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Volksbühne Berlin: Im Herbst Intendanz-Entscheidung

17. Juli 2024. Die Entscheidung über die Neubesetzung der Intendanz der Berliner Volksbühne soll im Herbst 2024 fallen. Das geht aus einem Interview mit Berlins Kultursenator Joe Chialo im Berliner Tagesspiegel (€) hervor.

Zunächst soll eine Interimsintendanz für die Spielzeiten 2024/25 und 2025/26 eingesetzt werden. Hier will Chialo das Team, das bereits an der Volksbühne arbeitet, "mit einem inhaltlich starken Regisseur zusammenbringen". Darüber hinaus diskutiere er mit einem Beratergremium, wie es in Zukunft weitergehen soll. "Auch da sind schon einige Namen im Gespräch für eine künftige reguläre Intendanz", so Chialo im Interview weiter. Dem Beraterteam gehören Chialo zufolge "Leute mit internationaler Perspektive", Festivalmacher und "Journalisten mit viel Erfahrung" an.

In einem weiteren Schritt soll dann zu einem partizipativen Prozess eingeladen werden, bei dem es um die künftige Ausrichtung der Volksbühne geht. "Es ist ja nicht irgendein Theater", so Chialo. Anschließend gebe es ein Bewerbungsverfahren. Bis zum Herbst werde er dann die finale Entscheidung treffen.

"Die Volksbühne braucht neues Leben, daher müssen wir uns auch die Strukturen im Haus anschauen, sie auf Tauglichkeit prüfen. Die Atmosphäre ist nach dem Tod von René Pollesch noch immer stark von Trauer geprägt, und die braucht ihren Platz," so Chialo im Interview. "Wir fragen uns: Was ist spannend für eine neue Generation, die digital aufgewachsen ist, die die Welt anders begreift? Wir brauchen an der Volksbühne einen Neuanfang, absolut. Es ist eine brutale Herausforderung, das muss ich sagen."

(Der Tagesspiegel / sle)

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Kommentare  
Volksbühnen-Entscheidung:Digital?
War da nicht mal was mit Digital im Theater vor ein paar Jahren? Glaube, alle sind froh, dass das vorbei ist.
Volksbühnen-Entscheidung: Vermeintlich fresher Zeitgeist
Ja, zumindest das Zitat des Kultursenators, was wäre "spannend für eine neue Generation, die digital aufgewachsen ist, die die Welt anders begreift", man bräuchte "an der Volksbühne einen Neuanfang", was eine "brutale Herausforderung" wäre, lässt Schlimmes befürchten. Nach der immensen Bauchlandung mit Chris Dercon könnte sich der ins Auge gefasste "Neuanfang" als weiterer Versuch von Zauberlehrlingen erweisen, das tolle Theater einem vermeintlich hippen, freshen und jungen Zeitgeist hinterher zu tragen - das wird wie damals schiefgehen!
Volksbühnen-Entscheidung: Wunsch
Ist der Kultursenator bzw. die Kulturverwaltung nach dem Informationsfreiheitsgesetz (IFG) des Landes Berlin vom 15. Oktober 1999 nicht verpflichtet, die Öffentlichkeit über die Mitglieder des "Beratergremiums" aufzuklären? Handelt es sich um ein offizielles Gremium, dessen Mitglieder ordentliche Beraterverträge haben? Oder handelt es sich um informelle Gespräche mit Freunden und Bekannten? Da würde ich mir Recherche und einen Artikel von der Nachtkritikredaktion wünschen.
Volksbühnen-Entscheidung: Theater als Denkmaschine
@Nachtrag

Lieber Nachtrag,

der freshe zeitgeist wir einzug halten.
da bin ich mir sicher.
meiner meinung nach,der wichtige unterschied zwischen dem Wechsel 2017 Castorf zu Dercon.

Castorf hatte nur 25 jahre ein theater, in dem er selber die rolle des königs spielen durfte, wußte aber zugleich,
seine art ,theater zu begreifen und auf die bühne zu bringen,
ging nur mit den anderen erfolgreichen säulen ,als letztes halt Fritsch ,Marthaler und Pollesch die dies theater weiter im gespräch , ihr publikum bedient und dadurch überlebensfähig machten.




Pollesch ist einfach nur gestorben.
es gab keine inhaltliche neuausrichtung, die von irgendjemanden aus der kulturpolitik offiziell gewollt wurde.
viele waren froh ,das Pollesch den laden schlussendlich übernommen hat, obwohl er sich klar wahr,es ist nicht seine berufung ist und war.

" "Die Volksbühne soll wieder sexy werden, wünscht sich René Pollesch - „dass es immer geil ist, wenn man da hingeht“."
schrieb Scharper am 13.06,2019 im Tagesspiegel,
zwei jahre vor seinem antritt als aushängeschild der volksbühne.
es zeigt das eigentliche dilemma auf, was den druck auf seiner person ausmachte.
erfolg.
aber eben nicht nur für sich,
sondern für die gesamte kulturinstitution der volksbühne .
(ich glaube "misserfolge" auf der bühne waren ihm nicht egal,
aber er hat sich deswegen nicht innerlich gedreht)
2021 war es dann soweit.

viele dachten, sie bekommen die "alte volksbühne " zurück.
zurück in die praxisorientierten "arbeiterhände" die die gutbetuchten, des denken freigestellten philosoph/innen, den orientierungslosen student/innen und dem nicht mehr existierenden in sich solidarischen arbeiterinnenschaft.

was für ein hohn, denn da war sie schon lange nicht mehr.

der wechsel castorf/dercon/dörr/pollesch hat unendlich viel kraft und lust gekostet, die eigene identität des raumes neu zu entwickeln und im kern zu bewahren.

salopp gesagt,die luft ist am Rosa Luxemburg Platz entwichen.
theater als denkmaschine bleibt wichtig.


Holzinger und Macras.
geben antworten,
Kennedy eine frage.

ich glaube ,
die alte volksbühne hat ihre zeit gehabt,
jetzt hat sie ausgedient.

ich gebe noch nach,

leider
Volksbühnen-Entscheidung: Wir Natives
Schon wieder ein Versuch, die Alten vor den Tatort zu verbannen. Ohne Bekenntnis zu den Wurzeln der Freiheit der Kunst wird das wieder so ein Tempelhof-Spandau-Universal-Spezialisten-Klüngel-Gedöns, wo man sich freuen darf, altersbedingt (Ü35) noch draussen, auf dem Dreieck, bleiben zu dürfen, um von den sogenannten "Natives" nicht schief angeglotzt zu werden.

Ich verstehe die Vehemenz für diese Schizophrenie von "Wir müssen jetzt alle jung und digital" und "Die Alten sind schuld am Klimawandel" nicht. Haben die Alten den Jungen nichts zu sagen, im international plattgewalzten "Neo"-Theater? Auch mit Blick auf die Erfahrungen der Pandemie ist das einzige Zukunftstheater das an der frischen Luft, wo die Darsteller bei Stimme sind und bezahlt werden wie beim Film bzw. Stream.

Denken wir zudem an die Kriegskasse und unser aller Bemühungen um Frieden, werden nald dermaßen viele Milliarden frei um die Kunst als Bildung und Forschung zu fördern, daß es einzig um funkelnde, blendende und stürzende Inhalte geht und diese "Digitalgeburten" im Vergleich nur ein Kurzschluss waren.
Volksbühnen-Entscheidung: Ein Wunsch
Ich wünsche mir auf jeden wieder Marthalerabende in der Volksbühne. Ein sanfter Neubeginn, der neue und alte Handschriften aufeinander treffen lässt.
Volksbühnen-Entscheidung: Normalität
Das klingt nicht gut: Wenn man hört, dass erfahrene Journalisten, Festivalmacher und Leute mit internationaler Perspektive den Kultursenator beraten, dann heißt das soviel wie: Der Kulturbetrieb schickt sich an, ein neues Ei zu legen. Ein Kulturbetriebs-Ei. Es ist nicht verwunderlich, dass bei dergleichen immer wieder die gleichen Leute an der Börse gehandelt werden. Auch das Versprechen eines "inhaltlich starken Regisseurs" klingt schon vom Start aus falsch: Wieso diese Abwertung der "Form"? Warum diese Fixiertheit auf den 'Macher' und dabei den 'Autor'. Das ist altes Denken, reproduziert durch jene deutsche Stadttheaterlandschaft, die gerade die Volksbühne der 1990er-Jahre und neuerlich das Projekt Polleschs aufbrechen wollte. Mit viel Harmoniegedöns wird hier vorbereitet, dass dieses Ausnahmetheater wieder ein ganz normales Theater wird.
Volksbühnen Entscheidung: Kulturbetriebs-Ei verhindern
Die Diagnose von #7 ist absolut ernstzunehmen, aber müsste man nicht im selben Atemzug konstatieren: Der Betrieb hat in den letzten Jahren an einer Beseitigung oder zumindest Marginalisierung formorientierter (ebenso wie theoretisch und wirkungsästhetisch komplexer) Ansätze gearbeitet - kurz gesagt: An den Stadttheatern ist spätestens seit Corona jede Risikobereitschaft verschwunden mit dem Argument, man müsse das Publikum wiedergewinnen, die freie Performanceszene hat sich mit ihrem Fokus auf die Inhalte Postkolonialismus, Queerness und Klima fahrlässig vom Formdenken verabschiedet. Der Essay von Christine Wahl "Das Wagnis" (April 2024) forderte bereits eine radikale, risikobereite und kunstorientierte Position für die Volksbühne, ein paar Namen fielen, dann versandete die Auseinandersetzung recht rasch, symptomatischer Weise. Vielleicht wäre dies nun die Chance, die Debatte wiederzubeleben, um das Kulturbetriebs-Ei nach Möglichkeit zu verhindern!?
Volksbühnen-Entscheidung: Durchlüften
Bin völlig bei Ihnen. Bitte keine Eier aus der Castorf-, Dercon-, Dörr-, Pollesch-Zeit mehr. Kein Hartmann, Rasche, Voges, keine Bauer, Baier, Langhoff.
2 Jahre schließen, durchlüften, KaDeWe rein und raus und dann kieken we mal.
Volksbühnen-Entscheidung: Überschätzt
#7 Vielleicht überschätzen Sie die Einflußmöglichkeiten eines nk-Threads auf Kulturpolitik?
Nicht erst im April, sondern bereits im März 2024 ist auf nk eine radikale, risikobereite und kunstorientierte Position an der Spitze der Volksbühne Berlin längst gefordert worden! Aber wenn Sie das offenbar verpaßt haben, muß die Debatte hier nicht immer wieder neu wiederbelebt werden, denn es sind damals reichlich (ganz sicher nicht nur "ein paar") Namen gefallen. Wenn dabei substanzielle Argumente pro und contra von Kandidat/-innen genannt worden sind, ist die Auseinandersetzung zu recht zum Erliegen gekommen, da erschöpft - mitnichten symptomatischerweise versandet.
Ein Kulturbetriebs-Ei muß nicht unbedingt herauskommen, denn dem Vernehmen nach ist sich der Berliner Kultursenator der "brutalen" Herausforderung in dieser Besetzungsfrage bewußt.
Zur Kenntnisnahme hier der Link auf 43 (!) teils sehr fundierte Beiträge zur Zukunft des Hauses am Rosa-Luxemburg-Platz ab 2026 anläßlich eines geschmäcklerischen Zeitungsartikels in der SZ.
https://www.nachtkritik.de/medienschau/medienschau-sz-wer-leitet-kuenftig-die-berliner-volksbuehne
Volksbühnen-Entscheidung: Rücken zum Publikum
Es braucht unbedingt so ein Haus für das künstlerisch Inkommensurable, das hinausgeht über den ästhetischen und ideologischen Einheitsbrei auf den Bühnen überall - Das war immer die Stärke der Volksbühne, mit dem "Rücken zum Publikum" zu spielen, um noch mal Pollesch (nach Brecht) zu zitieren. Es braucht auch ein Theater, das sich wagt, Theater als Institut und Institution weiterzudenken. Auch hier war die Volksbühne immer vorn.
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