Rettungsmaßnahme

5. Dezember 2013.Die Bürgerschaft der Hansestadt Rostock hat gestern den Austritt der Volkstheater Rostock GmbH aus dem Deutschen Bühnenverein, also dem Arbeitgeberverband deutscher Theater und Orchester,  beschlossen, das teilt das Theater in einer Presseerklärung mit. Das mehrheitlich von den Fraktionen getragene Votum beauftragt das Volkstheater, die Mitgliedschaft mit sofortiger Wirkung zu
kündigen.

Hintergrund für die Entscheidung ist der neue Flächentarif für Orchestermusiker, laut dem alle seit 2009 ausgesetzten Lohnerhöhungen des öffentlichen Dienstes im vollen Umfang nachgeholt werden müssen.

Im Ergebnis würde dies für Rostock eine Nachzahlung von mindestens einer Million Euro als auch eine zusätzliche Lohnerhöhung von 8,9 Prozent bedeuten. Die Personalkosten stiegen damit um ca. 460.000 Euro pro Jahr, was die Existenz des Theaters erneut auf die Kippe stellen würde. Stefan Rosinski, kaufmännischer Geschäftsführer, und Intendant Peter Leonard zu der gestrigen Debatte: "Interessensvertretungen sind essentiell wichtig. Aus nachvollziehbaren Gründen haben der Bühnenverein und die Gewerkschaften einen Auftrag für das gesamte Bundesgebiet – ohne Unterschied. Das ließ uns zu wenig Spielraum für eine individuelle Lösung. Doch Rostock braucht einen eigenen Tarifweg."

Vorausgegangen waren Verhandlungen mit dem Bühnenverein, bei denen das Theater auf seine prekäre Lage verwiesen hatte und um eine Sonderregelung bat. Dies sei auch in einem Protokoll festgehalten und in einem Schreiben vom Juni von der VTR-Geschäftsführung nochmals bestärkt worden, berichtete die Internet-Zeitung Das-ist-rostock.de vor zwei Tagen. In den Verhandlungen vom Oktober 2013 sei davon dann keine Rede mehr gewesen.

Auch Sewan Latchinian, designierter Rostocker Theaterintendant und stellvertretender Vorsitzender der Intendantengruppe im Deutschen Bühnenverein, hat der Stadt den Austritt empfohlen: "Unser Vertreter, der Deutsche Bühnenverein, hat nicht in unserem Sinne verhandelt. Das ist ein Fall von Untreue. Wir brauchen diesen Befreiungsschlag. Der Tarif ist nicht wichtiger als die Kunst. Wir müssen die Insolvenz abwenden und die Arbeitsplätze erhalten. Deshalb müssen wir uns jetzt selbst helfen. Wenn sich das Volkstheater konsolidiert hat, können wir ja wieder eintreten."

Unterdessen hat der Deutsche Bühnenverein reagiert. Auf seiner Homepage schreibt er zu den kritisierten Tariferhöhungen: "Die Erhöhung beträgt angesichts der für das Volkstheater Rostock mit der DOV verhandelten Sonderregelung lediglich 6,1 Prozent. Diese Lohnerhöhung müsste das Volkstheater Rostock nur umsetzen, wenn bis zum 31. Juli 2014 kein Haustarifvertrag mit Gehaltsverzicht vom Bühnenverein abgeschlossen wird. Die DOV hat sich gegenüber dem Bühnenverein bereits zu entsprechenden Haustarifverhandlungen bereit erklärt."

(sik)

Mehr zu der prekären Rostocker Situation:

Meldung vom 28. Oktober 2013: Erneut weniger Geld für das Rostocker Volkstheater

Meldung vom 28. Mai 2013: Volkstheater Rostock schließt Theater am Stadthafen

Meldung vom 16. Mai 2013: Dreht sich der Wind in Rostock?

 

 

 
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