bühne haben, die Basis. Es ist nicht eine "Veränderung", ein ganz normaler Vorgang, nein, wenn man alle Aspekte beleuchtet, dann erkennt man, dass es ein Erdrutsch ist, den man nicht einfach stoppen kann. Vielleicht nicht jetzt, nicht heute, aber nach dem Erwachen aus der vermeintlichen "Aufbrucheuphorie".
Übrigens auch eine drohende Folge: wir suchen händeringend qualifizierte Fachkräfte, aber ich kann nun technisch-künstlerische Mitarbeiter nicht einmal mit den Vorteilen des NV (und die hat diese Vertragsform gegenüber TVÖD!) locken.
#16: in welcher Welt / Zeit lebst Du? Hier die bösen Intendanten = Arbeitgeber, da die guten, aber armen und ausgebeuteten Künstler? Ich habe Geschäftsführer und Intendanten erleben dürfen (und erlebe sie noch immer), die sich erfolgreich bemühen, mehr zu geben als das, was der Tarifvertrag hergibt, sowohl finanziell als auch im Hinblick auf Arbeitsorganisation.
Auch darf man nicht übersehen, dass hinter den Intendantinnen und Intendanten immer auch Kulturdezernenten und Kämmerer stehen, die diesen Vorgang genau beobachten und hier die Gelegenheit wahrnehmen könnten, die ohnehin schon leeren Kassen zu schonen.
Aber vielleicht ist der "böse" Bühnenverein ja gar nicht so böse und lässt mit sich reden. Aus meiner Erfahrung wäre das durchaus ein - dann positives - Szenarium, denn auch der Bühnenverein ist an gesunden Arbeitsverhältnissen in den Kulturbetrieben interessiert.
Sollte die Forderung eines Verbots von Nichtverlängerungen bei Intendantenwechsel durchkommen, wäre das das Ende jedes Neustarts und eine Zementierung der Verhältnisse an den Häusern, quasi auf ewig. Neuen Intendant*innen wäre es verwehrt, die Dinge einmal anders zu probieren, sich auch nur mit einem eigenen Team zu bewerben. Generalintendat*innen müssten die Spartenleiter*innen und die Dramaturg*innen der Vorgänger*innen nebst aller Schauspieler*innen übernehmen. Wegweisende Intendanzen wie an der Volksbühne oder am Centraltheater Leipzig wären nicht mehr denkbar.
Gleichzeitig gäbe es auch sehr viel weniger Chancen für neue Kräfte, in die bestehenden Tanker hineinzukommen. Die bräsige Besitzstandswahrung wäre ein Selbstzweck der Gewerkschaftsmitglieder geworden.
Nein, liebe GDBA, Ihr habt einfach nicht verstanden, dass künstlerische Berufe mit gutem Grund nicht den gleichen Regeln folgen können wie ein Nine-to-Five Job. Dass nicht jeder bis zum Lebensende als Ballerina oder Schauspieler*in arbeiten kann habt Ihr dagegen selbst begriffen: Von den GDBA-Funktionären haben ja die meisten aus verschiedenen Gründen dem Beruf den Rücken gekehrt, auch mangels künstlerischem Erfolg, um eine andere Bühne zu betreten.
Vor was schützt Sie denn der NV-Bühne ?
Vor Planbarkeit ?
Vor freien Tagen ?
Vor Familie ?
Vor subjektiver Kündigung ?
Vor guter Bezahlung ?
Vor ständiger Erreichbarkeit ?
Vor zu hoher Belastung ?
Wirklich, keine Ahnung was Sie an diesem Vertrag toll finden.
Er ist dehnbar wie ein Kaugummi.
Mit einer guten Leitung kein Problem, aber wehe wenn...
Ohne NV keine Ensembles, denn
kein verantwortlicher Theatergesellschafter wird zulassen, dass Künstler auf Lebenszeit engagiert werden.
Was soll zB das Ballett noch machen, wenn alle über 50 sind?
Das sollte, das muss endlich geändert werden. Jetzt!
"Was soll zB das Ballett noch machen, wenn alle über 50 sind?"
Antwort : Tanzen
Diese übergeben wir der designierten Intendanz.
Das darf man überdenken.
#1 @David. Der NV Bühne, in dem fast keine Regelung für Gäste gilt, ist nicht notwendigerweise die Grundlage für einen Tarivertrag für Gäste. Ganz im Gegenteil: wenn man der PM der Gewerkschaften glaubt, war von beiden Seiten eine neuer eigenständiger Tarifvertrag geplant.
#3 @Bühnenmensch Aus der PM und den internen Infos der Gewerkschaften an uns Mitglieder kann man herauslesen, dass die Gewerkschaften noch vor dem Ende der Friedenspflicht den NV Bühne mit den dann verhandelten Verbesserungen wieder abschließen wollen. Dass das Ende der Friedenspflicht den Druck erhöht, ist in allen Branchen so und wird tut auch unserer guttun.
#12 @Gregor Der NV Bühne gilt weiterhin - mindestens für VdO-Mitglieder. Der Bühnenverien empfiehlt aber wie bisher die Anwendung für ALLE, auch für für Nicht-VdO-Mitglieder.
Wenn für die Theater Verträge ohne NV-Bühne attraktiv wären, hätten sie schon längst aus dem Bühnenverein austreten oder zumindest Nicht-Gewerkschaftsmitgliedern andere Veträge geben können. Haben sie aber nicht - aus gutem Grund: z.B. wäre die Kettenbefristung gefährdet.
#20 @ Daggi Nein, mit der Kündigung haben sich die Gewerkschaften nicht die Möglichkeit genommen, an Veränderungen des den NV Bühne mit dem Bühnenverein weiterzuarbeiten. Haben Sie Informationen, dass irgendwer von den Beteiligten nicht weiter verhandeln will?
Die Kündigung eines Tarifvertrags ist nicht das Ende sondern in den aller meisten Fällen erst der Anfang von Verhandlungen. Z.B. auf Wikipedia kann man dazu lesen: "Verhandlungen können jedoch erst beginnen, wenn der alte Tarifvertrag abgelaufen ist oder fristgerecht gekündigt wurde." (https://de.wikipedia.org/wiki/Tarifverhandlung). Ist also das Normalste von der Welt und nicht der Anfang vom Ende des NV Bühne.
Und wann hat der Bühnenverein Sein Arbeitszeitmodell noch gleich entwickelt und veröffentlicht? - Ach ja richtg, nachdem die Gewerkschaften ihm mitgeteilt haben, dass sie Kündigen :-D
#26 @Daggi Eben nicht: Kündigen UND verhandeln - und zwar endlich auf Augenhöhe. Woher nehmen Sie die Info, dass nicht verhandelt wird? Aus der PM der Gewerkschaften sicher nicht, vom Bühnenverein sicher auch nicht. I.d.R. fangen wie gesagt Verhandlungen erst nach der Kündigung überhaupt an.
#29 @Bühnenmensch Schon mal drüber nachgedacht, dass der Fachkräftemangel auch was damit zu tun haben könnte, dass die Arbeitsbedingungen im NV Bühne bisher zu unatraktiv und unsicher sind? Ich kenne Kollegen, die deswegen dem Theater den Rücken gekehrt haben. Wird Zeit, was gegen den Fachkräftemangel zu tun.
#32 @J.A. Können Sie mal die Quelle nennen, wonach die GDBA das Ende der Befristung von Verträgen fordert? Ich als Mitglied habe immer nur gehört und gelesen, dass man eine Reform des Nichtverlängerungsrechts will, die besseren Schutz vor Missbrauch bietet.
Auch die Forderung, Arbeitszeit auch nur annähernd wie einen Nine-to-Five-Job zu reglen, gibt es von den Gewerkschaften nicht.
#35 @Gregor Was ist denn das für ne Scheindebatte? Wer sagt, dass es keinen NV Bühne mehr geben soll und wer fordert Verträge auf Lebenszeit? Zumindest die Gewerkschaften nicht.
Ganz abgesehen davon führt es zu künstlerisch sehr spannenden und hochwertigen Ergebnissen, wenn man mal Tänzer nicht aussortiert, bevor ihre künstlerische Persönlichkeit reifen konnte. Schon mal Tanztheater Pina Bausch gesehen oder das Nederlands Dans Theater III, ein Ensemble, das ausschließlich aus älteren Tänzern bestand (gibt es leider nicht mehr). Aber wie gesagt: unbefristete Verträge werden ja gar nicht gefordert.
Wäre cool, wenn es möglich wär, das Thema kontrovers zu diskutieren, ohne mit Falschbehauptungen Stimmung zu machen? Kein Wunder, dass so viele Fake News derart polarisieren - schade!
komisch, dass Schauspieler*innen einen 9 to 5 Job wollen. Es gibt berufsbedingte Realitäten,die sind lange bekannt und haben auch schöne Seiten, aber die GDBA möchte alles in beamtenähnliche Zustände zwingen. Das macht keinen Spaß mehr. Wer Pina Bausch nennt, vergißt dabei sicher, daß dort mit Leidenschaft gearbeitet wurde. Ganz ehrlich: ich kenne einige Schauspieler*innen, eher freischaffende, die nur noch den Kopf schütteln. Die Theaterensemble sind dicht. Da kommt niemand mehr rein. Ein exklusiver Zirkel. Vor allem Schauspieler*innen Ü35. Die können jetzt die Branche wechseln, weil ein paar zufällig Auserwählte auf den Stellen hocken. Das alles findet statt. Und das hat sehr viel mit ensemble- netzwerk und gdba zu tun, weil jedes Mal so lange geschrien wird, bis die neuen Leitungen sich gar nichts mehr trauen und verlängern. So geht die Kunst kaputt. Sie geht auch kaputt, weil dieses Gebahren dermassen egozentrisch ist, dass scheinbar nicht mehr wahrgenommen wird, unter welchem Druck die Kultur, vor allem die Theater stehen. Merkt ihr eigentlich, dass das Publikum ausbleibt? Interessieren Euch noch künstlerische Auseinandersetzungen? Die Frage, wie werden die Häuser wieder voll und was trage ich als Künstler*in dazu bei? Aber wahrscheinlich sind das die falschen Fragen für Euch: Ihr nehmt Euch zunehmend als Beamte wahr. Traurig. Die Anfänge waren richtig. Inzwischen graust einem nur noch, bei all den Kämpfen, auch in der Öffentlichkeit ausgetragen- das alles schreckt die Menschen und ein potenzielles Publikum nur weiter ab, sich überhaupt noch für das Theater zu interessieren und hinzugehen. Ein einziges Umsichselbst- Gekreise. Und hier den Begriff "Fake News" ins Spiel zu bringen ist echt erbärmlich.
wie wunderbar und erfrischend anders Ihr Kommentar! Trotz aller „Traurigkeit“. Herzlichen Dank dafür. Sie schreiben von „beamtenähnlichen Zuständen“. In der Tat, es wird immer mehr reguliert. Was wiederum mehr Verwaltung und weniger Kunst bedeutet. Nun werden auch noch verbindliche Wochenplanungen gewünscht. Das wird die Disposition, insbesondere in Mehr-Sparten-Häusern, in die Knie zwingen. Auch hier müsste dann personell aufgestockt werden. Kurzum: wir sind wahrscheinlich tatsächlich dabei, vieles verspielen.
Mir scheint, so geht hier ein Teil der Diskussion. Gemeinsam gute Kompromisse zu finden, ist auch eine zentrale Fähigkeit in einer freien Gesellschaft, in der Interessen ausgehandelt werden. Da hilft es meistens nicht, Fake-News zu schreien oder das Gegenüber persönlich anzugehen.
Und diese Verträge sollten dann auch aufgelöst werden, damit endlich alle jungen Musiker in den Genuss kommen bei den Philharmonikern zu spielen ?
bringen hätte ich folgenden Vorschlag:
Alle Künstler bekommen einen identisch langen Vertrag wie der Indendant der sie mitbringt;
wird der Vertrag des Intendanten von der Politik verlängert, verlängern sich der Verträge der NV-Bühne-
Beschäftigten automatisch. Dann gäbe es keine Ausreden mehr für irgendwelche Nichtverlängerungen.
Problematischer ist die mindestens 15 Jahre andauernde Befristung. Wurde die eigentlich jemals juristisch genau geprüft? Sie bringt unbestreitbar extreme Nachteile mit sich z. B. wenn man einen Bankkredit aufnehmen möchte. Ein Eigenheim zu erwerben ist für viele NV-Bühne-Angestellte schlicht unmöglich. (Und ich warte schon auf die Kommentare, dass wer im Theaterbetrieb arbeitet doch von vornherein damit rechnen sollte alle 5 Jahre umziehen zu müssen und am besten sein Mindset auf "Nomade" einstellt.) Ich glaube nicht, dass eine Entfristung nach 1-2 Jahren zu "Kulturbeamtentum" führt. Viele Menschen, besonders junge, wollen sich von Zeit zu Zeit neu aufstellen und Lebensläufe verlaufen nicht mehr so geradlinig wie früher. Und viele Menschen möchten Wurzeln schlagen, ein soziales Netzwerk neben dem Job aufbauen und ein Zuhause für die Familie haben. Steile These: Wenn ein:e neue:r Intendant:in wirklich darauf angewiesen ist, das Ensemble auszutauschen, um gute Arbeit zu leisten, ist er/sie vielleicht einfach nicht so gut.
(Kommentar #43)
Ich habe ehrlich gesagt die Problematik mit der "Probe nach Ansage" nie recht verstanden. Wenn ich Teil einer Produktion bin, gehe ich immer davon aus, dass ich jeden Tag Probe habe - außer eben, die nächste Probe wird mir kurzfristig abgesagt und ich habe spontan frei (bzw. lernfrei)? Wenn man es so herum betrachtet, ist das doch okay?
UNTER FOLGENDER BEDINGUNG:
1) Produktionen versuchen, z.B. Bitten von Eltern nach lange Proben (statt Morgens- und Abendprobe) möglich zu machen.
2) Es gibt einen halben Tag z.B. pro Woche, an dem man* auf jeden Fall frei hat (z.B. planbare Arzttermine zu vereinbaren). Bei einigen Häusern ist das bereits so, z.B. der Montag Vormittag. Wenn das geregelt ist, kann man die Probezeiten dementsprechend nach hinten verlängern von Anfang an.
P.S:
Generell: Unterstellungen, dass Lisa Jopt (oder andere Gewerkschaftsvertreter*innen) deswegen diese Gewerkschafts-Posten suchen und halten, weil ihre Fähigkeiten für eine Beschäftigung im ursprünglichen Beruf gar nicht ausreichen, sind einfach nur ärgerlich und ermüdend - und ein ziemlich typischer Versuch, Menschen zu verunsichern / gegeneinander aufzuhetzen. Das passiert(e) in vielen Branchen, seit vielen Jahrhunderten (siehe z.B. "Öl!" von Upton Sinclair).
Ich glaube total an einen festgelegten freien zB. Vormittag für alle - für Arzttermine usw. - der einfach in die gesamte Probezeit schon eingepreist wird. Wenn das z.B. vier freie Montagvormittage im Monate wären, ist die Premiere eben 4 Proben = ca 2 Tage später - von Anfang an so geplant.
Jenseits davon finde ich in einer laufenden Probezeit es für mich persönlich völlig okay, davon auszugehen, dass ich jeden Tag arbeiten muss. Ich plane also in dieser Zeit keine Abwesenheiten ein (außer via Urlaubscheine.) Und wenn dann kurzfristig die Ansage kommt, dass ich morgen nicht dabei sein muss, freue ich mich.
Ich verstehe Ihren Hinweis auf Problematik eines Theaterlebens in einer anderen Stadt, als es die Familie tut. Ich bin mir aber nicht sicher, ob der Arbeitgeber in der (moralischen oder rechtlichen) Verantwortung stehen sollte, diese Problematik zu lösen? Auch wenn das natürlich sehr hilfreich wäre...
Sie halten die Verwendung des Begriffs "Fake News" für erbärmlich. Ok, ich verwende gerne einen angemesseneren. Wie würden Sie es denn nennen, wenn hier mit falschen Tatsachenbehauptungen (nicht Meinungen!) Stimmung gemacht wird?
A propos: Aus welcher Quelle nehmen Sie die Behauptung, dass die GDBA für Schauspieler*innen eine 9 to 5 Job will?
Mir als Mitglied ist eine solche Forderung nicht bekannt. Es wurden mehrfach in Mitgliedermeetings Arbeitszeitmodelle vorgestellt Von "beamtenähnlichen Zuständen" war da nie die Rede, vielmehr von sehr Flexibilität, die aber nicht so weit gehen sollte, dass Spieler*innen dauerhaft überlastet sind und kein Privat- und Familienleben mehr möglich ist. Über das richtige Maß kann man streiten, ist aber anstrengender als gegen Forderungen zu polemisieren, die niemand aufgestellt hat.
By the way: Ich würde nie die schöne Seiten des Berufs infrage stellt. Dafür liebe ich die Arbeit am Theater zu sehr.
In anderen Branchen versucht man gerade die 4 Tagewoche aufgrund ihrer Produktivität vielversprechend zu testen und Sie propagieren einen halben freien Tag pro Woche ?
Sie lieben ihren Beruf sehr und möchten am liebsten gar nichts anderes machen ? Am liebsten sich noch am Nachmittag treffen und ein freiwilliges Liederprogramm einstudieren, weil es so viel Spaß macht ?
Bitte, gerne, aber es gibt auch Menschen die möchten 2 Tage in der Woche planbar !!!! frei haben (weil auch die Wochenenden meistens mit Vorstellungen belegt sind) und nicht nur einen halben Tag. Und bitte fallen sie jetzt nicht aus den Wolken, das ist kein Wunsch eines Beamten, sondern der eines Künstlers.
Die GDBA will die Arbeitsbedingungen verbessern, wo ist das Problem? Der Bühnenverein war überhaupt nicht im Zugzwang und hat die Verhandlungen hinausgezögert. Die Kündigung des Vertrags war nötig, damit der Bühnenverein endlich ernsthaft in die Verhandlung tritt.
Wir stehen auf der Bühne und prangern in unseren Stücken Missstände in der Gesellschaft an und lassen danach mit uns teilweise unmöglich umgehen… Theaterfolklore,dass Theater nicht funktioniert, wenn es einen freien Tag und Ruhezeiten gibt…Ganz im Gegenteil. Ausgeruhte, gut vorbereitete Spieler*innen, die auch noch die reale Welt wahrnehmen,sind wesentlich kreativer.