Neuer Gegenwind

30. Juni 2017. Die Theaterwissenschaftlerin und Kuratorin Evelyn Annuß hat auf der Plattform change.org eine Petition gestartet. Darin fordern die Unterzeichner*innen unter anderem Berlins Regierenden Oberbürgermeister Michael Müller und den Senator für Kultur Klaus Lederer auf, die Zukunft der Berliner Volksbühne neu zu verhandeln.

Dem ab der nächsten Spielzeit amtierenden Intendanten Chris Dercon werfen sie unter anderem vor, dass in seinen Plänen weder ein eigenes Ensemble noch ein Repertoirespielbetrieb vorgesehen sei.

"Vor diesem Hintergrund fordern wir den zuständigen Kultursenator Klaus Lederer auf, die Erfüllung des auch vom Regierenden Bürgermeister Michael Müller immer wieder unterstrichenen Auftrags (dauerhafte Ensemblestrukturen mit vor Ort erarbeiteten Produktionen, eigenes Repertoire) zu überprüfen und unter Einbeziehung der Stadt die Diskussion um die Zukunft der Volksbühne neu zu führen, um einen entsprechenden Spielbetrieb an einer der wichtigsten Berliner Bühnen sicherzustellen."

Unter den 99 Erstunterzeichner*innen sind viele prominente Künstler, Autoren, Journalisten und Wissenschaflter wie Hartmut Böhme, Christina von Braun, Dietmar Dath oder Hans-Thies Lehmann. Der ganze Text und die Liste der Unterstützer*innen ist hier nachzulesen.

Vorauseilende Antwort

Noch vor der Verbreitung der Petition sendete das Pressebüro der kommenden Leitung der Volksbühne gestern eine Pressemitteilung aus. Darin weist Pressesprecher Johannes Ehmann die erhobenen Vorwürfe im Namen von Chris Dercon und seiner Programmdirektorin Marietta Piekenbrock zurück. Die Ensemble- und Repertoire-Struktur werde nicht abgeschafft. "Die Premieren der Eröffnungsmonate werden schon ab Januar 2018 wieder als Repertoire in das Programm der Volksbühne aufgenommen, als Einzeltermine oder in kleineren Serien."

Nicht ein Festivalbetrieb, sondern nachhaltiges Arbeiten und gemeinsame Entwicklung neuer Regieformen in der Tradition der Volksbühne seien das Ziel der neuen Leitung. "Dass sich diese Strukturen noch nicht klar im Programm der ersten vier Monate ablesen lassen, ist auch dem Umstand geschuldet, dass von einem geordneten Intendantenwechsel nicht gesprochen werden kann." Bis heute seien auf Anweisung der gegenwärtigen Theaterleitung nur sehr beschränkt Besichtigungen mit Künstler*innen möglich, sowie die Nutzung von Proberäumen und Studios am Rosa-Luxemburg-Platz nicht gestattet.

(miwo)


Update, 30. Juni 2017, 20:41 Uhr: Die Liste der Erstunterzeichner war bei Veröffentlichung der Online-Petition fehlerhaft. Dazu die Initiatorin Evelyn Annuß in einer Presseaussendung: "Sehr geehrte Damen und Herren, wegen eines Kommunikationsfehlers landeten anstelle von Navid Kermani, Petra Moser und Teresa Kovacs gestern drei Namen von der Presseliste (Eva Behrendt, Tobias Rapp und Franz Wille) auf dem Offenen Brief. Entschuldigen Sie das Missverständnis."

 

Mehr zum Thema:

- Chris Dercon vertritt sein Programm vor dem Kulturausschuss des Abgeordnetenhauses  

- Bericht über die Programm-Pressekonferenz der kommenden Volksbühnen-Leitung

- Video-Interview mit Chris Dercon über sein Programm der ersten Spielzeit

 

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