Interview: Dorothea Hartmann und Beate Heine über ihren Intendanzstart in Wiesbaden
Schwieriges Erbe
18. Juli 2024. Die letzte Spielzeit am Wiesbadener Staatstheater war vom Dauerzwist zwischen Intendanz und Geschäftsführung überschattet. Jetzt tritt eine neue weibliche Doppelspitze für das Mehrspartenhaus an: Dorothea Hartmann und Beate Heine. Hier erläutern sie, mit welchem Ballast sie konfrontiert sind und wie sie ihr Programm auf die mondäne Kurstadt einstellen.
Interview von Shirin Sojitrawalla
Wiesbadens neue Ko-Intendantinnen: Beate Heine und Dorothea Hartmann © Maximilian Borchardt
18. Juli 2024. Ein Doppelpunkt bildet das neue Logo des Hessischen Staatstheaters Wiesbaden. Dorothea Hartmann und Beate Heine verstehen es als Aufforderung zum Dialog. Im Zoom-Gespräch mit Shirin Sojitrawalla erzählen sie, wie sie ihre Intendanz gestalten.
Frau Hartmann, Frau Heine, Sie eröffnen Ihre Intendanz mit sieben Premieren an drei Tagen. Ist das nicht ein bisschen viel?
Dorothea Hartmann: Es ist viel. Aber wir wollen natürlich auch zeigen, dass wir da sind und wie vielseitig das ab jetzt in Wiesbaden sein soll.
Beate Heine: Wir müssen auch produzieren, um ein Repertoire aufzubauen und haben nach kreativen Lösungen gesucht. "Double Serpent" von Sam Max in der Regie von Ersan Mondtag etwa wurde gerade schon fast fertiggestellt, nach den Ferien gibt es eine Generalprobe und dann die Premiere.
Am Eröffnungssamstag muss ich mich zwischen "Le Grand Macabre" in der Regie von Pinar Karabulut im Großen Haus und "Spiel der Illusionen" von Pierre Corneille im Kleinen Haus entscheiden. Warum machen Sie sich selbst Konkurrenz?
Heine: Wir möchten am ersten Wochenende gern alle Sparten präsentieren, um den Neubeginn gemeinsam mit dem Publikum zu feiern.
Hartmann: Wir möchten einfach prall starten. Zudem haben wir eine große Sanierung vor uns. Im Großen Haus wird die gesamte Obermaschinerie erneuert, was zur Folge hat, dass wir nicht früher spielen können. Deswegen mussten wir uns auf ein Wochenende konzentrieren, wollten wir aber auch! Das ist jetzt eine Ausnahme, danach wird es ruhiger, und alle können wieder alle Premieren sehen.
Sanierung der Obermaschinerie? Das klingt teuer. Da stellt sich die Frage nach der Haushaltslage. Bei der Spielplan-Pressekonferenz Anfang Juni hieß es, die tatsächliche Finanzlage werde noch geprüft. Wie ist der aktuelle Stand?
Heine: Ob es ein Defizit gibt und wie hoch es sein wird, steht noch nicht fest. Wir warten noch auf endgültige Zahlen. Alle Premieren werden aber rauskommen können. Das ist uns zugesichert worden.
Das verstehe ich nicht. Angenommen die Prüfung ergibt ein Monster-Defizit, dann kann man das Geld doch nicht wie geplant ausgeben.
Heine: Wir haben ein bestimmtes Budget und in diesem bewegen wir uns für die gesamte Spielzeit.
Hartmann: Für das Defizit können wir nichts. Das ist über uns gekommen. Wir arbeiten im Moment mit dem, was uns zur Verfügung gestellt wurde, unabhängig von einem Defizit. Wenn die Haushaltslage sich ändert, muss man besprechen, wie damit umzugehen ist. Aber sicher ist, dass wir jetzt nicht plötzlich im September erfahren, dass wir im November 500.000 Euro weniger haben. Das ist so mit der Politik abgesprochen.
Das wurde ihnen von der Stadt Wiesbaden und dem Land Hessen zugesichert?
Hartmann & Heine: Ja.
Wie sehr trübt der unrühmliche Abgang Ihres Vorgängers Uwe Eric Laufenberg Ihren Neuanfang in Wiesbaden?
Hartmann: Wir haben es mit einem Haus in Aufruhr zu tun. Es sind sehr viele Dinge passiert in den letzten zwei Jahren. Wir können darüber so offen sprechen, weil leider immer alles nach außen getragen wurde. Die Konflikte wurden nicht intern gelöst. Deshalb müssen wir auch gar nicht viel dazu sagen, weil es offensichtlich ist. Das Haus ist in keinem guten Zustand, und wir sind dabei, aufzuräumen und wieder Vertrauen zu schaffen.
Wir haben es mit einem Haus in Aufruhr zu tun.
Dorothea HartmannHeine: Uns ist natürlich völlig klar, was da auf uns zukommt und dass wir eine konstruktive Arbeitsatmosphäre schaffen müssen, um die Leute wieder zusammenzubringen. Wir müssen uns bewusst machen, dass wir für die Kunst und für das Theater arbeiten und uns nicht aufreiben in Lagerbildungen.
Laufenbergs Vertrag wurde schon zu Beginn des Jahres aufgelöst, sein Geschäftsführender Direktor und Kontrahent Holger von Berg ist aber noch im Amt. Der Verwaltung des Hauses wurde von unabhängiger Seite gerade ein miserables Zeugnis ausgestellt. Arbeiten Sie mit Holger von Berg vertrauensvoll zusammen?
Hartmann: Wie beschrieben, ist die Gesamtsituation schwierig. Es laufen Prozesse, über die wir im Moment nicht sprechen können.
Verstehe, aber noch mal zurück zu etwaigen Haushaltssperren. Sie arbeiten jetzt so, als würde es diese Prüfung des Defizits nicht geben?
Heine: Wir haben das natürlich im Hinterkopf. Wir wissen zwar noch nicht, wie wir darauf reagieren können und müssen und sollen, aber es spielt eine Rolle, wenn wir in die Zukunft denken. Man ist nicht ganz unbelastet. Vor allen Dingen, weil wir dieses Defizit nicht verantwortet haben. Es wird sicher Konsequenzen haben, wir wissen nur noch nicht, welche. Das müssen wir in Gesprächen mit der Politik erst herausfinden.
Hartmann: Das muss dann gemeinsam erarbeitet werden. Wir können alle erst dann handeln, wenn die Höhe da ist, vorher macht es keinen Sinn.
Auf jeden Fall müssen Sie ausbaden, was die Herren verbockt haben.
Hartmann & Heine: Ja!
Was aus der vorherigen Intendanz noch in Erinnerung bleiben wird, sind die beiden aufsehenerregenden Biennalen unter der Leitung von Martin Hammer und der jung gestorbenen Maria Magdalena Ludewig. Wie geht es mit diesem Festival weiter?
Heine: Es wird im September 2025 wieder stattfinden.
Und wer soll das Festival leiten?
Hartmann: Ein Kuratorinnen-Team. Die Namen stehen schon fest, sie müssen nur die Verträge noch unterschreiben.
Können Sie schon was zur Ausrichtung sagen?
Heine: Es wird wieder ein Festival, das sich mit vielen Künsten beschäftigt, ein Performing Arts Festival.
Hartmann: Und eines, das raus geht in die Stadt. Uns ist wichtig, das es ein Festival ist, das sich in der Stadt breit macht.
Und die Stadt auch herausfordert?
Hartmann: Hoffentlich ja, aber das müssen Sie die Kuratorinnen fragen.
Wiesbaden ist eine relativ alte Stadt. 20 % der Bevölkerung sind 65 Jahre alt oder älter. Das Durchschnittsalter liegt bei 43 Jahren. Inwieweit muss man das bei der Spielplangestaltung bedenken?
Heine: Vor allen Dingen muss man auch bedenken, dass man mittelfristig, kurzfristig geht das nicht, neues und jüngeres Publikum akquiriert. Deshalb machen wir die Spielstätte Wartburg zum Ort für das Junge Staatstheater. Das Haus ist im Vergleich zum Großen Haus niedrigschwelliger und befindet sich in einem heterogeneren Bezirk.
Wir möchten aber auch Generationen zusammenbringen. Etwa mit der ersten großen Schauspielproduktion im Großen Haus, Stefan Pucher inszeniert "Woyzeck". Da hoffen wir älteres und junges Publikum zusammenzubringen, das sich in der Schule mit dem Stoff beschäftigt.
Das Große Haus des Hessischen Staatstheaters Wiesbaden © Sven-Helge Czichy
Hartmann: Es ist natürlich schon eine andere Aufgabe für ein einziges großes Theater in der Stadt ein Programm zu machen. Das ist in Berlin anders. Für Wiesbaden zu denken, bedeutet, für die ganze Stadt zu denken und natürlich auch für das ältere Publikum, wobei das mit Alt und Jung immer so eine Sache ist. Uns interessiert ein möglichst diverses Publikum. Wir haben mehrere große partizipative Projekte im Programm, beiden denen man selbst dabei ist oder den Nachbarn auf der Bühne sieht, ob im Tanz oder im Musiktheater. Veranstaltungen, die den Raum öffnen und andere Menschen einladen, das gab es in Wiesbaden eher wenig in den letzten Jahren.
Der frühere Intendant Claus Leininger (1986 bis 1994) hat dem Wiesbadener Publikum attestiert, nicht neugierig, sondern altgierig zu sein. Wie ist Ihr Eindruck?
Hartmann: Erstmal unterstellen wir niemandem etwas. Was wir uns wünschen, ist Neugierde auf anderes.
Heine: Wenn man neu in eine Stadt kommt und Theater macht, dann will man die Menschen auch mit etwas Neuem konfrontieren.
Gibt es ein Klischee über Wiesbaden, das Sie schon entkräften können?
Hartmann: Einige. Wiesbaden ist nicht nur eine Kurstadt mit repräsentativen Bauten, sondern hat Viertel, an denen es völlig anders aussieht. Im Westend wähnt man sich in einer anderen Stadt, weil dort eine ganz andere Bevölkerungsstruktur herrscht, dort viele Migrantinnen und Migranten leben. Wir entwickeln auch deswegen gemeinsam mit der griechischen Community ein Projekt: "Hellas am Rhein?" von Antigone Akgün. Zudem wird es eine transkulturelle Musik-Band unter der Leitung unserer Composer in residence Dariya Mainova geben.
Man wägt das Künstlerische und die sozialen Komponenten ab.
Beate HeineHeine: Und wir werden unter anderem eine Uraufführung von Özlem Özgül Dündar haben: "an grenzen". Dieser Text beschäftigt sich mit der Geschichte der Arbeitsmigration, die auch für die Entwicklung des Rhein-Main-Gebietes eine Rolle spielte und spielt.
Man hört oft, die Menschen gingen der Schauspieler und Schauspielerinnen und der Sänger und Sängerinnen wegen ins Theater oder in die Oper. Ist das auch Ihre Wahrnehmung?
Heine: Meine Erfahrung ist, dass Ensembles eine Ausstrahlung in die Stadt haben und auch verführen, ins Theater zu kommen. Daran glaube ich fest.
In der Oper konnte Ihr Vorgänger mit großen Namen glänzen.
Hartmann: Wir haben das Sängerensemble aufgestockt, um nicht mit so vielen Gästen arbeiten zu müssen. Darunter sind auch Stipendiat*innen, denn Wiesbaden soll ein Haus sein, in dem Sängerinnen und Sänger groß werden können. Und dann gibt es natürlich Partien, die muss jedes Haus mit Gästen besetzen. Wir haben keinen Fliegenden Holländer und keine Tosca am Haus. Das heißt, es wird auch weiterhin große Namen geben, natürlich vor allem während der Maifestspiele.
Gleich drei Opern in der Regie von Eric Uwe Laufenberg werden wieder aufgenommen. Wieso?
Hartmann: Das hat auch mit Nachhaltigkeit zu tun. "Die Zauberflöte" ist erst in dieser Spielzeit herausgekommen, die jetzt wegzuwerfen wäre falsch. "Carmen" wollten wir gerne zeigen. Das hat auch mit dem Ensemble zu tun. Es gibt immer verschiedene Argumente, die für eine Produktion sprechen. "Carmen" passt einfach gut. Beim "Figaro" ist es ein ähnlicher Grund.
Heißt das, er wird ins Haus kommen und die Wiederaufnahme proben?
Hartmann: Das ist nicht üblich. Das machen die Spielleiterinnen und Spielleiter des Hauses.
Bekommt er noch mal Geld für die Wiederaufnahme?
Heine: Nein, bei Wiederaufnahmen werden üblicherweise keine weiteren Honorare an die Regieteams gezahlt.
Im Schauspielensemble gibt es einige neue Gesichter, das sorgt für Frust bei den Nichtverlängerten. In der Stadt diskutiert wurde auch die Kündigung einer langjährigen Dramaturgin, alleinerziehende Mutter. Inwieweit spielen soziale Gesichtspunkte bei solchen Entscheidungen eine Rolle?
Heine. Man wägt das Künstlerische und die sozialen Komponenten ab. Und wir bringen Menschen in zentralen Positionen mit, die unsere ästhetischen Neuausrichtungen teilen und gemeinsam mit uns umsetzen werden.
Hartmann: Wir sind nicht leichtfertig mit diesen Fragen umgegangen. In anderen Fällen haben wir anders entschieden. Theater hat eben auch mit Erneuerung zu tun und mit frischen Impulsen. Ich habe selbst zwei Kinder, die jetzt von Berlin nach Wiesbaden ziehen müssen. Ich weiß, was das bedeutet. Wir sind wirklich nicht leichtfertig mit diesen Fragen umgegangen. Gleichzeitig haben wir auch einen Auftrag, in Wiesbaden neu anzufangen.
Dorothea Hartmann, geboren in Heidenheim, war ab 2012 im Leitungsteam der Deutschen Oper Berlin. Ihre Theaterlaufbahn begann an den Häusern in Mannheim und Linz, ab 2006 war sie Opern- und Konzertdramaturgin an der Staatsoper Hannover. Sie war von 2016 bis 2023 im Vorstand der Dramaturgischen Gesellschaft und wurde 2021 in die Deutsche Akademie der Darstellenden Künste gewählt.
Beate Heine, geboren in Hamburg, war ab 2021/22 Chefdramaturgin und stellvertretende Intendantin am Deutschen Schauspielhaus Hamburg, zuvor am Schauspiel Köln in gleicher Funktion. Als Dramaturgin arbeitete sie an der Schaubühne Berlin, am Schauspiel Hannover und als Chefdramaturgin am Thalia Theater Hamburg.
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Bitte kein Großsstadttheater für Wiesbaden! Erzählt doch einfach mal Geschichten! Eitelkeiten beiseite!
woher haben Sie denn die Information, dass das Staatstheater in der letzten Spielzeit schwer im Defizit war? Zuerst einmal möchte ich festhalten, dass (da in Jahren abgerechnet wird) kameral eine Null für 2024 übergeben wurde. Nun war die zweite Spielzeithälfte auslastungsmäßig sehr erfolgreich, allerdings litt sie auch unter der Absage der Vorstellungen, die von der Geschäftsführenden Direktion einkassiert wurden. Hier wurden Ausgaben getätigt, aber keine Einnahmen gemacht. Wie sich das in der Gesamtrechnung ausnehmen wird, wissen wir noch nicht.
Faktum ist auch, dass immer von einem Übergabe-Defizit geredet wird, aber bei der PK der neuen Intendantinnen musste von ministerialer Seite eingeräumt werden, dass darüber Näheres gar nicht bekannt ist. Das hat sich meines Wissens bis heute nicht geändert. Die andauernde Behauptung eines Defizits macht dieses noch nicht wahrer. Ich halte es nicht für ausgeschlossen, dass irgendwo im Haus ein Defizit entstanden ist (z.B. gibt es gerade recht hohe Gerichtskosten wegen einiger laufender Arbeitsprozesse), aber es ist genauso wahrscheinlich, dass die Übergabe ungefähr bei Null herauskommt.
Mit freundlichen Grüßen
Wolfgang Behrens (Noch-Schauspieldirektor HSW)
Dabei ist für jeden, der sich einigermaßen auskennt doch klar, was mit diesem Theater ist und war.
Laufenberg hat großartiges Theater in Wiesbaden gemacht, in der Oper, im Schauspiel, im Tanz und in den Festivals. Er hat aber oft unkluge Personalentscheidungen getätigt und die schlimmste zuletzt mit Holger von Berg. Und er hat sich mit der Politik angelegt. Eigentlich gibt es ja offiziell dafür subventionierte Theater, um frei gesellschaftliche Missstände und Schmerzen auch zu benennen. Aber im Grunde möchte Politik bedeutungsloses Theater und Ruhe. Irgendwann geht das politisch in die Luft, sehen wir überall. Und demnächst wieder in Wiesbaden.
Hätte ein künftiger Intendant so etwas gesagt, wären die Kommentarspalte hier schnell heiß gelaufen.
Es geht mir nicht darum, ob diese Nichtverlängerungen bei neuen Intendanzen richtig oder falsch sind. Und männliche Einzelintendanten finde ich nicht das klügste Zukunftsmodell. Aber sollten wir nicht das Handeln von Menschen in Leitungspositionen immer kritisch bedenken, egal was sie sind?
Schaut doch mal über den Tellerrand!!! Organisationsstrukturen und vermeintlich tradierte Gepflogenheiten, gerade beim Leitungswechsel sind nicht in Stein gemeißelt.
(...)
Wirklich grundlegende Änderung im Umgang mit den Künstler/innen und Mitarbeiter/innen ist nicht zu erwarten.
Da auch spätestens seit der Veröffentlichung des Spielzeithefts klar ist, dass inhaltlich keine innovativen Ideen vorhanden sind, scheint Wiesbaden eine riesige Chance liegen gelassen zu haben, dieses tolle Haus aus der Lähmung zu befreien.
Festivals, die in die Stadt reingehen sollen? Hat es schon längst gegeben, selbst in Wiesbaden. Theater für junge Menschen stärken? Eine dieser intendanzbringenden Phrasen. Das JUST dann allerdings in die Wartburg auszulagern und die Kinder/Jugend somit aus dem „großen“ Theater auszuladen ist natürlich kontraproduktiv.
Partizipative und Performative Projekte. Wahnsinn. Hier wird Theater neu erfunden.
Die Politik wird zufrieden sein. Die Damen werden nach Außen ruhiger sein als Herr Laufenberg. Ob ihr Wirken nach Innen wirklich zu positiven Besserungen führt und die Belegschaft wieder zusammenführt, darf bezweifelt werden.
Ich fürchte Wiesbaden ist hier einer großen Mogelpackung auf den Leim gegangen. Schade um die Belegschaft.
---
Eine Passage, die unbelegte Behauptungen enthielt, wurde aus diesem Kommentar gestrichen.
Mit herzlichen Grüßen
Ihre nachtkritik.de-Redaktion
"Sollen sich die Intendantinnen wegen "sozialer" Aspekte ihren künstlerischen Neubeginn kaputtmachen lassen? "
Hm....bei monatlichem Intendanz-Gehalt zwischen (an kleinsten öffentlichen Bühnen) 7k bis 18k an größten Bühnen (bei Regieführenden Intendanzen die mit sich selbst verhandelten Regie-Saläre nicht eingerechnet) auf meist 5 Jahre einfacher Intendanzdauer, ergo 60 Monate (Weihnachts und Urlaubsgeldregelung ist mir nicht bekannt bei Intendanzgehältern).......
Dann, ja, erwarte ich das wirklich.
Es sei denn alle Nicht verlängerten haben im gleichen Zeitraum mindestens 50% des Intendanzsalärs erhalten, dann kann man sagen ok kuckt wie ihr überlebt.
Aber wenn nicht, dann ist der soziale Aspekt nicht zu verleugnen und zumindest zu diskutieren und -mit Verlaub- der Begriff des Gejammeres avantgardistischer Bullshit!
Augen auf beim Teilzeit und Befristungsgesetz.
Künstlerischer Neubeginn ist immer möglich. Bitte präzise bleiben. Beim Intendanzwechsel
braucht es dann nicht mal n Grund außer ... Intendanzwechsel.
Und nun Sie, in welchem Berufsfeld ist es möglich, alle, ich meine alle, (die mit NV-Bühne) nicht zu verlängern. Alle. Ohne Grund. Wem gestattet man so eine Machtfülle? Augen auf bei der Intendant:innen Wahl
Man muss ja nur die Personalia-Listen vergleichen und sieht solche Zahlen ja…
DramaturgInnen kommen - auch - wegen ihrer Arbeitsbeziehungen zu RegisseurInnen. Die Intendanz kann nicht jeden kennen und soll nicht alle Produktionsprozesse mikromanagen. Also braucht es kritische Begleitung der Gastregie. Wenn neue DramaturgInnen diese neuen RegisseurInnen ans Haus bringen und gemeinsam mit Ihnen die ästhetische Linie abstecken, die von SpielerInnen, die idealerweise mit diesen neuen DramaturgInnen und Regisseurinnen bereits da und dort Erfahrungen gesammelt haben, gemeinsam ausprobiert werden. -- dann braucht es diesen Raum.
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Der Extremfall umgedreht: Alle NV-Bühne sind fest und unkündbar. In KBB, Dramaturgie, Ensemble, Kommunikation. Wie sollte eine neue Intendanz die Verhältnisse ändern? Sie hängen eben - auch - an den Menschen selbst.
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Die Mischung aus alt und neu ist ein Schlüssel, der Impuls für Neues kann nicht ausschließlich von der Intendanz ausgehen.
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Alles soll anders werden, und wir machen weiter wie immer.
Sorry, das funktioniert nicht.
Man darf sich freuen!
Ergo ab 15 Jahren musst annehmen was dir angeboten wird. Zu schlechteren Konditionen.
Machst es nicht, bist du draußen.
Die neue Intendanz holt Big Names wie Pucher, Richter oder Mondtag in die Provinz und hat nicht wenige sehr interessante Spielplan-Positionen, die nicht 0815-Stadttheater sind. Und das ist doch sehr anerkennenswert, finde ich.
Zudem: Ein relevanter Teil des Ensembles bleibt und dass neue Leute dazu kommen, ist ja nun völlig normal. Dass das für die Nichtverlängerten kein Trost ist und für den ein oder anderen zu beruflichen Schwierigkeiten führen kann, ist natürlich trotzdem immer schade für die Betroffenen.
Whatever. Wiesbaden wird voraussichtlich wie beim letzten Intendanzwechsel kurz Thema in der Presse sein, um dann wieder für 8-9 Jahre in der überregionalen Bedeutungslosigkeit zu verschwinden.
Schade - aber na ja … dafür war der Wechsel nicht radikal genug … Laufenberg kam damals schließlich auch mit Tina Lanik, Thorleifur Arnarsson, etc. hier an … und ich behaupte mal ganz frech, dass gerade dieser nicht angepasster ist als Mondtag… aber gut. Geschmäcker…