Das Scheitern umarmen

1. April 2025. Selten wird am Theater eine Premiere abgesagt. "Aufgrund künstlerischer Differenzen", heißt es dann oft, "zu unserem Bedauern". Aber welche Vorgänge stecken wirklich dahinter, wann ziehen Theater die Reißleine?

Von Susanne Burkhardt und Elena Philipp

Großes Entsetzen, weil eine Premiere abgesagt wurde? Der Liederabend "Kirmes Forever" am Rheinischen Landestheater Neuss © Christine Trischtler

1. April 2025. "Zusammen mit dem Ensemble haben wir versucht, weiter an der Produktion zu arbeiten", hieß es Mitte März in einer Pressemitteilung des Rheinischen Landestheaters Neuss. "Doch dabei stellte sich heraus, dass die inhaltliche Gestaltung der Textfassung zu weit von der ursprünglichen Produktionsidee abgewichen war." Eine außergewöhnlich detaillierte Begründung dafür, warum die zwei Tage später geplante Premiere von "Mord im Schützenfest" abgesagt worden war.

Stattdessen im Programm: der Liederabend "Kirmes Forever" – Regisseur Clemens Bechtel hat den Auftrag zurückgegeben, mit Autor David Gieselmann entsteht in der kommenden Spielzeit eine neue Inszenierung. Im Gespräch erzählt Marie Johannsen, Dramaturgin und Intendantin des Rheinischen Landestheaters, von den Geschehnissen hinter den Kulissen.

Ihr Kollege Vasco Boenisch, designierter Schauspiel-Intendant am Niedersächsischen Staatstheater Hannover und bisher Chefdramaturg am Schauspiel Bochum, berichtet von gerade noch geretteten Probenprozessen und Verschiebungen auf die letzte Minute. Wie viel Scheitern verträgt die Kunst, wie viel Freiheit brauchen Regieteams? Und wie viele Fehler können sich Theater derzeit noch leisten?

 

 

 In Kooperation mit Deutschlandfunk Kultur.

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Kommentare  
Theaterpodcast Absagen: Autor*innen-Perspektive
Danke für den Beitrag, Scheitern gehört dazu. - Ich hätte es aber gut gefunden, wenn klarer unterschieden worden wäre zwischen a) Projekten auf Basis eines schon vorhandenen, meist im Kanon verankerten Textes (z.B. "Lear") und der Interpretation dieser Textvorlage durch ein Regieteam und dessen Strichfassung / Adaption, und b) Projekten, in denen der Stoff / Text erst beim Machen entsteht (Beispiel Liederabend, Beispiel Neuss, Stichwort Stückentwicklung). Dass der Autor, der die Vorlage für Neuss schreiben sollte, selbst nicht zu Wort kommt, finde ich ziemlich misslich. Das mag vielleicht auch dem Schnitt geschuldet sein - aber auch in den anderen Gesprächsbeiträgen geht es auch indirekt nicht um die Autorenperspektive. Wenn schon mit allen geredet werden soll, dann doch eigentlich auch wirklich mit allen, oder?
Theaterpodcast Absagen: Germania – Tod in Berlin
Wieso ist eigentlich am Staatstheater Darmstadt die Produktion „Germania – Tod in Berlin“ in der Regie von Mizgin Bilmen (auch die vermeintliche Leitung ist ihr anscheinend, der Homepage des Theaters nach zu urteilen, weggenommen worden, oder sie ist freiwillig abgetreten?) plötzlich aus der SpielzeitListe gefallen ohne sang und Klang?
Theaterpodcast Absagen: Merkwürdig
@2, hab ich mich alles gefragt und finde das sehr merk-würdig.. Ich kann mich erinnern dass ich diesbezüglich von Michael Laages bei nk in einem Nebensatz? was dazu gelesen habe.. aber es waren keine Antworten auf die o. g. Fragen…
Theaterpodcast Absagen: Umjubelter Macbeth
Ja, das hab ich mich auch gefragt und bis heute bin ich auf keine Antwort gekommen… Heute ist im übrigen die allerletzte Vorstellung von dem Macbeth der gleichnamigen Regisseurin, was auch abgesetzt wird und unglaublich merkwürdig ist denn dieser Abend ist ständig ausverkauft und wird vom Publikum stark bejubelt.
Recherchiert doch mal was dazu…?
Theaterpodcast Absagen: Erfolgsdruck
Marie Johannsen formuliert, Clemens Bechtel habe das Schützenvereinswesen "nicht ernstgenommen" - schwer vorstellbar, klingt auch nicht so.
"Super-witzige" Szenen hätte sie sich gewünscht: was ist das für eine Kategorie? "Richtig cool". etc. hätte es werden sollen. "Richtig gutes Theater." Für mich klingen diese Ausführungen, ja Beteuerungen etwas hilflos.
Mein Eindruck: sie möchte unbedingt Publikumserfolge einfahren und diese auch kalkulierbar haben, scheut sich aber, dies so zu benennen. Warum nicht ehrlich und klar heraus?
Vasco Boenisch redet behutsam Klartext: Erfolgsdruck ist/war der Grund. Fertig.
Theaterpodcast Absagen: David Gieselmann
David Gieselmann schrieb auf seiner Facebook Seite, dass auch er im Kontext dieses Podcastes ein kurzes Interview gegeben hat - wieso hat denn nun ausgerechnet dieses Interview es gar nicht nicht in den Podcast geschafft, und auch nicht in den Text zum Podcast?
Theaterpodcast 78: Zu #6 und zu #1
Liebe Frau Klaas, liebe Frau Syha, ja, es ist misslich, dass der Autor kaum noch vorkommt. Das tut mir leid. Wir versuchen ja immer, den Podcast nicht länger als 50 Minuten werden zu lassen - in der Aufnahme waren es mehr als 80 Minuten - es musste also ordentlich gekürzt werden. Und da wir nicht endlos bei diesem einen Beispiel bleiben wollten, hab ich hier viel weggeschnitten. Da es ja vor allem um den Konflikt zwischen Regisseur und Intendantin ging, fanden wir eine solche Kürzung zulässig. Richtig ist, dass zumindest hätte erwähnt werden müssen, dass der Autor D.G. ja weiter mit dem Theater zusammenarbeitet. Wir haben das dann im Text hier auf Nachtkritik erwähnt. Darüber hab ich Herrn Gieselmann informiert und auch erklärt, wie es zur Kürzung kam. Zur Frage nach der Veröffentlichung im Text zum Podcast #6: Gespräche wie das mit Herrn Gieselmann dienen in der Regel der Vorbereitung und sind nicht zwingend für die Veröffentlichung gedacht.
Mit herzlichen Grüßen
Susanne Burkhardt
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