Schwieriges Erbe

18. Juli 2024. Die letzte Spielzeit am Wiesbadener Staatstheater war vom Dauerzwist zwischen Intendanz und Geschäftsführung überschattet. Jetzt tritt eine neue weibliche Doppelspitze für das Mehrspartenhaus an: Dorothea Hartmann und Beate Heine. Hier erläutern sie, mit welchem Ballast sie konfrontiert sind und wie sie ihr Programm auf die mondäne Kurstadt einstellen.

Interview von Shirin Sojitrawalla

Wiesbadens neue Ko-Intendantinnen: Beate Heine und Dorothea Hartmann © Maximilian Borchardt

18. Juli 2024. Ein Doppelpunkt bildet das neue Logo des Hessischen Staatstheaters Wiesbaden. Dorothea Hartmann und Beate Heine verstehen es als Aufforderung zum Dialog. Im Zoom-Gespräch mit Shirin Sojitrawalla erzählen sie, wie sie ihre Intendanz gestalten.

Frau Hartmann, Frau Heine, Sie eröffnen Ihre Intendanz mit sieben Premieren an drei Tagen. Ist das nicht ein bisschen viel?

Dorothea Hartmann: Es ist viel. Aber wir wollen natürlich auch zeigen, dass wir da sind und wie vielseitig das ab jetzt in Wiesbaden sein soll.

Beate Heine: Wir müssen auch produzieren, um ein Repertoire aufzubauen und haben nach kreativen Lösungen gesucht. "Double Serpent" von Sam Max in der Regie von Ersan Mondtag etwa wurde gerade schon fast fertiggestellt, nach den Ferien gibt es eine Generalprobe und dann die Premiere.

Am Eröffnungssamstag muss ich mich zwischen "Le Grand Macabre" in der Regie von Pinar Karabulut im Großen Haus und "Spiel der Illusionen" von Pierre Corneille im Kleinen Haus entscheiden. Warum machen Sie sich selbst Konkurrenz?

Heine: Wir möchten am ersten Wochenende gern alle Sparten präsentieren, um den Neubeginn gemeinsam mit dem Publikum zu feiern.

Hartmann: Wir möchten einfach prall starten. Zudem haben wir eine große Sanierung vor uns. Im Großen Haus wird die gesamte Obermaschinerie erneuert, was zur Folge hat, dass wir nicht früher spielen können. Deswegen mussten wir uns auf ein Wochenende konzentrieren, wollten wir aber auch! Das ist jetzt eine Ausnahme, danach wird es ruhiger, und alle können wieder alle Premieren sehen.

Sanierung der Obermaschinerie? Das klingt teuer. Da stellt sich die Frage nach der Haushaltslage. Bei der Spielplan-Pressekonferenz Anfang Juni hieß es, die tatsächliche Finanzlage werde noch geprüft. Wie ist der aktuelle Stand?

Heine: Ob es ein Defizit gibt und wie hoch es sein wird, steht noch nicht fest. Wir warten noch auf endgültige Zahlen. Alle Premieren werden aber rauskommen können. Das ist uns zugesichert worden.

Das verstehe ich nicht. Angenommen die Prüfung ergibt ein Monster-Defizit, dann kann man das Geld doch nicht wie geplant ausgeben.

Heine: Wir haben ein bestimmtes Budget und in diesem bewegen wir uns für die gesamte Spielzeit.

Hartmann: Für das Defizit können wir nichts. Das ist über uns gekommen. Wir arbeiten im Moment mit dem, was uns zur Verfügung gestellt wurde, unabhängig von einem Defizit. Wenn die Haushaltslage sich ändert, muss man besprechen, wie damit umzugehen ist. Aber sicher ist, dass wir jetzt nicht plötzlich im September erfahren, dass wir im November 500.000 Euro weniger haben. Das ist so mit der Politik abgesprochen.

Das wurde ihnen von der Stadt Wiesbaden und dem Land Hessen zugesichert?

Hartmann & Heine: Ja.

Wie sehr trübt der unrühmliche Abgang Ihres Vorgängers Uwe Eric Laufenberg Ihren Neuanfang in Wiesbaden?

Hartmann: Wir haben es mit einem Haus in Aufruhr zu tun. Es sind sehr viele Dinge passiert in den letzten zwei Jahren. Wir können darüber so offen sprechen, weil leider immer alles nach außen getragen wurde. Die Konflikte wurden nicht intern gelöst. Deshalb müssen wir auch gar nicht viel dazu sagen, weil es offensichtlich ist. Das Haus ist in keinem guten Zustand, und wir sind dabei, aufzuräumen und wieder Vertrauen zu schaffen.

Wir haben es mit einem Haus in Aufruhr zu tun.

Dorothea Hartmann

Heine: Uns ist natürlich völlig klar, was da auf uns zukommt und dass wir eine konstruktive Arbeitsatmosphäre schaffen müssen, um die Leute wieder zusammenzubringen. Wir müssen uns bewusst machen, dass wir für die Kunst und für das Theater arbeiten und uns nicht aufreiben in Lagerbildungen.

Laufenbergs Vertrag wurde schon zu Beginn des Jahres aufgelöst, sein Geschäftsführender Direktor und Kontrahent Holger von Berg ist aber noch im Amt. Der Verwaltung des Hauses wurde von unabhängiger Seite gerade ein miserables Zeugnis ausgestellt. Arbeiten Sie mit Holger von Berg vertrauensvoll zusammen?

Hartmann: Wie beschrieben, ist die Gesamtsituation schwierig. Es laufen Prozesse, über die wir im Moment nicht sprechen können.

Verstehe, aber noch mal zurück zu etwaigen Haushaltssperren. Sie arbeiten jetzt so, als würde es diese Prüfung des Defizits nicht geben?

Heine: Wir haben das natürlich im Hinterkopf. Wir wissen zwar noch nicht, wie wir darauf reagieren können und müssen und sollen, aber es spielt eine Rolle, wenn wir in die Zukunft denken. Man ist nicht ganz unbelastet. Vor allen Dingen, weil wir dieses Defizit nicht verantwortet haben. Es wird sicher Konsequenzen haben, wir wissen nur noch nicht, welche. Das müssen wir in Gesprächen mit der Politik erst herausfinden.

Hartmann: Das muss dann gemeinsam erarbeitet werden. Wir können alle erst dann handeln, wenn die Höhe da ist, vorher macht es keinen Sinn.

Auf jeden Fall müssen Sie ausbaden, was die Herren verbockt haben.

Hartmann & Heine: Ja!

Was aus der vorherigen Intendanz noch in Erinnerung bleiben wird, sind die beiden aufsehenerregenden Biennalen unter der Leitung von Martin Hammer und der jung gestorbenen Maria Magdalena Ludewig. Wie geht es mit diesem Festival weiter?

Heine: Es wird im September 2025 wieder stattfinden.

Und wer soll das Festival leiten?

Hartmann: Ein Kuratorinnen-Team. Die Namen stehen schon fest, sie müssen nur die Verträge noch unterschreiben.

Können Sie schon was zur Ausrichtung sagen?

Heine: Es wird wieder ein Festival, das sich mit vielen Künsten beschäftigt, ein Performing Arts Festival.

Hartmann: Und eines, das raus geht in die Stadt. Uns ist wichtig, das es ein Festival ist, das sich in der Stadt breit macht.

Und die Stadt auch herausfordert?

Hartmann: Hoffentlich ja, aber das müssen Sie die Kuratorinnen fragen.

Wiesbaden ist eine relativ alte Stadt. 20 % der Bevölkerung sind 65 Jahre alt oder älter. Das Durchschnittsalter liegt bei 43 Jahren. Inwieweit muss man das bei der Spielplangestaltung bedenken?

Heine: Vor allen Dingen muss man auch bedenken, dass man mittelfristig, kurzfristig geht das nicht, neues und jüngeres Publikum akquiriert. Deshalb machen wir die Spielstätte Wartburg zum Ort für das Junge Staatstheater. Das Haus ist im Vergleich zum Großen Haus niedrigschwelliger und befindet sich in einem heterogeneren Bezirk.
Wir möchten aber auch Generationen zusammenbringen. Etwa mit der ersten großen Schauspielproduktion im Großen Haus, Stefan Pucher inszeniert "Woyzeck". Da hoffen wir älteres und junges Publikum zusammenzubringen, das sich in der Schule mit dem Stoff beschäftigt.

Das Große Haus des Hessischen Staatstheaters Wiesbaden © Sven-Helge Czichy

Hartmann: Es ist natürlich schon eine andere Aufgabe für ein einziges großes Theater in der Stadt ein Programm zu machen. Das ist in Berlin anders. Für Wiesbaden zu denken, bedeutet, für die ganze Stadt zu denken und natürlich auch für das ältere Publikum, wobei das mit Alt und Jung immer so eine Sache ist. Uns interessiert ein möglichst diverses Publikum. Wir haben mehrere große partizipative Projekte im Programm, beiden denen man selbst dabei ist oder den Nachbarn auf der Bühne sieht, ob im Tanz oder im Musiktheater. Veranstaltungen, die den Raum öffnen und andere Menschen einladen, das gab es in Wiesbaden eher wenig in den letzten Jahren.

Der frühere Intendant Claus Leininger (1986 bis 1994) hat dem Wiesbadener Publikum attestiert, nicht neugierig, sondern altgierig zu sein. Wie ist Ihr Eindruck?

Hartmann: Erstmal unterstellen wir niemandem etwas. Was wir uns wünschen, ist Neugierde auf anderes.

Heine: Wenn man neu in eine Stadt kommt und Theater macht, dann will man die Menschen auch mit etwas Neuem konfrontieren.

Gibt es ein Klischee über Wiesbaden, das Sie schon entkräften können?

Hartmann: Einige. Wiesbaden ist nicht nur eine Kurstadt mit repräsentativen Bauten, sondern hat Viertel, an denen es völlig anders aussieht. Im Westend wähnt man sich in einer anderen Stadt, weil dort eine ganz andere Bevölkerungsstruktur herrscht, dort viele Migrantinnen und Migranten leben. Wir entwickeln auch deswegen gemeinsam mit der griechischen Community ein Projekt: "Hellas am Rhein?" von Antigone Akgün. Zudem wird es eine transkulturelle Musik-Band unter der Leitung unserer Composer in residence Dariya Mainova geben.

Man wägt das Künstlerische und die sozialen Komponenten ab.

Beate Heine

Heine: Und wir werden unter anderem eine Uraufführung von Özlem Özgül Dündar haben: "an grenzen". Dieser Text beschäftigt sich mit der Geschichte der Arbeitsmigration, die auch für die Entwicklung des Rhein-Main-Gebietes eine Rolle spielte und spielt.

Man hört oft, die Menschen gingen der Schauspieler und Schauspielerinnen und der Sänger und Sängerinnen wegen ins Theater oder in die Oper. Ist das auch Ihre Wahrnehmung?

Heine: Meine Erfahrung ist, dass Ensembles eine Ausstrahlung in die Stadt haben und auch verführen, ins Theater zu kommen. Daran glaube ich fest.

In der Oper konnte Ihr Vorgänger mit großen Namen glänzen.

Hartmann: Wir haben das Sängerensemble aufgestockt, um nicht mit so vielen Gästen arbeiten zu müssen. Darunter sind auch Stipendiat*innen, denn Wiesbaden soll ein Haus sein, in dem Sängerinnen und Sänger groß werden können. Und dann gibt es natürlich Partien, die muss jedes Haus mit Gästen besetzen. Wir haben keinen Fliegenden Holländer und keine Tosca am Haus. Das heißt, es wird auch weiterhin große Namen geben, natürlich vor allem während der Maifestspiele.

Gleich drei Opern in der Regie von Eric Uwe Laufenberg werden wieder aufgenommen. Wieso?

Hartmann: Das hat auch mit Nachhaltigkeit zu tun. "Die Zauberflöte" ist erst in dieser Spielzeit herausgekommen, die jetzt wegzuwerfen wäre falsch. "Carmen" wollten wir gerne zeigen. Das hat auch mit dem Ensemble zu tun. Es gibt immer verschiedene Argumente, die für eine Produktion sprechen. "Carmen" passt einfach gut. Beim "Figaro" ist es ein ähnlicher Grund.

Heißt das, er wird ins Haus kommen und die Wiederaufnahme proben?

Hartmann: Das ist nicht üblich. Das machen die Spielleiterinnen und Spielleiter des Hauses.

Bekommt er noch mal Geld für die Wiederaufnahme?

Heine: Nein, bei Wiederaufnahmen werden üblicherweise keine weiteren Honorare an die Regieteams gezahlt.

Im Schauspielensemble gibt es einige neue Gesichter, das sorgt für Frust bei den Nichtverlängerten. In der Stadt diskutiert wurde auch die Kündigung einer langjährigen Dramaturgin, alleinerziehende Mutter. Inwieweit spielen soziale Gesichtspunkte bei solchen Entscheidungen eine Rolle?

Heine. Man wägt das Künstlerische und die sozialen Komponenten ab. Und wir bringen Menschen in zentralen Positionen mit, die unsere ästhetischen Neuausrichtungen teilen und gemeinsam mit uns umsetzen werden.

Hartmann: Wir sind nicht leichtfertig mit diesen Fragen umgegangen. In anderen Fällen haben wir anders entschieden. Theater hat eben auch mit Erneuerung zu tun und mit frischen Impulsen. Ich habe selbst zwei Kinder, die jetzt von Berlin nach Wiesbaden ziehen müssen. Ich weiß, was das bedeutet. Wir sind wirklich nicht leichtfertig mit diesen Fragen umgegangen. Gleichzeitig haben wir auch einen Auftrag, in Wiesbaden neu anzufangen.

 

Dorothea Hartmann, geboren in Heidenheim, war ab 2012 im Leitungsteam der Deutschen Oper Berlin. Ihre Theaterlaufbahn begann an den Häusern in Mannheim und Linz, ab 2006 war sie Opern- und Konzertdramaturgin an der Staatsoper Hannover. Sie war von 2016 bis 2023 im Vorstand der Dramaturgischen Gesellschaft und wurde 2021 in die Deutsche Akademie der Darstellenden Künste gewählt.

Beate Heine, geboren in Hamburg, war ab 2021/22 Chefdramaturgin und stellvertretende Intendantin am Deutschen Schauspielhaus Hamburg, zuvor am Schauspiel Köln in gleicher Funktion. Als Dramaturgin arbeitete sie an der Schaubühne Berlin, am Schauspiel Hannover und als Chefdramaturgin am Thalia Theater Hamburg.

Kommentare  
Interview Wiesbaden: Deutlich distanziert
Auf die Frage "Arbeiten Sie mit Holger von Berg vertrauensvoll zusammen?" würde frau als Antwort "Natürlich" erwarten. Frau Hartmann antwortet: "Wie beschrieben, ist die Gesamtsituation schwierig. Es laufen Prozesse, über die wir im Moment nicht sprechen können." Deutlicher kann frau sich von der Geschäftsführenden Direktion in einem solchen Rahmen nicht distanzieren.
Interview Wiesbaden: Defizit?
Das Staatstheater war doch schon letzte Spielzeit schwer im Defizit. Bei der (gestiegenen) Anzahl von Neuproduktionen und den engagierten Regiegästen kann man sich leicht ausrechnen, ob es wieder ein Defizit geben wird.
Bitte kein Großsstadttheater für Wiesbaden! Erzählt doch einfach mal Geschichten! Eitelkeiten beiseite!
Interview Wiesbaden: Null für 2024 übergeben
Liebe/r Gretchen Müller,

woher haben Sie denn die Information, dass das Staatstheater in der letzten Spielzeit schwer im Defizit war? Zuerst einmal möchte ich festhalten, dass (da in Jahren abgerechnet wird) kameral eine Null für 2024 übergeben wurde. Nun war die zweite Spielzeithälfte auslastungsmäßig sehr erfolgreich, allerdings litt sie auch unter der Absage der Vorstellungen, die von der Geschäftsführenden Direktion einkassiert wurden. Hier wurden Ausgaben getätigt, aber keine Einnahmen gemacht. Wie sich das in der Gesamtrechnung ausnehmen wird, wissen wir noch nicht.

Faktum ist auch, dass immer von einem Übergabe-Defizit geredet wird, aber bei der PK der neuen Intendantinnen musste von ministerialer Seite eingeräumt werden, dass darüber Näheres gar nicht bekannt ist. Das hat sich meines Wissens bis heute nicht geändert. Die andauernde Behauptung eines Defizits macht dieses noch nicht wahrer. Ich halte es nicht für ausgeschlossen, dass irgendwo im Haus ein Defizit entstanden ist (z.B. gibt es gerade recht hohe Gerichtskosten wegen einiger laufender Arbeitsprozesse), aber es ist genauso wahrscheinlich, dass die Übergabe ungefähr bei Null herauskommt.

Mit freundlichen Grüßen
Wolfgang Behrens (Noch-Schauspieldirektor HSW)
Interview Wiesbaden: In die Luft
Schön, wie naiv die Autorin fragt und wie schlicht und ausweichend von den Intendantinnen geantwortet wird.
Dabei ist für jeden, der sich einigermaßen auskennt doch klar, was mit diesem Theater ist und war.
Laufenberg hat großartiges Theater in Wiesbaden gemacht, in der Oper, im Schauspiel, im Tanz und in den Festivals. Er hat aber oft unkluge Personalentscheidungen getätigt und die schlimmste zuletzt mit Holger von Berg. Und er hat sich mit der Politik angelegt. Eigentlich gibt es ja offiziell dafür subventionierte Theater, um frei gesellschaftliche Missstände und Schmerzen auch zu benennen. Aber im Grunde möchte Politik bedeutungsloses Theater und Ruhe. Irgendwann geht das politisch in die Luft, sehen wir überall. Und demnächst wieder in Wiesbaden.
Interview Wiesbaden: Nichtverlängerungen
Eine weibliche Doppelspitze nichtverlängert in Wiesbaden eine hohe zweistellige Zahl an NV Bühne Mitgliedern wegen Intendanzwechsel. Und es passiert öffentlich: nichts. Überall, wo männliche Einzelintendanten in den letzten Jahren ähnlich gehandelt haben, war wochen- und monatelang der Teufel los. Bei zwei Frauen ist das gleiche Vorgehen offenbar völlig ok. Und, hey, die haben es sich auch nicht leicht gemacht, sagen sie ja bei nachtkritik, na dann. Eine allein erziehende Mutter wurde nicht verlängert. Und Frau Hartmann weiß aus eigener Erfahrung, was das bedeutet. Warum? Weil ihre Kinder jetzt von Berlin nach Wiesbaden ziehen müssen. Was sie nicht sagt: weil ihre Mutter dort eine spannende, sehr gut bezahlte Stelle antreten darf. Das ist ein so schiefer, dummer und empathieloser Vergleich mit einer Frau, die ihre Stelle verliert - ich musste das mehrmals lesen, um es zu glauben.
Hätte ein künftiger Intendant so etwas gesagt, wären die Kommentarspalte hier schnell heiß gelaufen.
Es geht mir nicht darum, ob diese Nichtverlängerungen bei neuen Intendanzen richtig oder falsch sind. Und männliche Einzelintendanten finde ich nicht das klügste Zukunftsmodell. Aber sollten wir nicht das Handeln von Menschen in Leitungspositionen immer kritisch bedenken, egal was sie sind?
Interview Wiesbaden: Aus der betonierten Bubble
Ich musste das ganze Interview mehrfach lesen da ich mir nicht ernsthaft vorstellen konnte , die längst veralteten Narrative und Überzeugungen aus der betonierten Theaterbubble so unverblümt und selbstsicher geliefert zu bekommen. Eine Arroganz scheint durch die Sätze des Interviews, die aktuell nur Unverständnis hervorrufen kann. Ästhetische Neuausrichtung?? Das Publikum / die große Unbekannte in der Rechnung wird die Antworten geben. Hoffentlich wird man in den Thaterleitungen endlich demütig. Viele Sätze des Interviews lesen sich wie "copy paste" Bausteine für das Handbuch "die erfolgreiche Intendanzbewerbung". Ein paar gut gesetzte Buzzwords garniert mit... es ist uns nicht leicht gefallen auch unangenehme Entscheidungen zu treffen.... doch stets zum Wohle der Kunst. Das sind Worte aus der Postkutschenzeit..leider leider...
Schaut doch mal über den Tellerrand!!! Organisationsstrukturen und vermeintlich tradierte Gepflogenheiten, gerade beim Leitungswechsel sind nicht in Stein gemeißelt.
Interview Wiesbaden: Empathielos
"Ich habe selbst zwei Kinder, die jetzt von Berlin nach Wiesbaden ziehen müssen. Ich weiß, was das bedeutet." Wie bitte? Dass Frau Hartmann, die aus freier Entscheidung einen Intendanz-Posten antritt, sich hier mit nichtverlängerten Personen vergleicht, lässt wahrlich tief blicken. Ich finde das schlimm, elitär und wie bereits gesagt wurde: absolut empathielos.
Interview Wiesbaden: Nicht konstruktiv
Was ist hier los?!? Eine weibliche Doppelspitze gibt ein Interview, in dem beide Frauen überlegt die schwierige Situation des Übergangs beschreiben. Wer verfolgt hat, was in Wiesbaden los war, dürfte nicht verwundert sein. Sie tun es nachdenklich und respektvoll und die Kommentartor*innen haben direkt Schaum vor dem Mund, überbieten sich in Unterstellungen: Großstadttheater ohne Erzählungen droht, oder "bedeutungsloses Theater & Ruhe" (???), "Arroganz" und Nichtverlängerungen bei weiblichen Intendantinnen sind natürlich besonders grausam. Ist das jetzt das Sommerloch oder einfach ein ganz normaler Ausbruch an Misogynie? Einfach gar nichts wird hier gesagt, nicht konstruktives oder hilfreiches. Schade, dass dieses Forum (fast) nur destruktiv kann...
Interview Wiesbaden: Mogelpackung
Herr Laufenberg hat Wiesbaden durch sein Verhalten über die letzten Jahre auch insofern einen Bärendienst erwiesen, als dass bei der Auswahl der neuen Intendanz nur noch auf die Verpackung und nicht mehr auf den Inhalt geschaut wurde. Alles schien erstmal besser als Laufenberg.

(...)

Wirklich grundlegende Änderung im Umgang mit den Künstler/innen und Mitarbeiter/innen ist nicht zu erwarten.

Da auch spätestens seit der Veröffentlichung des Spielzeithefts klar ist, dass inhaltlich keine innovativen Ideen vorhanden sind, scheint Wiesbaden eine riesige Chance liegen gelassen zu haben, dieses tolle Haus aus der Lähmung zu befreien.
Festivals, die in die Stadt reingehen sollen? Hat es schon längst gegeben, selbst in Wiesbaden. Theater für junge Menschen stärken? Eine dieser intendanzbringenden Phrasen. Das JUST dann allerdings in die Wartburg auszulagern und die Kinder/Jugend somit aus dem „großen“ Theater auszuladen ist natürlich kontraproduktiv.
Partizipative und Performative Projekte. Wahnsinn. Hier wird Theater neu erfunden.

Die Politik wird zufrieden sein. Die Damen werden nach Außen ruhiger sein als Herr Laufenberg. Ob ihr Wirken nach Innen wirklich zu positiven Besserungen führt und die Belegschaft wieder zusammenführt, darf bezweifelt werden.

Ich fürchte Wiesbaden ist hier einer großen Mogelpackung auf den Leim gegangen. Schade um die Belegschaft.

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Eine Passage, die unbelegte Behauptungen enthielt, wurde aus diesem Kommentar gestrichen.
Mit herzlichen Grüßen
Ihre nachtkritik.de-Redaktion
Interview Wiesbaden: Ambivalent
Liest sich ziemlich aus der Zeit gefallen an… aber das Programm wirkt interessant, viele Uraufführungen, aktuelle und gestandene, neue vielfältige Stimmen. Hoffentlich sind sie zugänglicher als in diesem Interview.
Interview Wiesbaden: In die Schuhe geschoben
@9 "Herr Laufenberg hat Wiesbaden durch sein Verhalten über die letzten Jahre auch insofern einen Bärendienst erwiesen, als dass bei der Auswahl der neuen Intendanz nur noch auf die Verpackung und nicht mehr auf den Inhalt geschaut wurde. Alles schien erstmal besser als Laufenberg." Das ist ja ein toller Spruch, aber auch völlig substanzlos. Wie muss man sich denn verhalten, dass die Politik keine Wahl mehr hat beim Aussuchen der Nachfolge? Man kann ja Laufenberg viel in die Schuhe schieben (zum Bleistift, was ja immer wieder gesagt wird, dass bei ihm exzellent am Haus gesungen und gespielt wurde), aber ihm auch noch die Schuld zu geben, dass die Politik vermeintlich schwache Nachfolgerinnen aussucht, das ist doch wirklich leeres (...) Gerede. Wenn das so sein sollte, dann ist die Politik schon allein schuld.
Interview Wiesbaden: Völlig veraltet
Eine alleinerziehende Mutter zu kündigen ist schlichtweg unanständig. Wenn ich als Führung nicht in der Lage bin gut ausgebildetes Personal (denn sonst wäre sie vorher nicht engagiert worden) von meiner Vision zu überzeugen, sollte ich nicht leiten ! Und dann das Märchen der Künstlerischen Ausrichtung. Das ist doch völliger Unsinn. Dramaturgie und auch Spieler*innen arbeiten alle 6 Wochen mit neuen Regieteams ! Das ist einfach ein Ausrede dafür, dass die soziale Komponente schlichtweg egal war. Ein völlig veraltertes Modell, das im Theaterbetrieb nichts zu suchen hat !
Interview Wiesbaden: Verlängerter Arm
Wenn das Theater der verlängerte Arm der Politik ist, dann braucht es die Gesellschaft nicht mehr.
Interview Wiesbaden: Augen auf!
Bitte präzise bleiben. Die Dramaturgin ist nicht gekündigt, sondern nur nicht verlängert worden. D.h. die Intendantinnen haben von ihrem Recht Gebrauch gemacht, einen Vertrag nicht zu verlängern, der diese Nichtverlängerung vorsieht. Das ist einfach normal. Jeder Dramaturg und jede Dramaturgin weiß das. Also Augen Auf bei der Berufswahl. Ich kann dieses Gejammer nicht mehr hören. Sollen sich die Intendantinnen wegen "sozialer" Aspekte ihren künstlerischen Neubeginn kaputtmachen lassen?
Interview Wiesbaden: Erwartung
@14
"Sollen sich die Intendantinnen wegen "sozialer" Aspekte ihren künstlerischen Neubeginn kaputtmachen lassen? "

Hm....bei monatlichem Intendanz-Gehalt zwischen (an kleinsten öffentlichen Bühnen) 7k bis 18k an größten Bühnen (bei Regieführenden Intendanzen die mit sich selbst verhandelten Regie-Saläre nicht eingerechnet) auf meist 5 Jahre einfacher Intendanzdauer, ergo 60 Monate (Weihnachts und Urlaubsgeldregelung ist mir nicht bekannt bei Intendanzgehältern).......

Dann, ja, erwarte ich das wirklich.

Es sei denn alle Nicht verlängerten haben im gleichen Zeitraum mindestens 50% des Intendanzsalärs erhalten, dann kann man sagen ok kuckt wie ihr überlebt.
Aber wenn nicht, dann ist der soziale Aspekt nicht zu verleugnen und zumindest zu diskutieren und -mit Verlaub- der Begriff des Gejammeres avantgardistischer Bullshit!
Interview Wiesbaden: Macht
Nur im Fussball und im Theater möglich, die Kettenbefristung. Fussballer jammern vielleicht weniger, da mehr Kohle im Spiel ist.
Augen auf beim Teilzeit und Befristungsgesetz.
Künstlerischer Neubeginn ist immer möglich. Bitte präzise bleiben. Beim Intendanzwechsel
braucht es dann nicht mal n Grund außer ... Intendanzwechsel.
Und nun Sie, in welchem Berufsfeld ist es möglich, alle, ich meine alle, (die mit NV-Bühne) nicht zu verlängern. Alle. Ohne Grund. Wem gestattet man so eine Machtfülle? Augen auf bei der Intendant:innen Wahl
Interview Wiesbaden: Wirklich?
@16 Gibt es wirklich Intendantenwechsel bei denen alle NV-Beschäftigte gekündigt werden?
Interview Wiesbaden: Listen
@17 … ne - gibt es nicht. Aber 9 Weiterverlängerte, 5 Unkündbare von ca. 40 Darstellenden (Schauspiel und Oper), keine Dramaturg*innen, keine Marketing-Mitarbeitenden und 2 von 4 KBB-Mitarbeiter*innen, 1 Regieassi von 4 oder 5, usw. ist einfach kein besonders guter Schnitt…

Man muss ja nur die Personalia-Listen vergleichen und sieht solche Zahlen ja…
Interview Wiesbaden: Logik
Wenn niemand geht, kann niemand kommen.
DramaturgInnen kommen - auch - wegen ihrer Arbeitsbeziehungen zu RegisseurInnen. Die Intendanz kann nicht jeden kennen und soll nicht alle Produktionsprozesse mikromanagen. Also braucht es kritische Begleitung der Gastregie. Wenn neue DramaturgInnen diese neuen RegisseurInnen ans Haus bringen und gemeinsam mit Ihnen die ästhetische Linie abstecken, die von SpielerInnen, die idealerweise mit diesen neuen DramaturgInnen und Regisseurinnen bereits da und dort Erfahrungen gesammelt haben, gemeinsam ausprobiert werden. -- dann braucht es diesen Raum.
.
Der Extremfall umgedreht: Alle NV-Bühne sind fest und unkündbar. In KBB, Dramaturgie, Ensemble, Kommunikation. Wie sollte eine neue Intendanz die Verhältnisse ändern? Sie hängen eben - auch - an den Menschen selbst.
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Die Mischung aus alt und neu ist ein Schlüssel, der Impuls für Neues kann nicht ausschließlich von der Intendanz ausgehen.
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Alles soll anders werden, und wir machen weiter wie immer.
Sorry, das funktioniert nicht.
Interview Wiesbaden: Wieder mal "die" Alten
... als ob Ältere allein qua Geburtsdatum irgendwelche Vorlieben haben oder nicht. Das ist einfach nicht so.
Interview Wiesbaden: Man darf sich freuen!
Was für eine Kakophonie in dieser Kommentarspalte! Hier fangen zwei neue Intendantinnen an, die erst einmal wie alle neu Anfangenden verdient haben, dass man ihnen Zeit lässt, ihr Programm in die Tat umzusetzen. Dass sie eigenes Personal verpflichten, ist ein absolut üblicher und richtiger Vorgang. Wir können nicht einerseits fordern, dass die homogene Bubble Staatstheater sich ändert, andererseits bei jeder Veränderung im Personal aufheulen! Das vorgestellte Spielzeitprogramm lässt auf einen kraftvollen Neuanfang hoffen, und die neue Führungsstruktur dürfte dafür stehen, dass man wieder mehr über Kunst und weniger über das Personal sprechen wird.
Man darf sich freuen!
Interview Wiesbaden: Begrifflichkeit
Unkündbare gibt es doch nicht. Da man ja den NV Bühne Beschäftigten nicht kündigt, sondern nicht verlängert.
Ergo ab 15 Jahren musst annehmen was dir angeboten wird. Zu schlechteren Konditionen.
Machst es nicht, bist du draußen.
Interview Wiesbaden: Nicht 0815
Ich verstehe die Kritik ja nicht.
Die neue Intendanz holt Big Names wie Pucher, Richter oder Mondtag in die Provinz und hat nicht wenige sehr interessante Spielplan-Positionen, die nicht 0815-Stadttheater sind. Und das ist doch sehr anerkennenswert, finde ich.
Zudem: Ein relevanter Teil des Ensembles bleibt und dass neue Leute dazu kommen, ist ja nun völlig normal. Dass das für die Nichtverlängerten kein Trost ist und für den ein oder anderen zu beruflichen Schwierigkeiten führen kann, ist natürlich trotzdem immer schade für die Betroffenen.
Interview Wiesbaden: Provinz?
Eine Randüberlegung: Ich finde es interessant, was #23 als "Provinz" bezeichnet. Wiesbaden ist immerhin die Landeshauptstadt von Hessen, und das Wiesbadener Staatstheater ist eines der größten öffentlich getragenen Häuser Deutschlands; Geld ist (oder war) dort vergleichsweise viel vorhanden. Gibt es dann darüberhinaus noch Abstufungen? Die Provinz-Provinz, die prekäre Provinz, oder das Abseits? Von welchem Standpunkt her wird hier "Provinz" gedacht??
Interview Wiesbaden: Kopf verdreht
Letztlich versuchen einzelne darauf hinzuweisen, dass hier zwei Frauen (von denen - aus welchen Gründen auch immer - eine andere Leitungs-Praxis erwartet wurde als von Männern) ziemlich viele Menschen (unverständlicherweise oder auch nicht) nichtverlängert haben - was ja seit Jahren bemängelt wird. Und dann kommen andere um die Ecke und behaupten, dass das Engagement von Ersan Mondtag, Falk Richter und sonstigen, gar nicht mal so neuen, Namen dem guten, alten Wiesbaden nun den Kopf verdrehen wird und deshalb (!) hat das alles seinen Sinn.

Whatever. Wiesbaden wird voraussichtlich wie beim letzten Intendanzwechsel kurz Thema in der Presse sein, um dann wieder für 8-9 Jahre in der überregionalen Bedeutungslosigkeit zu verschwinden.

Schade - aber na ja … dafür war der Wechsel nicht radikal genug … Laufenberg kam damals schließlich auch mit Tina Lanik, Thorleifur Arnarsson, etc. hier an … und ich behaupte mal ganz frech, dass gerade dieser nicht angepasster ist als Mondtag… aber gut. Geschmäcker…
Interview Wiesbaden: Soziale Komponente
Ich kann dieses „Augen auf bei der Berufswahl“ nicht mehr hören ! Eine nicht-Verlängerung hört sich natürlich nach außen besser und menschlicher an (das wissen auch Intendant*innen ) bedeutet aber wie eine Kündigung, dass man keinen Job mehr hat, nur mit weniger oder keiner Abfindung ! Und eine Intendanz die soziale Aspekte ihrer Arbeitnehmer ignoriert oder nicht sehen kann/will hat nichts in einer führenden Position zu suchen. Da kann das Programm noch so toll sein und die Leute die man sich zum Haus holt. Das riecht nach Machtgier und nach „Hauptsache ich komm gut an“….
Interview Wiesbaden: Alter weißer Mann
"Weißer alter Mann" ist eine identitätspolitische Kategorie, mit der man alte weiße Männer wie Laufenberg gut abkanzeln kann. Würde man "Weißer alter Mann" nicht nach Identität, sondern nach dem Handeln definieren, würde die Kategorie auch gut auf die beiden neuen Wiesbadener Intendant:innen passen.
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