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Castorf stößt verdienten Regisseur Treppe hinunter

18. November 2008. Die Anekdoten über ihn sind Legion. Ob er mit Kohlen auf Verwaltungsdirektoren warf, auf "Woyzeck"-Proben mit Georg Büchner persönlich sprach oder von Frank Castorf eine Treppe hinuntergestoßen wurde – immer geht es in diesen Geschichten ums Ganze. Ums Ganze des Theaters und ums Ganze des Lebens.

Schauspieler wie Corinna Harfouch oder Winfried Glatzeder und den Regisseur Dimiter Gotscheff prägte er maßgeblich. Angelica Domröse, Jürgen Gosch, Rolf Boysen oder Martin Wuttke spielten in seinen Inszenierungen. Und er hat legendäre Heiner-Müller-Erstaufführungen verantwortet. Und doch ist er – zumal im Westen – einer der großen Unbekannten des DDR-Theaters geblieben: Fritz Marquardt.

Für das Buch "Fritz Marquardt. Wahrhaftigkeit und Zorn" haben sich Michael Laages und Wolfgang Behrens zwischen März 2006 und Januar 2008 von Fritz Marquardt sein ebenso exemplarisches wie inkommensurables Leben erzählen lassen, das vom Gefangenenlager in Sibirien über die Erdölraffinerie Schwedt/Oder bis in die Leitungsetagen der Volksbühne und des Berliner Ensembles führt. Flankiert werden diese Gesprächsprotokolle von zahlreichen Beiträgen, die u.a. von Corinna Harfouch, Hermann Beyer, Frank Castorf, Thomas Heise, Dimiter Gotscheff, Stephan Suschke und B.K. Tragelehn stammen.

Mit freundlicher Genehmigung des Verlags Theater der Zeit veröffentlichen wir im Folgenden zwei Auszüge, im ersten lernt Fritz Marquardt Anfang der sechziger Jahre in Ostberlin einen Dramatiker kennen, der gerade in Ungnade gefallen ist. Im zweiten Abschmnitt trifft er in den toskanischen Bergen auf einen Großregisseur, der ihn für einen Ureinwohner Australiens hält.

(jnm/ wb)

 
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