Obdach unter der Showbrücke

4. Dezember 2019. Tiefsinnig, witzig und manchmal tut's weh: Das Theater von René Pollesch verbindet, was hierzulande gern getrennt wird – E und U, Ernst und Unterhaltung. Am Friedrichstadt-Palast, einem eigentlich dem U verschriebenen Ort, inszenierte der Regisseur und designierte Volksbühnen-Intendant gemeinsam mit dem Schauspieler Fabian Hinrichs Glauben an die Möglichkeit der völligen Erneuerung der Welt. Mit Fabian Hinrichs und mit Berndt Schmidt, dem Intendanten des Friedrichstadt-Palasts, sprechen Susanne Burkhardt und Elena Philipp in Folge 20 des Theaterpodcast über die Zusammenarbeit.

Den Umbruch fühlen

Antje Boetius im Interview mit Elena Philipp und Christian Rakow

29. November 2019. Mit der ökologischen Jugendbewegung Fridays for Future ist die Klimaforschung so breitenwirksam geworden wie selten zuvor ein wissenschaftliches Forschungsfeld. "Hört nicht auf mich, hört auf die Wissenschaften", ruft Greta Thunberg, die Gallionsfigur des globalen Klima-Aktivismus, der Politik zu.

Die klägliche Klage der Ohnmacht

von Nikolaus Merck

28. November 2019. In den Städten errichten sie jetzt die Weihnachtsbäume. Dreimannshoch ragt der in Rudolstadt auf, noch höher der Tannenstolz in Bautzen, überwipfeln sie den Jahresendtaumel zwischen Konsumlust und Gottesfurcht. Von Rebellion keine Spur. Anders als am selben Wochenende in Paris, wo die Ladenbesitzer*innen aus Furcht vor den Gelbwesten ihre Geschäfte lieber geschlossen halten. Bei uns dagegen geht's friedlich dahin, werden die auf Umsturz schielenden Völkischen 25 Prozent stark in die Parlamente gewählt und die Demokratie demokratisch abgeschafft.

Ein Exportschlager

von Simone Kaempf

Berlin, 25. November 2019. Was wäre, wenn Hans-Thies Lehmann seine theaterwissenschaftliche Kampf- und Wissenschrift gar nicht "Postdramatisches Theater" genannt hätte, sondern zum Beispiel "Tendenzen eines neuen Theaters"? Der Erfolg wäre nicht derselbe, das ist heute mehr als klar. Dabei stammte die Bezeichnung gar nicht von ihm. Andrzej Wirth hatte den Begriff zuvor bereits benutzt, das Wort zirkulierte Ende der Neunzigerjahre auch schon unter den Studierenden in Gießen, allerdings noch mit Irritationspotential, vielen blieb damals unklar, was eigentlich gemeint ist.

Alternative Unternehmensführung

von Sebastian Linz

20. November 2019. Während auf den Bühnen die Diskurse und Krisen der Gegenwart verhandelt und darstellbar gemacht werden, regieren dahinter: Prekarisierung, Ungerechtigkeit, Machtmissbrauch, Diskriminierung, Rassismus, Sexismus, Intransparenz, Nicht-Nachhaltigkeit. – Nun gut, dieser Gegensatz mag stark überzeichnet sein. Aber die mitunter große Diskrepanz zwischen künstlerischem und institutionellem Handeln der Theater (und allen anderen Kultureinrichtungen) ist mittlerweile zu Bewusstsein gelangt.

Versteinerte Strukturen?

14. November 2019. Aufrüttelnd sind die Ergebnisse von Thomas Schmidts Studie "Macht und Struktur im Theater": Mehr als die Hälfte der Künstler*innen an deutschsprachigen Theatern hat in ihrem Berufsleben schon verbale Übergriffe oder psychische Bedrohungen erlebt. Überstunden und geringe Bezahlung bei unsicherer Beschäftigung sind vielerorts ihr Alltag. Konflikte zwischen Theaterleitern und ihrer Belegschaft, Diskriminierung und übergriffige Arbeitsweisen sind also nicht nur Einzelfälle, sondern Systemfehler? Dieser Frage widmen sich Susanne Burkhardt und Elena Philipp mit ihren Gesprächspartner*innen in Folge 19 des Theaterpodcast.

Ressourcen der Macht oder Last Dirty Secrets

von Thomas Heskia

14. November 2019. Dem vor wenigen Jahren verstorbenen Doyen der Organisationsforschung Warren Bennis wird die Aussage zugeschrieben, Fragen der Macht seien "the organization's last dirty secret". Sie sind omnipräsent und beeinflussen das Handeln bis ins kleinste Detail. Offen über Macht zu sprechen, scheint jedoch nicht nur im Theaterkontext mit einem Tabu belegt zu sein. Aus gutem Grund, denn dies wäre ja schon der erste Schritt, sie in Frage zu stellen. Auch in der Forschung hatte das anrüchige Thema lange Zeit kaum Präsenz: Beiträge zu Management und Führung gibt es zuhauf, Macht als unumgängliche Voraussetzung kommt darin nur am Rande vor. Die jüngste Aktualität ist einerseits der Einsicht zu verdanken, dass die Entwicklung von Organisationen ohne ein Verständnis offener wie auch verdeckter Machtstrukturen unmöglich ist. Zum anderen haben mutige Frauen das Schweigen gebrochen und in der #MeToo-Bewegung Fälle von sexuellem Missbrauch öffentlich gemacht. Ohne diesen Aspekt des Machtmissbrauchs in patriarchalen Systemen kleinreden zu wollen: Es geht um weit mehr als das. So wie es auch Thomas Schmidt in seiner Studie zum Machtmissbrauch an Theatern beschreibt.

Vorwärts zur Natur? Ein Plädoyer für eine Welt ohne uns, mit uns!

von Kevin Rittberger

6. November 2019. "Pflanzen als Protagonisten im Theater? Wie soll das funktionieren? Damit eine Pflanze im Zentrum eines Bühnengeschehens stehen könnte, schienen uns drei Eigenschaften notwendig:

  1. Die Fähigkeit, zu handeln, d.h. komplexer als in simplen Reiz-Reaktionsmustern agieren zu können.
  2. Individualität.
  3. Die Möglichkeit, ein Publikum emotional zu affizieren." 

Einige grundlegende Dinge scheinen mir bemerkenswert auf der Suche nach einem Theater der Pflanzen, für das der hier zitierte Essay von Tobias Rausch auf nachtkritik.de einige Umrisse skizziert hat, und das den Menschen noch zu brauchen scheint, obwohl es ihn bereits ins Jenseits befördert. Wenn wir die Welt ohne uns als "Schauspiele jenseits des Menschen" betrachten, betrachten wir sie immer noch. Der alte "Gottes-Trick" (Donna Haraway) schleicht sich nicht ein, er macht sich breit wie eh und je. Zwar geht ihm diesmal eine Verneigung vor der Intelligenz ("Hach, die Wurzeln, so klug wie das Internet!") und der Individualität ("Der arme Basilikum mag keine Klassik!") der Pflanzen voraus, am Ende sollen jedoch wieder Publikum und Artisten durch ein Schauspiel befriedigt werden. Die Leute sollen gerührt sein und staunen, wie geil der Planet ohne sie aussieht.

Unendliche Weiten

von David Gieselmann

30. Oktober 2019. Natürlich wäre es toll, wenn Buch-Adaptionen besser wären, und wenn mehr davon von Autor*innen verantwortetet würden – nicht von Dramaturg*innen oder Regis-seur*innen. Und am erfreulichsten wäre es natürlich, wenn sie besser wären, WEIL sie von Autor*innen stammen. Das würde dann nämlich beweisen, dass Menschen, die Theater schreiben, das besser können – in diesen Punkten gebe ich Michael Wolf durchaus Recht, der in seiner Kolumne mehr Autor*innen-Adaptionen forderte. Aber dennoch glaube ich, ein wesentliches Problem des durchschnittlichen Stadt-Theater-Spielplans wäre dadurch nicht gelöst – wenn es sich nicht sogar verschärfen würde: dass das Gespür dafür, was das Theater am besten erzählen kann, erodiert.

Klima trifft Theater

31. Oktober 2019. Am Mittwoch fand die Konferenz Klima trifft Theater – Zur theatralen Erzählbarkeit der Klimakrise in der Heinrich-Böll-Stiftung Berlin statt. nachtkritik.de übertrug die Veranstaltung als Medienpartner. Hier dokumentieren wir die  Vorträge und das Panel.