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Verleger Wolfram Weimer soll Kulturstaatsminister werden

Wolfram Weimer © Raimond Spekking / CC BY-SA 4.0 (via Wikimedia Commons), CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=122743559

27. April 2025. Wie heute zahlreiche Medien – darunter die Süddeutsche Zeitung, die Berliner Zeitung und n-tv – melden, soll der Publizist und Verleger Wolfram Weimer Kulturstaatsminister in der neuen deutschen Bundesregierung werden. Weimer würde damit auf die aktuelle Amtsinhaberin Claudia Roth (Grüne) folgen.

Die Personalie, die am morgigen Montag offiziell werden soll, ist Teil durchgesickerter Informationen zur voraussichtlichen Besetzung verschiedener Ministerien in der kommenden Bundesregierung. Zuletzt galt eigentlich der Berliner Kultursenator Joe Chialo als aussichtsreichster Kandidat für das Amt des Kulturstaatsministers, seine Berufung war vor wenigen Wochen als annähernd sicher gemeldet worden. 

Der 1964 geborene Wolfram Weimer arbeitete nach einem Studium der Geschichte, Germanistik, Politikwissenschaften und Volkswirtschaftslehre zunächst als Wirtschaftsredakteur und Korrespondent bei der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Später wurde er Chefredakteur der WELT, der Berliner Morgenpost sowie des Focus und des von ihm mitbegründeten Magazins Cicero. 2012 gründete er mit der Weimer Media Group GmbH mit Sitz in Tegernsee einen eigenen Verlag, in dem unter anderem die Zeitschriften The European, Business Punk (seit 2023), Börse am Sonntag und Die Gazette erscheinen. Von 2003 bis 2015 war er Mitglied im Medienrat der Medienanstalt Berlin-Brandenburg.

Weimer, der als politisch konservativ gilt und in der Vergangenheit wirtschaftsliberale Positionen vertreten hat, hatte sich im Bundestagswahlkampf für den CDU-Kanzlerkandidaten und voraussichtlichen kommenden Bundeskanzler Friedrich Merz ausgesprochen.

(SZ / Welt / n-tv / Wikipedia / jeb)

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Kommentare  
Kulturstaatsminister Weimer: Unerwarteterweise
Okay würde mich dann unerwarteterweise doch nochmal für den Herrn Chialo interessieren… :D
Kulturstaatsminister Weimer: Quo vadis
Ich empfehle, den Kommentar von FAZ-Herausgeber Jürgen Kaube genau zu lesen, um einen Eindruck zu bekommen, was das bedeutet. Und das wird Folgen haben, denn es geht dann nicht um Tagespolitik, sondern um diskursive Weichenstellungen für das, was man unter Kultur und Kulturpolitik versteht. Dies ist ein guter Zeitpunkt für einen Aufschrei der Kulturszene. Weimer „macht sich demographische Sorgen um die „Fortdauer des eigenen Bluts“ und die „biologische Selbstaufgabe“ Europas, trauert der Kolonialepoche mit der bedauernden Formulierung nach, Europa habe „keine Expansionskraft“ mehr.“, schreibt Kaube.
https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/warum-wolfram-weimer-der-falsche-kulturstaatsminister-waere-110442949.html
Spiralblog Weimer: "kulturelle Selbstvernichtung"
In einigen Medien, im Dlf z.B. gestern und heute, fiel bei der Bewertung der Weimer- und aller anderen CDU/CSU-Personalien - eine Scheu davor auf, die Rolle zu bewerten, die Merz (Blackrock, diverse Lobby-Funktionen etc. – komplett ausgeblendet seit Wochen), Weimer (Weimer Media Group, davor „Cicero“, „Welt“ etc.), Katherina Reiche (CEO einer EON-Tochter), Karsten Wildberger (CEO Media Markt/Saturn) aktuell/vor Amtseid spielen und gespielt haben. Die Vertonung journalistischer „Nüchternheit“ und Berichterstattungs-„Objektivität“ klingt so: „Erst mal machen lassen“, „gebt ihnen doch erst mal eine Chance“ – nicht nur Politikwissenschaftlerin Römmele im Dlf klang heute früh so. Als ob es hier junge Leute am Beginn ihres Berufslebens stünden. Zwar wurden beispielsweise Friedrich Merz und Wolfram Weimer beide am 11.11. geboren, aber, kein Karnevalsscherz, sie sind nicht nur volljährig, sondern haben ihre Karriere ganz auf Öffentlichkeit gebaut. Man tritt ihnen nicht zu nahe, wenn man sie hört, sieht (Weimer im Wahlkampf sehr präsent als Merz-Werber bei ntv. – vgl. dazu auch Hans-Jürgen Jacob in der SZ heute), liest und sich einen Begriff davon macht, welche Art von soziokultureller, politischer Öffentlichkeit ihnen so vorschwebt. Und aus der „deutschen Wirtschaft“ zu kommen, wie Merz, Weimer, Reiche, Wildberger, heißt nicht, dass sie „ideologiefrei“, „ex nihilo“ agieren. Natürlich, so Ralph Brinkhaus (CDU) im Dlf („Informationen am Morgen“, heute, 29.4.2025), die „Neuen“ aus der Wirtschaft seien es gewohnt, dass man als Boss einfach durchregiere, das sei in der Politik – als Minister/in – nicht ganz so. Ein solches Bild „der Wirtschaft“ bringt unfreiwillig auf den Punkt, was man sich von diesen „Neuen“ in der Politik erwartet. „Ideologiefreies“ Durchboxen der eigenen Ideologie. Die „Engel der Effizienz“ werden es richten. Aber was erhoffte sich Vladimir Balzer gestern im Dlf obendrein: im Kampf gegen den Antisemitismus (Beispiel „documenta“) sei Weimer womöglich besser aufgestellt als Claudia Roth. Warum und auf welcher „ideologiefreien“ Grundlage denn? Weil, wie Kaube bereits am Sonntag in der FAZ Weimers „Manifest des Konservatismus“ (2018) treffend zusammenfasste, Weimer sich demographische Sorgen um die "Fortdauer des eigenen Bluts" und die "biologische Selbstaufgabe" Europas macht? Und weil auch ein Ex-SPD-Mitglied wie Thilo Sarrazin lupenreiner Rassist ist?
Oder weil Weimer in seinem „Cicero“ bereits 2004, einen „masochistischen Zug des Multikulturalismus“ konstatierend, schrieb, "in den Staaten Mitteleuropas“ habe sich „seit den siebziger Jahren eine Haltung breit gemacht, die den inneren Multikulturalismus zum Gesellschaftsziel erkor. Man glaubte, mit vielen Döner-Buden, fleißiger Zuwanderung und der Huldigung von Kanak-Deutsch die alten Nationalinstinkte auszutilgen, die Nazi-Katastrophe sozusagen mental rück-abzuwickeln. Ein Stück Wiedergutmachung durch kulturelle Selbstvernichtung also.“ Motive des Geschichtsrevisionismus klingen bei Weimer an, „Nationalmasochismus“, so Mohler bereits 1965, halte „die Deutschen klein“ und der rechtsextreme Antaios-Verlag bewirbt seinen Band „Nationalmasochismus“ (2018) auf der eigenen Website mit den Worten: „Es gibt eine linksliberale Lust an dieser Politik des Verschwindens, und diese gründliche »masochistische« Durchdringung der Gesellschaft von bürgerlich-konservativer CDU bis linksextremer Antifa ist gleichsam zur zweiten Natur der Deutschen geworden.“ (vgl. Steinbacher/Wagner: „Rechter Geschichtsrevisionismus in Deutschland - Formen, Felder, Ideologie“ 3/2025)
Ist es erforderlich darauf hinzuweisen, dass „kulturelle Selbstvernichtung“ auf „Deutschland“ / dessen bedrohte „Nationalinstinkte“ zu projizieren, heißt, sich eine Opferrolle anzumaßen, die einer Post-NS-BRD nicht zusteht?
Kulturstaatsminister Weimer: Petition
https://innn.it/weimer-nein-danke
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